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Pendelt jetzt zu anderen Zeiten: die Bayerische Oberlandbahn (hier bei Gmund).

Fahrplanwechsel bringt Freud und Leid

München/Holzkirchen - Die Bahn feiert ihren neuen Bahnhof „Hirschgarten“. Aber um die Haltestelle für geschätzt 15 000 Fahrgäste täglich zu integrieren, wurde fast der gesamte Fahrplan neu entworfen – mit gravierenden Folgen etwa bei der Bayerischen Oberlandbahn.

Hier bekommen Sie eine Hörprobe der neuen S-Bahn-Ansage

Mehr oder minder seit Inbetriebnahme der Bayerischen Oberlandbahn, also zehn Jahre lang, blieb der Fahrplan mit kleinen Korrekturen unverändert. Doch ab Sonntag ist (fast) alles anders. Die S-Bahn hat wegen der neuen Haltestelle ihr Linienkonzept geändert. Künftig verkehrt die neue S 3 zwischen Mammendorf und Holzkirchen – und auf dem Ast ins Oberland fährt auch die Oberlandbahn. Die Folge: Die Taktzeiten der BOB mussten um 30 Minuten verschoben werden. „Ein unerwarteter Eingriff“, sagt BOB-Geschäftsführer Heino Seeger. Zwar gibt es für Berufspendler und die Schüler zu den Stoßzeiten keine Änderungen. Schüler etwa des G 8, die Nachmittags-Unterricht haben, müssen aber Wartezeiten in Kauf nehmen.

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Die Stimme der S-Bahn

Seeger ist seit einigen Wochen bemüht, den Sturm der Entrüstung im Oberland zu dämpfen. Am kommenden Donnerstag gibt es in Holzkirchen ein zweites Diskussionsforum mit Fahrgästen. An der Grundkonzeption, so Seeger bedauernd, lasse sich aber „nichts mehr ändern“. Nur für den Abend gibt es Aussicht auf nachträgliche Verbesserungen: Eine neu entstandene Taktlücke könnte geschlossen werden – derzeit fährt eine BOB ab München-Hauptbahnhof um 22.10 Uhr, die nächste erst um 23.50 Uhr. Auch die Abfahrtzeit der letzten Züge aus dem Oberland wurden um eine halbe Stunde vorverlegt. Seeger verspricht, es werde geprüft, ob hier ein „Nachsteuern“ möglich ist.

Der Fahrplanwechsel hat die DB und eine Privatbahn auch auf zwei anderen Strecken offenbar kalt erwischt:

Bei der Berchtesgadener Land Bahn muss ab Sonntag ein Notkonzept greifen, da die bestellten Züge („Flirt“) bis jetzt keine Zulassung beim Eisenbahnbundesamt bekommen haben. Die BLB weicht auf andere, von Privatbahnen geliehene Baureihen („Regio-Shuttle“, „Desiro“) aus. Die extra für „Flirt“ geschulten Lokführer müssen eine weitere Einweisung über sich ergehen lassen, einstweilen behilft sich die BLB mit Leih-Lokführern.

Probleme mit den Fahrzeugen gibt es auf der Strecke München-Passau („Donau-Isar-Express“): Fabrikneue Fahrzeuge der Baureihe ET 440 konnten wegen Problemen bei den Bremsen nicht ausgeliefert werden. Zum Einsatz kommen vorerst die herkömmlichen alten Regionalzug-Wagen, ein Zug verkehrt auch mit Doppelstock-Wagen.

Das soll nicht heißen, dass der Fahrplanwechsel nicht auch viele kleinere und größere positive Neuerungen beinhaltet. Der Donau-Isar-Express wird aufgestockt – zumeist wird der Regionalzug stündlich zwischen München und Passau pendeln. Die Rottalbahn fährt künftig stündlich zwischen Mühldorf und Passau und verdoppelt ihr Angebot. Auch der Mangfallexpress zwischen Holzkirchen und Rosenheim wird attraktiver und verkehrt in etwa im Stundentakt – und wer „ums Eck“ fahren will (etwa von Kolbermoor nach Bad Tölz), der kann das jetzt ohne lästige Warterei mit einem Umstieg in Holzkirchen tun.

Von München Richtung Ingolstadt schickt die Bahn künftig ab 16.57 Uhr einen zusätzlichen Regionalexpress auf die Schiene – mit Halt in Petershausen, Pfaffenhofen und Rohrbach. Verbesserungen gibt es auch auf der Strecke der Südostbayernbahn (München-Dorfen-Mühldorf) – nach Angaben der Bayerischen Eisenbahngesellschaft werden die Fahrzeiten „teilweise deutlich“ verkürzt. Die 2008 eingeführte „Railjet“-Verbindung München-Linz bis Budapest wird um vier tägliche Direktverbindungen erweitert, der Fugger-Express München-Augsburg erweitert ebenfalls.

Dreh- und Angelpunkt für die Pendler im Großraum München dürften jedoch die Änderungen bei der S-Bahn sein. Zu beachten sind nicht nur die zum Teil neuen Linienbezeichnungen, sondern auch um Minuten geänderte An- und Abfahrtszeiten an vielen Bahnhöfen. So fährt, um ein Beispiel zu nennen, die neue S 4 Richtung Buchenau/Geltendorf künftig ab Hauptbahnhof zwei Minuten früher los als die (alte) S 8. Die Gesamtbilanz ist jedenfalls eindrucksvoll: Die Deutsche Bahn schickt in Bayern pro Tag 6000 Züge auf die Strecke. Unter dem Strich legen sie im Jahr knapp 100 Millionen Kilometer zurück, wie Bayerns Bahn-Chef Klaus-Dieter Josel vorrechnet.

Dirk Walter

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