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Der Tatort in Regensburg.

Fall Eisenberg kratzt am Image der Polizei

Regensburg - Es gibt Streit unter Nachbarn, einer hat ein Messer - in einer Großstadt nichts Ungewöhnliches. Doch als am 30. April dieses Jahres die Polizei eintraf, lief in Regensburg alles aus dem Ruder.

Die Beamten feuerten 16 Mal auf Tennessee Eisenberg, 12 Kugeln trafen den 24-Jährigen, der Student starb kurze Zeit später in einem Krankenhaus. Bis heute ist völlig unklar, warum die Polizeiaktion dermaßen eskaliert.

Die Staatsanwaltschaft steht inzwischen jedoch kurz vor Abschluss der Ermittlungen, Anklagen gegen zwei Polizisten stehen im Raum. Unabhängig vom Ausgang der Strafverfahren hat der Tod von Eisenberg auch zu einer Diskussion über Polizeitaktik und die verwendete Munition geführt, bereits mehrfach war der missglückte Einsatz Thema im Bayerischen Landtag in München. "Es wird keiner bestreiten, dass dieser Polizeieinsatz ein totales Chaos war", meint der Rechtsanwalt Andreas Tronicsek. Er vertritt mit zwei anderen Anwälten die Familie Eisenberg.

Nach den bisher bekannten Details war der Musikstudent, der von Freunden als äußerst friedfertig beschrieben wird, möglicherweise akut psychisch erkrankt. Vielleicht wollte Eisenberg sich selbst etwas antun. Zunächst soll er in dem älteren Mehrfamilienhaus im Regensburger Norden den Mitbewohner aus seiner Wohngemeinschaft mit einem Messer bedroht haben. Der Mann stürmte aus dem Haus und rief die Polizei, binnen Minuten waren acht Beamte am Ort.

Nach der Aussage der Polizisten ging Eisenberg dann im Treppenhaus auf die Beamten los, so soll es zu den Schüssen gekommen sein. Pfefferspray und Schlagstock hätten keine Wirkung gezeigt, auch mehrere Treffer in Beine und einen Arm hätten den 24-Jährigen nicht gestoppt. Schließlich schossen zwei Beamte ihre beiden Magazine leer und feuerten auf den Oberkörper.

Die Eltern und der Bruder des Opfers beauftragten Juristen, weil sie Zweifel an der objektiven Aufklärung des Falls haben. Die Angehörigen sammelten auch Spenden für ein eigenes Gutachten. Dieses Privatgutachten erbrachte Unterschiede zu den offiziellen Ermittlungen, in die Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) und des Bundeskriminalamtes (BKA) eingebunden waren. Zuletzt wurde Anfang Dezember mit großem Aufwand das Geschehen in dem Wohnhaus rekonstruiert, so wie es die Rechtsanwälte gefordert haben.

Tronicsek ist nun sicher, dass die Schüsse auf Eisenberg keine Notwehr waren. "Ich bin dafür, dass gegen beide Polizisten Anklage erhoben wird", sagt der Anwalt. In einem Fall müsse die Anklage auf Totschlag, im anderen Fall auf Körperverletzung lauten. Der Leitende Oberstaatsanwalt Günther Ruckdäschel kommentiert diese Forderung nicht. "Wir ziehen unser Fazit, wenn wir fertig sind", sagt er. Womöglich würden die Ermittlungen noch im Dezember abgeschlossen.

Unabhängig vom Ausgang der Untersuchung hat der Fall am Image der Polizei gekratzt. Mitunter müssen sich die Beamten in Regensburg Pöbeleien und Anspielungen auf den Todesfall anhören, wie auch Gerhard Knorr, der Oberpfalz-Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, bestätigt. "Darüber sind die betroffenen Kollegen nicht glücklich, aber das ist etwas, was die Polizei aushält." Knorr kritisiert insbesondere die öffentliche Darstellung des Einsatzes. "Nach meiner Ansicht werden mittlerweile Täter- und Opferrolle vertauscht", findet er.

Auf jeden Fall werden die Behörden den Polizeieinsatz genau analysieren müssen, um herauszufinden, was möglicherweise schief gelaufen ist. Davon ist auch Gewerkschafter Knorr überzeugt. Anwalt Tronicsek sieht es so, dass die Beamten überhaupt nicht koordiniert vorgegangen seien, es keinen Einsatzleiter gegeben habe. "Die haben sich untereinander nicht abgesprochen, die waren total überfordert." Der Rechtsanwalt und auch viele andere Beobachter können bis heute nicht verstehen, warum die Polizisten nicht ihre Kollegen vom Sondereinsatzkommando gerufen haben, die für solche Szenarien speziell ausgebildet sind.

dpa

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