Fall Herrmann: „Geständnis unglaubwürdig“ 

Augsburg - Im Prozess um die spektakuläre Entführung von Ursula Herrmann vor rund 27 Jahren hat der ehemalige Chefermittler ein widerrufenes Geständnis eines mutmaßlichen Tatbeteiligten als unglaubwürdig bezeichnet.

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Er habe damals als Oberstaatsanwalt keine Veranlassung gesehen, wegen des zweifelhaften Geständnisses aktiv zu werden, sagte Franz Ammer am Donnerstag als Zeuge vor dem Landgericht Augsburg aus.

Ein 59-Jähriger und seine Frau stehen wegen erpresserischen Menschenraubes mit Todesfolge vor Gericht. Der Angeklagte soll im September 1981 in Eching a. Ammersee die zehnjährige Ursula auf dem Heimweg vom Fahrrad gerissen und in eine im Wald vergrabene Kiste gesperrt haben. In diesem Sarggefängnis erstickte das Mädchen, wurde aber erst 19 Tage später gefunden.

In der Zwischenzeit sollen die Angeklagten versucht haben, von Ursulas Eltern umgerechnet rund eine Million Euro zu erpressen. Beide bestreiten seit Prozessbeginn im Februar die Tat.

Entführungsfall Ursula Herrmann

Entführungsfall Ursula Herrmann

Er sei an einem Februartag 1982 um 23.30 Uhr zur Polizeidirektion Fürstenfeldbruck gerufen worden, da es angeblich ein Geständnis im Zusammenhang mit dem Entführungsfall gab, schilderte der frühere Chefermittler die Vorgänge von damals. Bei Nacht und Nebel habe er sich auf den Weg gemacht. In der Direktion hätten ein Ermittlungsrichter und zwei Vernehmungsbeamte auf ihn gewartet. Man präsentierte ihm dann den Verdächtigen. "Der Mann war ein notorischer Alkoholiker, dem man nichts glauben konnte", beschrieb Ammer den Mann. "Der hat wirr und durcheinandergeredet und sich ständig widersprochen." Daraufhin sei er "frustriert" gewesen, mitten in der Nacht alarmiert worden zu sein.

Die Ermittler hatten den Oberstaatsanwalt mit der unzutreffenden Angabe aus dem Bett geholt, es gebe ein Geständnis. Sie hatten jedoch verschwiegen, dass bereits ein Widerruf vorlag. Auch von einer Fahrt zum Tatort am selben Tag habe er erst später erfahren, berichtete Ammer. Mit seiner Tatortkenntnis wischte er mit einer Bemerkung den Inhalt des vermeintlichen Geständnisses vom Tisch. "Wenn man das Loch anschaut, das kann man mit einem Spaten im Waldboden nicht ausheben."

Der Verdächtige war damals bereits seit zwei Tagen in Polizeigewahrsam und hätte ohne Haftbefehl um Mitternacht auf freien Fuß gesetzt werden müssen. Das wollten die Polizei-Ermittler unbedingt verhindern. Der Mann hatte bei einer Vernehmung von sich aus erklärt, er habe im Auftrag des jetzt Angeklagten am Tatort mit einem Spaten ein Loch gegraben und später darin sogar eine Kiste gesehen. Die Ermittler wollte sich daraufhin den Tatort zeigen lassen. Dazu war der Verdächtige, der 1992 starb, aber nicht in der Lage und widerrief schließlich sein Geständnis. Gegen ihn erging dann aber wegen anderer Delikte doch Haftbefehl.

Zu den damaligen Ermittlungen sagt Ammer am Donnerstag: "Da war von Anfang an Sand im Getriebe." Die Spurensicherung sei massiv behindert worden. "Nach dem viel zu späten Auffinden der Kiste war ein Spurenvernichtungskommando unterwegs." Seine "Ermittlungen im Stillen" gegen den jetzt Angeklagten seien damals gegen seinen Willen durch eine eigenmächtige Hausdurchsuchung der Polizei bei dem Verdächtigen gestört worden. Schließlich sei er vorzeitig in den Ruhestand gegangen und habe den Fall Ursula Herrmann unerledigt abgegeben.

dpa

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