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Tatort: In diesem Job-Center erstach ein Fachabiturient einen Diplom-Psychologen.

Psychologen erstochen

Der Killer vom Job-Center zeigt Reue

Ansbach - Weil er für nicht arbeitsfähig erklärt wird, rastet ein Fachabiturient aus. Unter Drogeneinfluss ersticht er seinen Psychologen in einem Job-Center. Vor Gericht entschuldigt er sich.

Die Diagnose des Diplom-Psychologen Roland M. (61) fiel für Sebastian T. (29) vernichtend aus: IQ 76, nicht arbeitsfähig, therapiebedürftig. Als dem Fachabiturienten dieses Gutachten am 3. Dezember 2014 im Jobcenter Rothenburg ob der Tauber eröffnet wurde, sah er rot: Mit drei Messerstichen er­mordete er den Psychologen.

Am Montag begann vor dem Landgericht Ansbach der Prozess gegen den Messerstecher. Obwohl die Öffentlichkeit aufgrund des Geisteszustands von T. durch einen Antrag der Verteidigung weitgehend ausgeschlossen wurde, drangen grausige Details aus dem Sitzungssaal. 

Der Staatsanwalt berichtete: „Aus Verärgerung, dass ihm eine verminderte Intelligenz attestiert worden war, verließ er gegen 11.45 Uhr das Jobcenter und kaufte um 11.51 Uhr im Kaufland ein Küchenmesser mit einer Klingenlänge von 12,7 Zentimetern.“ Derart bewaffnet kehrte er ins Dienstzimmer der für ihn zuständigen Vermittlerin Melanie S. zu­rück. Roland M. war immer noch dort, weil er die völlig aufgelöste Frau tröstete: Sebastian T. hatte sie nämlich bereits im Laufe des Gesprächs bedroht.

Täter stand unter Drogeneinfluss

Mit den Worten „Es tut mir leid, aber ich muss das jetzt zu Ende bringen“, stürmte er auf den sitzenden Psychologen zu und rammte ihm das Messer ins Herz. Der Staatsanwalt: „Aufgrund der räumlichen Verhältnisse hatte M. nicht die geringste Möglichkeit, sich zu verteidigen oder zu flie­hen.“ T. ließ sich danach noch am Tatort widerstandslos festnehmen. Eine später genommene Blutprobe ergab, dass er unter starkem Drogen- und Medikamenteneinfluss stand.

Am Montag entschuldigte er sich bei der Witwe seines Opfers und bat um eine harte Strafe: „Obwohl es dafür eigentlich keine ange­messene Strafe gibt“, ließ er in einer Erklärung seines Anwalts vortragen. Er habe Angst gehabt, in einer geschlossenen Psychiatrie untergebracht zu werden. Er könne sich nur noch an zwei Stiche in die Schulter des Psycholo­gen erinnern, danach setze seine Erinnerung erst ein, als er überwältigt wurde.

Opfer stirbt eine Stunde nach Stichen

Laut seines Anwalts hatte T. am Morgen des 3. Dezembers zwei Haschpfeifen geraucht. Er habe gehofft, Mathematik-Nachhilfe geben zu können und sei vom Gutachten des Psychologen maßlos enttäuscht gewesen. Nach Aussage der ersten Zeugen muss der Angeklagte im Laufe des Gesprächs derart einschüchternd aufgetreten sein, dass Melanie S. die Polizei alarmierte. Doch noch während die Streife unterwegs war, kam der zweite Notruf: Messerattacke im Jobcenter! Für Roland M. kam jede Hilfe zu spät – er starb eine Stunde nach den Stichen. Als man Se­bastian T. das mitteilte, habe er dies gar nicht glauben können, ließ er seinen Anwalt erklären.

In dem Prozess geht es nun um die Frage, ob Sebastian T. lebenslang in Haft kommt oder in der Psychiatrie untergebracht wird. Das Urteil darüber soll am 28. Oktober ergehen.

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