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Diesen Schülerinnen von der Realschule Wasserburg schmeckt die „faire Milch“. Die Mädchen der Klasse 9 g stellten das neue Produkt in Freising vor.

„Faire Milch“ – für Bauern und Verbraucher

Freising - Es ist der ehrgeizige Versuch, den Milchmarkt auf den Kopf zu stellen. Bauern haben sich zusammengetan, um ihre Milch kostendeckend zu vermarkten. Jetzt steht sie in 1200 Rewe-Regalen.

Blasmusik und ein „Milli“-Lied vom bayerischen Barden Hanse Schoierer – im beheizten Zelt vor den Freisinger Schlüter Hallen herrschte gestern Volksfeststimmung, als Landwirt Jakob Niedermaier unter tosendem Applaus hunderter Milchbauern das Rednerpult erklomm. Dann erklärte der Geschäftsführer der neuen Milchvermarktungsgesellschaft MVS, wie man „den miserablen politischen Vorgaben ein Schnäppchen schlagen“ will: Indem man den Spieß umdreht. An der MVS ist der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) zu 50 Prozent beteiligt.

Bisher lieferten die Bauern an die Molkereien, die ihre Produkte in den Handel brachten und den Landwirten quasi bezahlten, was übrig blieb: ihrer Meinung nach Brosamen. Die bisher rund 120 „fairen“ Milchlieferanten, die vor allem aus dem Allgäu, Baden-Württemberg und Hessen kommen, nehmen das Heft nun selbst in die Hand. Sie verkaufen ihr Produkt – hochwertig, „nachhaltig“ und ohne Gentechnik produzierte Milch – an den Handel. „Die Molkereien bezahlen jetzt wir für die Lohn-Produktion“, rief Niedermaier unter dem Jubel der Bauern. „Wir machen den Preis, für den der Handel unser Produkt bekommt.“ So viel Selbstvertrauen beziehen die „fairen“ Lieferanten aus dem Vertrauen in die Verbraucher. Und die ziehen offenbar mit. „Die Nachfrage nach der fairen Milch ist enorm“, berichtete Niedermaier, „wir kommen mit der Produktion gar nicht mehr nach.“

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Die „faire Milch“, die als H-Milch bei Rewe (und 300 Tegut-Filialen) für 89 (1,8 Prozent Fett) und 99 Cent (3,8 Prozent Fett) im Regal steht, ist zwar fast doppelt so teuer wie Billigmilch der Discounter. Dafür aber ist sie laut MVS doppelt so gesund: Der Anteil der Omega-3-Fettsäuren sei deutlich erhöht, nicht zuletzt Folge einer sparsamen Verwendung von Silomais. Möglichst viel hofnahes Grünfutter soll bei den Kühen landen. Bund Naturschutz, Verbraucherzentrale, Imker – alle zögen daher mit.

Generell sind die Auflagen für Lieferanten streng: Keine Gentechnik, kein Futter aus Übersee, ein Mindestanteil von 60 Prozent Grünland – und jeder „faire“ Milchbauer verpflichtet sich sogar dazu, ein Umwelt- oder Tierschutzprojekt zu betreuen. Die Bauern müssen auch ihre „Hoftor-Bilanz“ (Einkauf, Verkauf) offenlegen. Und jeder Lieferant ist auf der MVS-Homepage (www.die-faire-milch.de) namentlich aufgelistet – „maximale Transparenz“, wie Jakob Niedermaier das nennt.

Noch ist es ein kleiner Zirkel von nur 120 Bauern, der für viel Produktionsaufwand 40 Cent pro Kilo einstreicht. Doch mit der Nachfrage nach der „fairen Milch“ ist laut Niedermaier die Voraussetzung gegeben, dass bald alle bayerischen Bauern von der Idee profitieren. „Es wird ein Wettbewerb um die Landwirte“ einsetzen, glaubt der Chef der Selbstvermarkter. Der Einfluss auf den Markt werde steigen, der Milchpreis anziehen. Weitere Produkte wie Frischmilch und Käse sollen folgen. Eine sanfte Revolution. Ob sie erfolgreich ist, entscheiden die Verbraucher.

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