Frauenleiche in Waldstück bei Kienberg gefunden: Polizei nimmt Sohn fest

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Fast drei Jahre nach dem Fall ist der Täter (Phantombild) immer noch nicht gefasst.

Fall Brauneck: Fast 10.000 Hinweise – aber keine heiße Spur!

München - Er ist einer der perfidesten Verbrecher der bayerischen Kriminalgeschichte – und er ist immer noch auf freiem Fuß: Seit über drei Jahren jagt die Kripo Weilheim einen skrupellosen Sextäter

Den Verbrecher, der am 25. November 2006 eine 67-jährige Münchnerin am Brauneck in eine Falle lockte, vergewaltigte und sie dann in über 1000 Meter Höhe halbnackt an einen Baum gefesselt und geknebelt zurückließ. Selbst hartgesottene Kripobeamte haben so eine Tat noch nie erlebt. Dass das Opfer damals überlebte und nicht in den Bergen erfror, hatte es nur einem Zufall zu verdanken: Einem Jäger fiel bei einem Blick durchs Fernglas ein roter Fleck (!) im Unterholz auf – das Klebeband, mit dem die Bestie vom Brauneck die 67-Jährige mundtot gemacht hatte!

Er befreite die geschundene Frau und brachte sie ins Tal. Wird der skrupellose Sexverbrecher, der von Zeugen als 40- bis 45-jähriger Mann beschrieben wird, je gefasst werden? Bernd Putzer (55), Chef der Weilheimer Kripo und Leiter der nach dem Tatort Leitenberg benannten Soko, ist auch nach drei Jahren noch optimistisch und sagt: „Wenn er nicht ausgewandert ist, dann kriegen wir ihn. Denn wir haben noch immer einen Riesenjoker, wir haben seine DNA!“

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Unglaublich: In den vergangenen drei Jahren hat die Soko, in der teilweise bis zu 17 Beamte mitarbeiteten, 9228 Spuren abgearbeitet. Die Protokolle, in denen die Aussagen von 9433 Zeugen und Hinweisgebern enthalten sind, füllen inzwischen 60 Aktenordner mit rund 11 250 Blatt! Und ein Ende ist nicht abzusehen. Denn auch drei Jahre nach der Tat gehen bei der Soko immer noch ein bis zwei Hinweise pro Woche ein. Es ist ein Zufallstreffer, auf den die Polizei jetzt hofft, irgendeine klitzekleine Spur mit der DNA, die der Sextäter vielleicht bei einer neuen Tat hinterlässt.

Die vergangenen drei Jahre – für Putzer waren sie ein Auf und Ab der Gefühle. „Fünf, sechs Mal“, so berichtet der Kriminalrat, „sind wir ins Auto gestiegen und waren uns sicher, dass wir den Täter jetzt haben. Da hat alles gestimmt: Beschreibung, Vorstrafen – aber dann hat der DNA-Abgleich den Verdächtigen doch wieder entlastet.“ Nur einmal ist die Polizei wirklich ganz nah dran am Täter: am Tag der schrecklichen Tat. Denn direkt vom Brauneck fährt der Verbrecher an diesem 25. November 2006 nach München-Obergiesing in die Wohnung seines Opfers. Den Schlüssel hat er ja. Er findet 20 Euro Bargeld und Schmuck, außerdem den Ehering des verstorbenen Mannes des Opfers und eine – glücklicherweise ungültige – EC-Karte. Gegen 17.45 Uhr verlässt er das Haus wieder – und läuft um ein Haar im Treppenhaus der Polizei in die Arme. Es sind höchstens zehn Minuten, das ergeben sie Ermittlungen der Kripo, um die die Beamten das Monster vom Brauneck verpassen …

Und noch einmal hat der Täter Glück. Am Tag danach versucht er in München, mit der EC-Karte Geld abzuheben. Leider in einer Filiale, deren Bankomat nicht kameraüberwacht ist. Zufall oder doch eiskalt eingeplant? Für die Kripo ein Indiz dafür, dass sich der Mann, der damals als 40 bis 45 Jahre alt beschrieben wird, vielleicht in München auskennt. Vielleicht wohnt er sogar in der Landeshauptstadt. Was lässt sich sonst über diesen Mann sagen? Die sorgfältige Vorgehensweise in der Wohnung ist die Handschrift eines Profi-Einbrechers. Putzer schließt deshalb nicht aus, dass man auf die passende DNA vielleicht einmal bei einem banalen Einbruch stößt … Viel mehr Schlüsse lassen sich aus den 9228 Spuren kaum ziehen.

Putzer: „Bei einer Tat sind weitere Schlussfolgerungen schwierig.“ Und das knallrote Klebeband? Putzer: „Als wir den Hersteller hatten, war das für kurze Zeit eine wirklich heiße Spur. Aber dann mussten wir feststellen, dass Rollen dieses Bandes auf so gut wie jeder Großbaustelle in München offen herumlagen …“ Und der Rucksack mit dem DB-Zeichen? „Auch der hat sich nur als vager Anhaltspunkt entpuppt. Es gibt Zeugen, die einen Wanderrucksack gesehen haben“, so Putzer.

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Die wichtigste Zeugin wäre übrigens um ein Haar selbst Opfer geworden. Sie sitzt am Morgen des 25. November 2006 um 8.43 Uhr in der Bayerischen Oberlandbahn, als sie ein Mann anspricht. Er sucht eine Wanderbegleitung, ist freundlich und, so erinnert sich die Zeugin, in keiner Weise aufdringlich. Und doch beschleicht die Frau ein merkwürdiges Gefühl. Sie erfindet eine Ausrede und steigt in Bad Tölz aus. 30 Minuten lang saß sie dem Mann gegenüber. Jedes Detail dieser Begegnung berichtet sie später der Kripo. Aber inwieweit kann man seinen Erinnerungen trauen? Die Polizei zieht alle Register, fahndet sogar im Unterbewusstsein! Die Zeugin wird unter Hypnose noch einmal befragt. Und das bringt tatsächlich noch einmal neue Erkenntnisse: Der Täter hatte keinen Drei-Tage-Bart, wie zunächst angenommen, sondern nur kurze Stoppeln. Und er hatte eine Getränkedose dabei. Viel weiter bringen diese Spuren die Kripo aber nicht.

Spannend wird’s schließlich erst wieder nach zweieinhalb Jahren, als im Juni 2009 ein Spaziergänger im Egmatinger Forst die Leiche der 73-jährigen Münchnerin Luise Zimmermann findet. Ist sie ein Opfer der Bestie vom Brauneck? Die Leiche ist verbrannt, von Täter gibt es so gut wie keine Spur. „Möglicherweise“, so Putzer, „hat unser Mann dazugelernt“. Das Phantombild, mit dem nach einem Zeugen gesucht wird, ähnelt verblüffend dem Phantombild des Brauneck-Monsters. Zufall oder doch eine Spur? Für Putzer alles reine Spekulation: Fakt ist, im Fall Zimmermann geht‘s um einen Zeugen, bei uns um den Täter …“

WdP

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