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Alois Mannichl an seinem Schreibtisch

Fall Mannichl: Bleibt er für immer ein Rätsel?

Passau - Auch ein Jahr nach dem Mordanschlag auf den Passauer Polizei-Chef Alois Mannichl gibt es keine heiße Spur. Wird der Fall nie gelöst? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Es war ein Samstag gegen 17.30 Uhr, als es an dem Reihenhaus in Fürstenzell klingelte. ­Alois Mannichl, der Chef der Passauer Polizeidirektion, öffnete. Draußen stand ein glatzköpfiger Mann. „Viele Grüße vom Nationalen Widerstand“ soll er gebrüllt – und dann zugestochen haben. Das Messer drang unterhalb Mannichls Herz acht Zentimeter in den Bauch ein, eine Not-OP rettete den Polizeichef. Am Sonntag, 13. Dezember, jährt sich das Attentat, das monatelang für Schlagzeilen im In- und Ausland sorgte. Nicht nur die Worte, die der Täter dem Polizeichef entgegenschrie („Du linkes Bullenschwein!“), auch Mannichls langer Einsatz gegen Rechts führte die Ermittlungen schnell in die Neonazi-Szene. Doch bis heute wurde kein Täter dingfest gemacht. Wird der Fall Mannichl nie gelöst? Die tz hat die wichtigsten Fragen und Antworten zum Attentat und den Ermittlungen gesammelt.

Was ist in der Fahndung nach dem Täter bisher passiert?

Einen Tag nach der Tat nahmen die Fahnder zwei Männer fest – einen Tag später wurden sie wieder freigelassen. Am 16. Dezember wurden Manuel H. (33) und seine Frau Sabrina (22) in München festgenommen, am 23. Dezember mussten auch sie wieder freigelassen werden – sie hatten ein Alibi. Insgesamt hat die Soko rund 3000 Hinweise und Spuren bearbeitet, knapp 2100 Personen befragt und vernommen. Eine heiße Spur war indes nicht dabei.

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Wer ermittelt eigentlich noch in dem Fall?

Gleich nach der Tat war die 20-köpfige Soko Fürstenzell eingerichtet, dann auf über 50 Ermittler aufgestockt worden. Ab 20. Dezember übernahm das LKA die Ermittlungen. Heute arbeiten noch zehn Beamte an dem Fall.

Was ist dran an den Vorwürfen, der Fall strotze vor Ermittlungspannen?

Immer wieder sind Pannen bekannt geworden. So hatte die Kripo zunächst nicht alle Spuren in Tatortnähe gesichert. Erst vergangene Woche räumte der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walch ein, dass nach dem Messerangriff unter Mannichls Fingernägeln nicht nach möglichen DNS-Spuren des Täters gesucht worden sei. Normal wird unter den Fingernägeln des Opfers routinemäßig nach Genspuren geschaut.

Was ist mit den Phantombildern, mit denen nach dem Täter gefahndet wurde?

Gemäß der Aussage einer Zeugin fahndete die Polizei nach jemandem mit mysteriösen Tätowierungen: einer grünen Schlange hinterm Ohr bzw. einem Kreuz. Die Phantombilder wurden jedoch wieder zurückgezogen.

Wird der Täter überhaupt noch in der Neonazi-Szene vermutet?

Ja. Alois Mannichl selbst bleibt dabei: Für ihn war der Täter rechts motiviert. Auch die Staatsanwaltschaft geht am ehesten von einem rechtsmotivierten Einzeltäter aus.

Sind heute alle Spuren ausgewertet?

Nein. Die Soko Fürstenzell muss noch circa 430 offenen Spuren nachgehen. Dabei gibt es nach wie vor keine Hinweise darauf, dass die Tat aus dem familiären Umfeld des Opfers begangen wurde oder sie von einer Organisation geplant oder durchgeführt wurde. Hinweise, dass der Täter aus Österreich stammt, führten laut LKA zu „keinerlei konkreten Ansatzpunkten“. In der aktuellen Mitteilung von LKA und Staatsanwaltschaft Passau heißt es: „Auch ein Jahr nach dem Angriff gibt es keine neuen Hinweise oder Spuren auf den oder die Täter.“

Wonach fahndet die Soko aktuell?

Der Täter soll 25 bis 30 Jahre alt sein, 1,90 Meter groß, eine kräftig Statur, runde Gesichtsform, eine Glatze bzw. sehr kurze Haare haben, er spricht mit bayerischem, eventuell österreichischem Dialekt. Die Polizei bleibt dabei: Der Täter habe „eine Hautveränderung oder Tätowierung am Hals“. Für Hinweise, die zur Festnahme des Täters führen, wurde eine Belohnung in Höhe von 20 000 Euro ausgesetzt. (Hinweise bitte an: Telefon 089/1212-0.)

Wie geht es Alois Mannichl heute?

Gut, sagte er der Passauer Neuen Presse. „Ich habe gelernt, mit der Gefahr zu leben, dass der Täter wiederkommen könnte. Aber diese Angst dominiert nicht mehr mein Leben.“ Nach dem Attentat verletzten ihn vor allem die Hetztiraden gegen ihn: So wurden unter anderem Gerüchte laut, Mannichl habe sich die Verletzung selbst zugefügt, um den Rechten „eins reinzuwürgen“. Viel Hohn musste er auch einstecken, weil die Tatwaffe sozusagen vom Opfer stammte: Das Küchenmesser mit einer elf Zentimeter langen Klinge wurde vor dem Haus des Polizeichefs bei einer Adventsfeier mit Nachbarn benutzt, danach am Fenstersims vergessen.

Was sagt Mannichl selbst zu den Ermittlungsergebnissen?

Nichts, er möchte sie nicht kommentieren. Aber er sagt: „Ich rechne fest damit, dass der Täter irgendwann gefasst wird.“ Am Jahrestag wolle er wegfahren, um nicht an das schreckliche Ereignis von damals denken zu müssen.

ast

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