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Christoph Lemmer, Experte im Fall Peggy.

Journalist begleitet Ermittlungen seit Jahren

Fall Peggy: Eine Spur könnte jetzt wieder heiß werden

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Lichtenberg - Der Journalist Christoph Lemmer beschäftigt sich seit Jahren mit dem Fall Peggy. Nach dem Fund der Leiche, die höchstwahrscheinlich Peggy ist, glaubt er wieder an eine Aufklärung. 

Er hat vor Ort recherchiert, hatte Einblick in sämtliche Akten – und hat die Arbeit der Ermittler scharf kritisiert. Nun sagt er: Es gibt endlich Hoffnung, dass der Fall aufgeklärt wird.

Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie erfahren haben, dass höchstwahrscheinlich Peggys Leiche gefunden wurde?

Ich war komplett von den Socken. Volle 15 Jahre gab es nicht die geringste Spur, was mit dem Kind passiert ist. Trotzdem ist jemand verurteilt worden und wieder freigekommen – zu recht freigekommen. Dann gab es jahrelang böse Gerüchte, die Mutter hätte damit zu tun, Peggy würde noch leben, sei angeblich verschleppt nach Tschechien und müsste sich dort prostituieren. Alles totaler Blödsinn! Zum Glück ist damit jetzt Schluss.

Waren Sie überzeugt, dass Peggy tot ist?

Sicher konnte ich mir natürlich nicht sein. Aber ich habe es für sehr wahrscheinlich gehalten. Vielleicht gab es eine Restchance, dass sie noch am Leben ist – aber die wäre sehr, sehr gering gewesen.

Auch jetzt ist es einem Zufall zu verdanken, dass die Knochen gefunden wurden. Ist die Polizei völlig hilflos bei dem Fall? Hat sie viele Fehler gemacht?

Ja, das hat sie. Und die Staatsanwaltschaft auch. Die Staatsanwaltschaft war es, die darauf bestanden hat, dass Ulvi K. angeklagt werden muss. Sie hat sich völlig überzeugt von dem erzwungenen Geständnis gezeigt. Die Polizei hat mitgespielt – sie war zu feige, zu sagen, dass sie es für Blödsinn hält. Das hat sie aber offenbar, sonst hätte sie das Geständnis, oder besser die unterschiedlichen und unvereinbaren Versionen davon, nicht monatelang in der Schublade behalten, bis der Druck zu groß wurde, Ergebnisse abzuliefern. Da ist viel manipuliert worden. Und bis zum heutigen Tag ist das nicht aufgearbeitet.

Die Spur nach Halle wird jetzt möglicherweise wieder aufgenommen

Eine Spur führt nach Halle. Wird sie aktuell noch weiterverfolgt?

Im Moment nicht. Ich vermute aber, dass sie nun wieder ins Gespräch kommt. Man hat sie nur deshalb nicht weiterverfolgt, weil es keine Beweise gab: keine Leiche, kein Schulranzen, keine Kleidungsstücke von Peggy. Je nachdem, was die Polizei jetzt in der Hand hat, kann sich etwas völlig Neues daraus ergeben. Ich glaube nicht, dass die Ermittler noch einmal solche Fehler wie in der Vergangenheit machen. Sie haben alle Lehren gezogen, die man aus einem Fall ziehen kann.

Wie viel Hoffnung machen Sie sich, dass der Fall Peggy nach 15 Jahren doch noch aufgeklärt wird?

Es gab ja kaum Hoffnung, dass die Leiche nach so langer Zeit noch gefunden wird. Die Chance war minimal. Und ein Mordverfahren ohne Leiche ist immer schwer aufzuklären. Jetzt stehen die Chancen schon deutlich besser.

Welche Rolle spielt der Fall für Sie?

Als ich am Montag die Nachricht erfahren habe, bin ich aus meiner Peggy-Lethargie gerissen worden. Ich hatte den Fall insofern abgeschlossen, dass einfach nichts Neues mehr passiert ist. Ich hätte nie gedacht, dass ich noch erlebe, dass die Leiche gefunden wird.

Wir berichten über die weiteren Entwicklungen im Fall Peggy im News-Blog.

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