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Keine Ruhe um Walter Mixa: Die Debatte um den zurückgetretenen Bischof wird immer neu wieder angeheizt.

Der Fall Mixa: Eine „vergiftete Situation"

Augsburg/München - Neue Spekulationen über den Lebenswandel des zurückgetretenen Augsburger Bischofs Walter Mixa machen die Runde. Sein Anwalt empört sich über „völlig nebulöse Quellen", der Vatikan schweigt, der Augsburger Diözesanrat ruft Mixa auf, das Bistum zu verlassen.

Kein Tag vergeht, an dem nicht neue Schlagzeilen zum Fall des zurückgetretenen Bischofs von Augsburg, Walter Mixa, für Aufregung, Streit und Ärger in der katholischen Kirche sorgen. Als die Bischöfe der 27 deutschen Diözesen gestern im Exerzitienhaus Himmelspforten in Würzburg zur Sitzung des Ständigen Rats der Deutschen Bischofskonferenz zusammenkamen, beherrschte ihr früherer Amtsbruder wieder einmal das Mediengeschehen. Offiziell auf der Tagesordnung steht die Causa Mixa freilich nicht. Und nach bisherigen Informationen wollen sich die Oberhirten nach der heute Mittag endenden Sitzung auch nicht zum Dauer-Ärgernis äußern. Doch hinter verschlossenen Türen werden sie sicherlich darüber beraten, wie man in diesem seit Wochen schwelenden, unwürdigen Theater weiter vorgehen soll. Ob es Initiativen oder Beschlüsse dazu geben werde, sei völlig offen, so eine Sprecherin der Bischofskonferenz.

Medienberichte zu einem angeblichen „Geheimdossier Mixa" hatten gestern für Wirbel gesorgt. Darin sollen dem zurückgetretenen Bischof Alkoholismus und homosexuelle Belästigungen von Priesteramtskandidaten vorgehalten werden. Vatikansprecher Padre Federico Lombardi wollte sich dazu nicht äußern. „Es ist klar, dass die Presse spekuliert, aber wir wollen zu diesen Spekulationen nicht auch noch beitragen."

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) sieht durch die anhaltende Debatte „schweren Schaden" für Mixa und die Kirche. Mixas Interview vergangene Woche in der Tageszeitung „Die Welt" (wir berichteten) habe zu einer neuen Eskalation der Vorgänge geführt, sagte ZdK-Präsident Alois Glück gestern. „Das ist eine bittere Entwicklung, die zu einer vergifteten Situation führt." Jetzt müsse mit Hilfe des Vatikans die ganze Angelegenheit um Mixa geklärt werden, sonst bleibe eine „unerträgliche Atmosphäre von Verdächtigungen und Vorwürfen".

Der Augsburger Diözesanratsvorsitzende Helmut Mangold sieht in einem Wegzug Mixas den „einzig vernünftigen Weg, wieder Ruhe in die Diözese zu bringen". Nach Angaben aus Kirchenkreisen drängt die Spitze des Bistums gegenwärtig Mixa, das Bischofshaus möglichst schnell zu verlassen. Der frühere Bischof war vor kurzem nach einem Schweizer Klinikaufenthalt überraschend ins Augsburger Bischofspalais zurückgekehrt. Wie eine Sprecherin des Bistums gestern auf Anfrage erklärte, wohne Mixa wohl noch immer dort. Weitere Äußerungen gebe es zu dem Fall nicht.

Nach Berichten der „FAZ" und der „Süddeutschen Zeitung" war eine geheime „Akte Mixa" am 27. April an den päpstlichen Nuntius in Berlin und dann nach Rom gegangen. Sie habe auch Papst Benedikt XVI. bei der Entscheidung über das Rücktrittsgesuch des umstrittenen Bischofs vorgelegen. Wie aus Kirchenkreisen zu erfahren war, soll der Nuntius in Berlin, Erzbischof Jean- Claude Périsset, das Dossier aus Augsburg angefordert haben. Der Nuntius lehnte gestern jede Stellungnahme dazu ab.

In den Medienberichten ist von Zeugen aus dem engsten persönlichen Umfeld Mixas die Rede, deren Aussagen über seinen Lebenswandel dem Dossier beilägen. So gebe es Mitarbeiter, die den heute 69-Jährigen als „Spiegeltrinker" beschrieben, der seinen Alkoholpegel über den Tag hinweg halten müsse. Andere Zeugen schilderten homosexuelle Belästigungen durch Walter Mixa in seiner Zeit als Stadtpfarrer Mitte der 1990er Jahre. Der Chefredakteur der renommierten theologischen Fachzeitschrift „Herder Korrespondenz", Ulrich Ruh, erklärte, dass die Vorwürfe des Alkoholmissbrauchs und der sexuellen Grenzüberschreitungen gegenüber jungen Männern schon seit vielen Jahren kursierten.

Mixas Rechtsanwalt Gerhard Decker (Augsburg) erklärte zu den Vorwürfen, er halte es mit den Grundsätzen des Rechtsstaates unvereinbar, sich auf angebliche Quellen zu berufen, die niemand nachprüfen könne. Die genannten Quellen seien „ebenso nebulös wie das berichtete Geschehen". Mixa könne und wolle sich zu den angeblichen Inhalten nicht äußern. Der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Albert Schmid, hat zur Besonnenheit aufgerufen. Die Auseinandersetzung drohe die Betroffenen und die Kirche als Ganze zu beschädigen, warnt er. Statt eines niveaulosen Streits, wie ihn bisweilen politische Parteien führten, empfehle er „persönliche vertrauensbildende Gespräche". cm/dpa

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