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Alois Mannichl. Das Attentat auf ihn ist nach wie vor ungeklärt.

"Fall Mannichl" auch nach sechs Monaten ein Rätsel

Passau - Sechs Monate sind vergangen - und noch immer rätseln Kripobeamte und die Öffentlichkeit, was am 13. Dezember 2008 vor dem Haus von Alois Mannichl in Fürstenzell tatsächlich geschehen ist.

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Der Racheakt eines Neonazis, Skinheads mit Bomberjacken und bedrohlichen Tätowierungen und eine Zeugin, die angeblich eingeschüchtert wurde. Der "Fall Mannichl" hätte zweifellos einen spannenden Fernsehkrimi abgegeben. Doch während die TV-Verbrecherjagd nach eineinhalb Stunden regelmäßig mit einer Festnahme endet, ist bei dem Mordanschlag auf den ehemaligen Passauer Polizeidirektor auch nach einem halben Jahr nichts klar.

Die Kripobeamten und die Öffentlichkeit rätseln immer noch, was am 13. Dezember 2008 vor dem Haus von Alois Mannichl in Fürstenzell tatsächlich geschah. Trotz eines enormen Ermittlungsaufwands und 20 000 Euro Belohnung erwiesen sich etliche zunächst heiße Spuren letztlich nur als heiße Luft. "Wir haben keine konkreten Hinweise", bilanziert der Leitende Passauer Oberstaatsanwalt Helmut Walch die sechsmonatigen Ermittlungen.

Rückblende: Als Mannichl in der Adventszeit vor seinem Reihenhaus niedergestochen wird, fahnden die Kollegen des Polizeichefs sofort in der Neonazi-Szene. Es wird vermutet, dass Mannichl Opfer eines Racheakts wurde, weil der Beamte schon zuvor im Internet -beispielsweise von der NPD - mit üblen Schmähungen angefeindet wurde. Mannichl beschreibt den flüchtigen Täter als großen, kahlköpfigen Mann. "Du trampelst nimmer auf den Gräbern unserer Kameraden herum", soll der gesagt und dann dem Polizeichef das Messer in den Bauch gerammt haben. Der Spruch könnte ein Hinweis auf eine Beerdigung eines Altnazis oder eine Gedenkveranstaltung am Volkstrauertag sein. In beiden Fällen war Mannichl gegen Neonazis vorgegangen.

Zunächst gehen die Ermittlungen im braunen Sumpf auch halbwegs erfolgversprechend voran. Nach wenigen Tagen wird in München ein aus der rechten Szene bekanntes Ehepaar festgenommen, es ergehen sogar Haftbefehle wegen Beihilfe zum versuchten Mord gegen den 33-jährigen Mann und die 22-jährige Frau. Die Kripo kommt dem Paar auf die Spur, weil eine Zeugin die zwei Münchner am Tattag in Fürstenzell gesehen haben will. Später erweisen sich die Aussagen der Zeugin jedoch als falsch, Chefermittler Walch bezeichnet die Frau im Nachhinein als "wohl etwas verwirrt".

 Für zusätzliches Chaos sorgt die 58-Jährige, als sie Journalisten berichtet, sie sei wegen ihrer Zeugenaussage zu Hause von einem unbekannten Mann angegriffen und bedroht worden. Walch kann auch darüber heute nur den Kopf schütteln: "Das hat alles nicht gestimmt." So kommt das Ehepaar nach einer Woche wieder frei, und auch sonst lassen sich die Ermittlungen zeitweise mit dem Titel "Pleiten, Pech und Pannen" überschreiben.

Zum Jahreswechsel übernimmt das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) in München den Fall von der glücklosen Kripo in Passau. Die LKA-Leute blamieren ihre Passauer Kollegen erst einmal, indem sie alle Zigarettenkippen in der Nähe von Mannichls Haus einsammeln lassen. Die niederbayerischen Polizisten hatten die möglichen Beweismittel drei Wochen lang auf der Straße liegen lassen. Auch die Veröffentlichung von mehreren Phantombildern von angeblich gruselig tätowierten Helfern bringt nichts.

Schließlich wird wochenlang in der Öffentlichkeit darüber spekuliert, ob es sich vielleicht nur um eine gewöhnliche Beziehungstat handelt. Besonders Mannichls Ehefrau wird als mögliche Täterin gehandelt. Angesichts solcher Schlagzeilen geht der Polizeichef zur Gegenwehr über, er gibt reihenweise Interviews und weist alle Verdächtigungen gegen Frau und Kinder zurück. Auch seine Kollegen schont er nicht: Die hätten die Gerüchte viel zu lange laufen lassen.

Tatsächlich dauert es bis zum 11. Februar 2009, bis die Soko mit einer Pressemitteilung - es ist die mittlerweile 21. zu dem Fall - die Spekulationen um die Familie als "haltlos" bezeichnet. Seitdem ist Funkstille, es ergibt sich nichts Neues mehr. Staatsanwalt Walch hält einen extremistischen Hintergrund immer noch für wahrscheinlich. "Wir ermitteln weiter im rechten Spektrum", betont er.

Mannichl selbst hat unterdessen ein neue Aufgabe erhalten, nachdem die ehemals von ihm geleitete Passauer Direktion im Zuge der bayerischen Polizeireform aufgelöst wurde. Seit 1. Juni ist 53-Jährige Leiter der Abteilung für Verbrechensbekämpfung im neuen niederbayerischen Polizeipräsidium in Straubing.

Von Ulf Vogler

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