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Peggys Heimatort Lichtenberg: Ihre Familie ist schon vor langer Zeit weggezogen – doch in der 1000-Einwohner-Gemeinde ist Peggy nie vergessen worden

Ganz Lichtenberg geriet in Verruf

"Ort der Pädophilen": Wie Peggys Fall ihre Heimatstadt verändert hat

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Lichtenberg - Inzwischen steht es fest: Die entdeckten Skelett-Reste stammen von der vermissten Peggy. Endlich besteht eine Chance auf Aufklärung - und auch Erlösung für die Menschen in ihrer Heimatstadt. 

  • Update vom 13. Oktober 2016: An den sterblichen Überresten der 2001 verschwundenen Peggy Knobloch sind DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden worden.
  • Nach 15 Jahren besteht nun Gewissheit in Lichtenberg: Peggy Knobloch ist tot, man hat ihre Leiche in einem Waldstück gefunden.
  • Die damals 9-Jährige verschwand auf dem Heimweg von der Schule.
  • Es gibt nun neue Chancen für die Ermittler, aber auch viele offene Fragen.
  • Es gibt dieses Haus in Lichtenberg. Ein Haus mit einer markant blauen Fassade. Einem Fremden würde es wohl nicht auffallen. Doch Bürgermeister Holger Knüppel hält jedes Mal kurz inne, wenn er an diesem blauen Haus vorbeikommt. Seit 15 Jahren. Seit die kleine Peggy Knobloch spurlos verschwand. Es ist das Haus, in dem sie aufgewachsen ist. Ihre Familie lebt seit vielen Jahren nicht mehr in Lichtenberg. Auch optisch gibt es nichts, dass noch an das blonde Mädchen mit den leuchtendblauen Augen erinnert. Und doch hat sie niemand vergessen. „Ihr Schicksal bewegt uns alle hier“, sagt Knüppel. Jedes Mal, wenn sich in dem Fall etwas Neues ergibt, ist Peggy wieder das große Thema im Ort.

    Bürgermeister Holger Knüppel aus Lichtenberg

    Eine heiße Spur hatte die Polizei öfter. Es gab in den vergangenen Jahren eine Reihe spektakulärer Suchaktionen. Sogar das Grab einer 81-Jährigen wurde geöffnet, weil man Peggys Leiche darin vermutet hatte. Hundertprozentige Gewissheit, dass Peggy tot ist, gibt es erst seit gestern – durch das Ergebnis der rechtsmedizinischen Untersuchung. Ein DNA-Abgleich hat zweifelsfrei ergeben, dass es sich bei den gefundenen Knochenresten um Peggys Skelett handelt. Ein Pilzsammler hatte die Knochen am Samstag in einem Waldstück in Thüringen entdeckt – etwa 15 Kilometer von Peggys bayerischer Heimat entfernt.

    Bürgermeister: 

    „Ich hatte bis zuletzt gehofft, dass Peggy noch am Leben ist“, sagt Bürgermeister Holger Knüppel. Seine eigene Tochter ist zwei Jahre jünger als Peggy. Die beiden Mädchen kannten sich. Er ist überzeugt, dass es sehr viele Menschen in Lichtenberg gibt, die mit Peggys Familie gehofft und gebetet haben. „Für uns Lichtenberger ist es sehr wichtig, dass der Fall aufgeklärt wird“, sagt er. Es gab viele Gerüchte in den vergangenen 15 Jahren. Die Gemeinde habe sehr darunter gelitten. Einmal hieß es, sie würde einen Mörder decken. Einmal war von einer Stadt von Pädophilen die Rede. „Das hat Lichtenberg nicht verdient“, sagt Knüppel.

    Seit dem Knochenfund am Wochenende herrscht in Lichtenberg wieder Ausnahmezustand. Zahlreiche Journalisten und Fernsehteams sind in der Stadt. Nach 15 Jahren und zahlreichen heißen Spuren, die keine waren, sind die Lichtenberger das bereits gewohnt. Viele ziehen sich an Tagen wie diesen zurück, um dem Presserummel aus dem Weg zu gehen. Doch überall wird über Peggy gesprochen.

    „Es sind sehr emotionale Tage“, sagt Hans-Peter Göll. Er ist der evangelische Pfarrer in Nordhalben, wo Peggys Mutter 2004 ein Grab für sie anlegen ließ. Die Gemeinde liegt 15 Kilometer von Lichtenberg entfernt, Peggys Mutter lebt inzwischen nicht mehr dort. Doch noch immer wird Pfarrer Göll auf das verschwundene Mädchen aus Lichtenberg angesprochen. In diesen Tagen besonders häufig.

    Alle Entwicklungen zu dem Fall können Sie in unserem News-Blog nachlesen. 

    Ein möglicher Tatort? Die Polizei sucht das Waldstück, in dem die Skelettreste gefunden wurden, seit Tagen nach Spuren ab. Es wurden auch Gegenstände gefunden – Medienberichten zufolge auch Peggys Armbanduhr

    Noch ist nicht geklärt, wie Peggy ums Leben gekommen ist. Doch die Ermittler in Bayreuth sprachen am Montag bereits von einem möglichen „Tatort“. Auch Gegenstände seien im Wald gefunden worden – einige Medien berichten, dass es sich dabei unter anderem um Peggys Armbanduhr handelt. Details will die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen zurückhalten.

    Bürgermeister Holger Knüppel ist überzeugt, dass Peggy Opfer eines Gewaltverbrechens wurde. „Das Schlimmste für uns wäre, wenn kein Schuldiger gefunden wird“, sagt er. „Der Gedanke, dass ein Lichtenberger das Mädchen umgebracht haben könnte – dass seit 15 Jahren ein Mörder unter uns lebt, ist kaum zu ertragen.“

    Katrin Woitsch

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