Umbruch auf 1848 Metern

Falkenhütte wird saniert: Riesen-Projekt für 6,3 Millionen

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Es ist das größte Hüttenbauprojekt, das die Alpenverein-Sektion Oberland je in Angriff genommen hat: Ab September wird die Falkenhütte im Karwendel für 6,3 Millionen Euro generalsaniert. Für die Wirtsfamilie geht eine Ära zu Ende.

München/Hinterriß – Ein bisschen Wehmut ist schon dabei, wenn Fritz Kostenzer über seine letzte Saison als Hüttenwirt auf der Falkenhütte spricht. „Seit 30 Jahren warten wir auf den Umbau“, sagte er vor einigen Wochen unserer Zeitung. Jetzt, wo es ernst wird, da tue ihm die alte Bude leid. Klar, er hat sie schließlich 40 Jahre lang in Schuss gehalten und jeden Sommer die einkehrenden Wanderer und Mountainbiker versorgt. In diesen Tagen kümmert er sich lieber um seine Gäste, als über den Umbau zu sprechen. Es scheint, als wolle er die letzten Wochen dort oben im Karwendel noch mal so richtig genießen.

Einzigartig liegt die im Jahr 1922 gebaute Falkenhütte auf einem kleinen Plateau im Karwendel-Gebirge. Hinter ihr ragen die mächtigen Laliderer Wände empor, als würden sie über die denkmalgeschützte Berghütte und ihre Besucher wachen. Doch ab September steht dort oben auf 1848 Metern Höhe ein aufwendiger Umbau bevor – das größte Hüttenbauprojekt, das die Sektion Oberland des Deutschen Alpenvereins je in Angriff genommen hat.

„Die Hütte ist in die Jahre gekommen“, sagt DAV-Projektleiterin Petra Mühlbauer. Vor allem beim Brandschutz gebe es Nachbesserungsbedarf. „Nach dem Brand in Schneizlreuth ist das natürlich ein heißes Thema.“ Dort waren im Mai 2015 sechs Menschen in einem historischen Holzhaus ums Leben gekommen. Aber es ist nicht nur der Brandschutz, den die Sektion bei dem insgesamt 6,3 Millionen Euro teuren Umbau angehen will. Das angrenzende Horst-Wels-Haus soll abgerissen und an der Stelle des jetzigen Energiehauses neu aufgebaut werden. Dort entstehen neue Zimmerlager sowie ein Winterraum. Das Dieselaggregat kommt weg, künftig gibt es auf der Falkenhütte Öko-Strom. Außerdem entsteht ein zusätzlicher Gastraum, damit künftig alle Übernachtungsgäste gleichzeitig essen können. Mehr Schlafplätze werden es aber nicht. 137 Übernachtungsmöglichkeiten sollen es nach dem Umbau sein. Das denkmalgeschützte Haupthaus mit seiner verschindelten Fassade bleibt im Erscheinungsbild unverändert. Dort werden nur Ausbesserungen durchgeführt.

Für 6,3 Millionen Euro werden Neubauten sowie diverse Ausbesserungen und Nachrüstungen in Angriff genommen. Im Bild die künftige Süd-Ost-Ansicht mit dem geplanten Teilersatzbau.

Am Sonntag, 10. September, wird noch ein letztes Mal der normale Betrieb laufen. Danach müssen die Wanderer und vor allem die Mountainbiker, die die Falkenhütte seit vielen Jahren als Zwischenstopp nutzen, den Bauarbeitern weichen. Zwei weitere Sommer werden die Arbeiten dann andauern. Die sind nicht ganz ohne, schließlich führt nur eine Straße zu dem Plateau. „Außerdem gibt es drum herum mehrere Jagden, auf die wir Rücksicht nehmen müssen“, sagt Petra Mühlbauer. „Die Logistik ist spannend.“ Und nicht ganz billig. Aber im Frühjahr 2020 soll der Betrieb dann wieder aufgenommen werden.

Fritz Kostenzer wird dann wohl nicht mehr der verantwortliche Hüttenwirt sein. Er ist jetzt 62 Jahre alt – geplant ist, dass die beiden Söhne in seine Fußstapfen steigen und die Hütte weiterführen. Sie arbeiten schon jetzt fleißig mit. Es wäre die dritte Kostenzer-Generation auf der Falkenhütte, seit Fritz Kostenzers Eltern die Hütte 1946 vom DAV gepachtet haben.

Für Hüttenwirt Fritz Kostenzer geht mit der Generalsanierung eine Ära zu Ende. 40 Jahre lang beherbergte er Sommer für Sommer Wanderer und Mountainbiker in der Falkenhütte. Heuer ist sein letzter Sommer auf 1848 Metern Höhe.

Der Hüttenwirt hat einmal gesagt: „Manchmal haut es mich selbst um, wo wir da sind, wenn ich zur Tür rausgehe.“ Kein Wunder, bei dem beeindruckenden Panorama, das sich den Besuchern an der Falkenhütte bietet. Der nächste Sommer im Tal wird ungewohnt für ihn werden. Aber er hat schon einen Plan. Er will in Nepal „nach dem Rechten sehen“ – denn für den asiatischen Binnenstaat hat er vor Jahren schon eine private Hilfs-Initiative gegründet. Und natürlich wird er auch mal die Baustelle besuchen. Er hat sich sogar ein E-Bike gekauft – wie so viele der Gäste, die er in den vergangenen 40 Jahren beherbergt hat.

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