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Ulvi K. im Gerichtssaal.

Auch Ex-Anwalt kritisiert Ermittler

Fall Peggy: Schwere Vorwürfe von Ulvi K.s Eltern

Bayreuth - Im neu aufgerollten Prozess um das Verschwinden der kleinen Peggy in Oberfranken hat der frühere Verteidiger des Angeklagten Ulvi K. und dessen Eltern weitere Vorwürfe gegen die damaligen Ermittler erhoben.

Schon für Ulvis früheren Anwalt Wolfgang Schwemmer (52) ist der Fall Peggy ein einziges Drama: „Ein Kind ist verschwunden, andere Eltern haben ihr Kind verloren, weil es verurteilt wurde …“

„Nach meinem Gefühl wurden Termine für Vernehmungen auch absichtlich auf Tage gelegt, an denen ich keine Zeit hatte oder im Urlaub war“, sagte er am Dienstag vor dem Landgericht Bayreuth. Er sei außerdem vom Leiter der Soko unter Druck gesetzt worden.

Die Verteidigung hatte beim Prozessauftakt den damaligen Ermittlern Foltermethoden bei der Befragung von Ulvi K. vorgeworfen. Der Soko-Chef sagte dagegen: „Der einzige, der ihn bei den Verhörterminen angeschrien hat, war sein damaliger Rechtsanwalt.“ Die Ermittler wiesen die Vorwürfe zurück.

Am Mittwoch jährt sich das Verschwinden der neunjährigen Peggy Knob­loch aus Lichtenberg zum 13. Mal. Am Nachmittag soll ihre Mutter Susanne (41) aussagen. Bereits am Dienstag schilderten die Eltern des in Bayreuth angeklagten Ulvi K. (36) die Geschehnisse aus ihrer Sicht.

„Eine Odyssee“ seien die Jahre für sie gewesen, sagte Gastwirtin Elsa K. (77). Sie wolle ihrem Sohn „helfen durch die Wahrheit“. Und zur Wahrheit der Mutter gehört eben auch, dass ihr wegen mehrfachen Kindesmissbrauchs vorbestrafter Sohn von der Lichtenberger Jugend „ausgenutzt wurde“.

Elsa und Erdal K. stellen sich vor ihren Sohn

Dass er Peggy umgebracht hat, das hielt Ulvis Vater Erdal (68) immer für eine der Geschichten, die sich sein Sohn so ausdenke. „Er erfindet Sachen und erzählt sie so, als ob es wirklich so ist“, sagte der Vater. Als er im Polizeiverhör mit der Aussage seines Sohnes konfrontiert wurde, er habe ihm beim Beseitigen von Peggys Leiche geholfen, will Erdal sogar gewitzelt haben: „Zuerst beschuldigte er den einen Freund, dann den anderen, beim dritten Mal dann mich.“

Noch genau will sich Ulvis Mutter Elsa erinnern, wie sie ihren Sohn gegen halb eins am 7. Mai weckte, dem Tag, als Peggy verschwand. „Ich habe Essen vom Vortag erwärmt. Der Ulvi hat gemeutert, weil es Hasenbraten gab.“ Gegen halb zwei sei er zu einem Bekannten zum Arbeiten gegangen. Den Blaumann, den er damals anhatte, will sie der Kripo monatelang zur Untersuchung angeboten haben. „Wir waren immer kooperativ. Aber uns hat man nicht geglaubt.“ Dabei habe ihr Sohn nie etwas vor ihr verheimlichen können.

Ulvi freute sich über das Wiedersehen mit seinen Eltern. Falls er freigesprochen werden sollte, will er jedoch nicht zurück nach Lichtenberg – eine Einrichtung will ihn aufnehmen.

Peggy verschwand am 7. Mai 2001 im oberfränkischen Lichtenberg spurlos. Ihre Leiche wurde nie gefunden. Im Herbst 2002 legte Ulvi K. überraschend ein Geständnis ab - als sein Anwalt nicht dabei war. Von diesem Geständnis gibt es zudem nur ein Gedächtnisprotokoll der Ermittler. 2004 wurde Ulvi K. in einem Indizienprozess wegen Mordes an der Schülerin zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Geständnis war der Tat-Rekonstruktion der Ermittler verblüffend ähnlich, was aber erst Jahre nach der Verurteilung bekanntwurde - deshalb wird der Fall neu aufgerollt.

dpa/tz

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