Fahrrad im Zug: Wann es was kostet

München - Schönes Wetter treibt die Leute auf ihre Drahtesel und raus aufs Land. Um dort hinzukommen, nutzen viele Radler erst einmal Züge. Bei einigen Bahnbetreibern ist dieser Service kostenlos, bei den Regionalzügen der Deutschen Bahn jedoch nicht. Warum eigentlich?

Viele Schönwetterradler, Berufs- und Schulpendler wollen ihre Räder im Zug mitnehmen. In Oberbayern sehen die Angebote hinsichtlich der Fahrradmitnahme jedoch sehr unterschiedlich aus.

In vielen Landkreisen existieren Vereinbarungen mit den Bahnbetreibern, die eine kostenlose Mitnahme ermöglichen sollen. Dazu werden Pauschalen vereinbart, wie etwa in Altötting, Mühldorf, Traunstein, Rosenheim und im Berchtesgadener Land. Deswegen können in den Zügen der Südostbayernbahn (SOB) und der Berchtesgadener Landbahn (BLB) Räder kostenlos mitgenommen werden. Nur wer mit der SOB beispielsweise in die angrenzenden Landkreise München oder Ebersberg fährt, muss für sein Radl zahlen.

Der Wirrwarr hat System, denn manche Landkreise geben der DB einen Zuschuss, andere nicht. Der Landkreis Berchtesgadener Land zum Beispiel aber handelte einen Vertrag mit der SOB, der BLB und den Österreichischen Bundesbahnen aus. Die Berchtesgadener zahlen für die kostenlose Mitnahme insgesamt 30 000 Euro bis zum Jahr 2013. Obwohl die Südostbayernbahn eine Tochter der Bahn ist, gilt die Vereinbarung mit den Landkreisen für die DB Regio-Züge nicht.

Die DB versicherte, dass man nicht versehentlich über eine Landkreisgrenze fahren kann, und dann plötzlich zur Kasse gebten wird. „Alle Züge, die das betreffen könnte, enden vorher“, so der Bahnsprecher. Grundsätzlich gilt bei allen Bahnbetreibern, ob kostenlose Mitnahme oder nicht: Der Fahrgast hat keinen unbedingten Anspruch darauf, seinen Drahtesel tatsächlich mitnehmen zu können. Nur solange Platz ist im Zug, können auch Räder mitgenommen werden.

Dort muss der Radfahrer vor Fahrtantritt selber bezahlen. „Mit Ausnahme des Landkreises Mühldorf müssen Fahrgäste, die ihr Rad mitnehmen wollen, ein Ticket für 4,50 Euro lösen“, sagt ein Sprecher der Deutschen Bahn (DB). Mit dem Landkreis Mühldorf konnte eine Pauschale verhandelt werden. „Andere Landkreise wollten hingegen nicht zahlen“, so der Sprecher weiter. Aufgrund der positiven Erfahrungen mit der kostenpflichtigen Mitnahme bestehe jedoch kein Anlass, dies zu ändern.

Patrick Wehner

Radlfahrminister Herrmann: „Wir brauchen mehr Radwege“

Joachim Herrmann ist nicht nur bayerischer Innenminister, sondern kraft seines Amtes auch Radlfahrminister – schließlich ist er für den Bau von Radwegen und auch die Verkehrssicherheit zuständig. Jetzt ist der Franke offenbar auf den Geschmack gekommen – er will das lange vernachlässigte Thema nach vorne bringen.

Ende Mai wird es in Nürnberg einen zweitägigen Radverkehrs-Kongress geben, auf dem alles rund ums Rad propagiert wird. In Bayern, so ist Herrmann überzeugt, ist noch Luft nach oben: „Die Leute sollten sich mehr fürs Radfahren entscheiden, da ist noch viel Potenzial drin“, sagt er.

Speziell der Bau von Radwegen müsse vorangetrieben werden, wobei Herrmann für eine – wo baulich möglich – strikte Trennung von Auto und Fahrrädern wirbt. „Wir brauchen mehr abgetrennte Fahrspuren oder aber ordentlich ausgebaute, asphaltierte Radwege.“

Herrmann verweist darauf, dass es in Bayern ein eigenes Programm zum Bau von Radwegen entlang von Staatsstraßen gibt. Von 2009 bis 2013 werden 260 Kilometer Radwege neu gebaut, das kostet den Freistaat über 40 Millionen Euro. Außerdem wurden in Bayern 2009 und 2010 insgesamt 3600 Kilometer Radwege neu und einheitlich beschildert. Allein die Schilder kosteten dabei 700 000 Euro.

Am Verkehrsrecht für Radler will Herrmann nichts ändern. So ist er gegen eine Helmpflicht für Erwachsene – das sei kontraproduktiv, wenn man mehr Erwachsene für den Umstieg aufs Radl gewinnen wolle. „Eine Verpflichtung lehne ich ab, wir empfehlen die Benutzung des Helms aber.“

dw

Rubriklistenbild: © Jantz

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