Kommunen beklagen Lärm

Motorrad-Fahrverbote für ganz Bayern drohen - Aiwanger äußert nun Befürchtung

  • Julian Baumann
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Kommen Fahrverbote für Motorräder an Sonn- und Feiertagen? Tausende Fahrer protestierten. Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger stellt sich dagegen - er will keine „Verbotskultur“.

  • Der Bundesrat plant beschränkte Verkehrsverbote an Sonn- und Feiertagen für Motorradfahrer. Das geht aus einem Beschluss vom Mai hervor.
  • Der Beschluss erfolgte aus Gründen des Lärmschutzes, weil in Bayern immer wieder Motorradfahrer mit zu hoher Geschwindigkeit unterwegs sind.
  • Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) spricht sich gegen ein Verbot aus - er will keine „Verbotskultur“.

München/Augsburg - Motorradfahrer rasen oftmals mit deutlich zu hoher Geschwindigkeit über die Straßen in Bayern. Durch das Hochdrehen des Motors sind die Maschinen dabei sehr laut. Im Mai verabschiedete der Bundesrat einen Beschluss. Darin geht es um beschränkte Verkehrsverbote an Sonn- und Feiertagen. Die Aktion soll zum Lärmschutz dienen. In Oberbayern gibt es seit Langem Beschwerden über den Motorradlärm.

Georg Kittenrainer, der Bürgermeister von Bayrischzell, sagte im vergangenen Jahr in Aying bei München: „Schluss mit Motorradrasern und Motorradlärm in bayerischen Gemeinden“. Der Bundesrat plante einen Schlag gegen die Lautstärke. Die Motorradfahrer kündigten Protestfahrten an. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) spricht sich nun gegen ein Verbot aus. Er befürchtet ansonsten eine Verbotskultur „wo Menschen alles stört".

Fahrverbote Bayern: Aiwanger: „Ich will den Menschen das Motorradfahren nicht verbieten“

Die Kommunen in Bayern beklagen immer lauteren Motorradlärm. In Tirol trat bereits Anfang Juni eine Verordnung in Kraft, wonach Motorräder, die laut Zulassung lauter als 95 Dezibel sind, nicht mehr durch das Außerfern fahren dürfen. Der deutsche Bundesrat will noch weiter gehen: Die Geräusch-Emission neu zugelassener Zweiräder soll auf 80 Dezibel begrenzt werden. Ein komplettes Motorrad-Fahrverbot an Sonn-und Feiertagen steht auch in Bayern noch immer zur Diskussion. Aiwanger stellt sich dagegen. „Ich will den Menschen das Motorradfahren nicht verbieten“, sagte er am Mittwoch der Augsburger Allgemeinen. Im Zeitungsinterview fordert der bayerische Wirtschaftsminister zudem die Einführung eines verpflichtenden sozialen Jahres für alle.

Beim Eintreten eines Fahrverbots für Motorradfahrer befürchtet der Wirtschaftsminister eine aufkommende Verbotskultur, bei der Menschen sich über alles beklagen. „Man muss nicht alles reglementieren und man muss mal alle Fünfe gerade sein lassen“, sagte er. „Sonst schleicht sich eine Verbotskultur ein, wo Menschen alles stört, vom krähenden Gockel bis zum Läuten der Kirchenglocken“.

Fahrverbote Bayern: Scheuer will den Beschluss nicht umsetzen

Laut Angaben der dpa will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) den Beschluss der Länderkammer nicht umsetzen. In dem Beschluss hieß es, es gäbe dringenden Handlungsbedarf für „zeitlich beschränkte Verkehrsverbote an Sonn- und Feiertagen“. Obwohl Scheuer den Beschluss bereits abgewiesen hatte, steigt der Druck auf Fahrer und Hersteller. In Österreich dürfen Motorräder mit einem Standgeräusch von mehr als 95 Dezibel seit 10. Juni auf fünf Streckenabschnitten in Tirol nicht mehr fahren - egal, wie laut sie während der Fahrt wirklich sind. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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Rubriklistenbild: © picture alliance/Nicolas Armer/dpa

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