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Meter für Meter suchten die Ermittler das Waldstück in Thüringen ab, in dem vergangenen Sommer Peggys Leiche gefunden wurde. 

Keine Verbindung zum NSU-Terroristen

Fall Peggy: Böhnhardts DNA-Spur war ein Polizeifehler

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Bayreuth - Lange sah es so aus, als hingen zwei der spektakulärsten Kriminalfälle zusammen: Die DNA des NSU-Terroristen Böhnhardt war am selben Ort entdeckt worden wie das Skelett von Peggy. Jetzt ist klar: es war ein Polizeifehler.

Das Stück Stoff ist winzig klein. Zwölf Millimeter – kleiner als eine Ein-Cent-Münze. Doch an ihm hingen große Hoffnungen. Es hätte die entscheidende Spur sein können. Es hätte nach fast 16 Jahren endlich Klarheit in den Fall Peggy bringen können. Gleichzeitig schien es so undenkbar: An dem Stoffstück wurde die DNA des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt entdeckt. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Vermisstenfall der neunjährigen Schülerin aus dem oberfränkischen Lichtenberg und der rechtsextremen Terror-Organisation? Fünf Monate lang war diese Frage ungeklärt.

Erst jetzt liegen die Untersuchungsergebnisse vor. „Eine Täterschaft Uwe Böhnhardts im Fall Peggy ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschließen“, sagte Staatsanwalt Daniel Götz gestern in Bayreuth. Das Stoffstückchen konnte inzwischen zweifelsfrei einem Kopfhörer zugeordnet werden, der in dem ausgebrannten Wohnwagen gefunden worden war, in dem Böhnhardts Leiche gelegen hatte. „Weder das Baumwollgewebe noch die DNA hätten angesichts der Witterungsverhältnisse einen Zeitraum von 15 Jahren überstehen können“, berichtete Kriminaloberrat Uwe Ebner, der Leiter der 30-köpfigen Sonderkommission Peggy.

Auf einer Pressekonferenz in Bayreuth berichteten Kommissar Jürgen Stadter, Staatsanwalt Daniel Götz und Soko-Leiter Uwe Ebner (v.l.) von den Ermittlungen.

Entdeckt wurde das Stoffstück am 3. Juli vergangenen Jahres. Am selben Tag, an dem ein Pilzsammler in einem Waldstück in Thüringen – etwa 20 Kilometer entfernt von Peggys Heimat Lichtenberg – Knochen entdeckte. Wie sich schnell herausstellte, stammten die Knochen von dem Skelett der 2001 verschwundenen Schülerin. Es war der Tag, an dem aus einem Vermisstenfall ein Mordfall wurde – und an dem den Ermittlern ein gravierender Fehler passierte.

Der Fund von Böhnhardts DNA war damals wie ein Paukenschlag. Eine Verunreinigung oder Verwechslung sei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschließen, erklärte der Chef des Bundeskriminalamts damals. Schon zwei Wochen später war die Wahrscheinlichkeit nicht mehr ganz so hoch. Nun steht zweifelsfrei fest, dass Böhnhardts DNA während der Spurensicherung an den Fundort von Peggys Leiche geraten war. Einige der damaligen Einsatzkräfte aus Thüringen seien auch mit dem Fall Böhnhardt befasst gewesen. Vermutlich befand sich das Stoffstück an einem Spurensicherungsgerät – das ist noch nicht vollständig geklärt. Neben dem bayerischen Landeskriminalamt und dem BKA sollen das nun auch unabhängige Institute prüfen.

„Ein Spurenübertrag darf nicht passieren“, räumte Soko-Leiter Ebner am Mittwoch ein. Konsequenzen müssten aber die Thüringer Beamten ziehen. Er wollte sich dazu nicht weiter äußern. Auch das Thüringer LKA gab lediglich die Auskunft, man habe das Ergebnis der Untersuchung zur Kenntnis genommen.

münchen.tv-Video: Fall Peggy - Was weiß Beate Zschäpe?

Das Stoffstück, auf dem sich Böhnhardts DNA befand, ist zwölf Millimeter groß – kleiner als eine Ein-Cent-Münze.

Es ist nicht der erste schwerwiegende Ermittlungsfehler im Fall Peggy. Der geistig behinderte Ulvi K. saß neun Jahre lang unschuldig im Gefängnis. Eine Spur zu einem Missbrauchstäter, der Kontakt mit Peggys Familie hatte, wurde erst nach K.s Entlassung verfolgt. Immer wieder gab es ergebnislose Grabungen. Jede neue Fährte erwies sich als falsch. Peggys Familie hat viel mitgemacht in den vergangenen knapp 16 Jahren. Auch der kleine Ort Lichtenberg kommt nicht zur Ruhe. Acht Monate nach dem Skelettfund klingt es nicht so, als sei die Soko einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Es werde mit Nachdruck in alle Richtungen ermittelt, betonte Ebner gestern. Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, wollte er keine Details nennen. Peggys Skelettteile sind noch nicht freigegeben. Es wird noch dauern, bis sie beerdigt werden kann.

Lesen Sie einen Kommentar zum Fall Peggy.


Video: snacktv

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