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500 Bürger demonstrierten Montagabend in Fürstenzell gegen Rechtsextremismus.

Nach erneutem Rückschlag

Fall Mannichl: Jetzt fünf Mittäter gesucht

Passau - Eineinhalb Wochen nach dem Messerattentat auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl kommen die Ermittler nicht voran. Ein Münchner Neonazi- Ehepaar ist wieder auf freiem Fuß. Derweil muss sich die Stadt Passau juristisch gegen einen NPDAufmarsch wehren.

„Manuel und Sabrina zurück in München“, jubelten die Neonazis am gestrigen Dienstag auf ihrer Homepage. Ein Foto zeigte den 33-jährigen „Kameraden“ Manuel H., wie er nach seiner Ankunft am Münchner Hauptbahnhof das Victory- Zeichen skandierte. Das Mitglied der „Freien Nationalisten“ war zusammen mit seiner gleichgesinnten 22-jährige Ehefrau Sabrina vergangenen Mittwoch in Untersuchungshaft genommen worden. Das Ehepaar hatte stets behauptet, zur Tatzeit am 13. Dezember nicht am Tatort in Fürstenzell, sondern bei einem Treffen Rechtsradikaler in Erding gewesen zu sein. Das kann ihnen nicht widerlegt werden.

Gesucht: Ein Mann mit "Hahnenkamm"...

Hoffnungen der 50-köpfigen Sonderkommission, von ihnen Hinweise auf den Attentäter zu erhalten, haben sich somit offenbar zerschlagen. „Die in den letzten Tagen durchgeführten Überprüfungen haben deren Alibi nicht weiter entkräftet, sondern bestätigt“, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft in einer kleinlaut klingenden gemeinsamen Erklärung mit. Es ist nicht der erste Rückschlag: Bereits unmittelbar nach der Tat hatte die Polizei zwei 26 und 27 Jahre alte Männer festgenommen, einen Tat später aber wieder laufen lassen müssen.

Doch völlig ohne Hoffnung ist die „Soko“ nicht. Die Ermittler veröffentlichten gestern einen neue Fahndungsbeschreibung nach fünf unbekannten Personen. Bislang wurde ja nur nach zwei möglichen Tatbeteiligten mit ihren auffälligen Tätowierungen gesucht, jetzt sind es fünf. Die drei neuen Unbekannten sind:

- Eine Frau, 20 bis 25 Jahre alt, unter anderem mit Piercing am rechten Auge.
- Ein etwa 20-Jähriger mit „Hahnenkamm“, das heißt beidseitig rasierten Haaren.
- Ein 20 bis 40 Jahre alter Mann mit „Totalglatze“ und faltigem Nacken, am Ohr ein mattrot-schwarzes Tattoo.

... und eine Frau.

Neu ist auch, dass die Ermittler jetzt in mehreren Szenen ermitteln. Bislang waren der Täter und ein eventueller Helfershelfer nur im rechtsextremen Milieu vermutet worden. Jetzt heißt es wörtlich: „Es wird darauf hingewiesen, dass sich die gesuchten Personen sowohl im rechten Spektrum, aber auch im Punkeroder Rockermilieu, aber auch in der Gothic-Szene aufhalten können.“

Zur Ruhe kommt die Region nach dem Messerattentat jedenfalls nicht. Während am Montagabend in Fürstenzell 500 Bürger mit einer stillen Lichterdemonstration gegen Rechtsextremismus protestierten, wurde bekannt, dass die NPD eine Provokation plant. Die Partei hat für den 3. Januar ausgerechnet vor der Polizeiinspektion Passau eine Demo „gegen polizeiliche Willkür und Medienhetze“ angemeldet. Der Aufruf kursierte gestern schon bundesweit in den einschlägigen rechtsradikalen Internet- Foren. Die Stadtverwaltung prüft, wie sie die Demo mit juristischen Mitteln verhindern kann. „Die Öffentlichkeit wird auf dem Hintergrund der ungeklärten Umstände des Attentates auf Polizeidirektor Mannichl kein Verständnis dafür aufbringen, wenn zum jetzigen Zeitpunkt eine derartige Veranstaltung in unserer Stadt genehmigt wird“, teilte Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) mit. Erfahrungsgemäß ist ein Total-Verbot jedoch schwierig.

Auch Polizeichef Mannichl, der sich zu Hause von dem Messerattentat erholt, meldete sich zu Wort. In der „Passauer Woche“ zeigte er sich kampfbereit: „Ich lasse mich von den Rechtsradikalen nicht kleinkriegen. Sie werden es nicht schaffen“, sagte der 52-Jährige. Gut möglich, dass der kämpferische Polizeichef am 3. Januar zu den Gegendemonstranten des NPD-Aufmarsches zählen wird.

Dirk Walter

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