Fall Herrmann: Erpresser rief aus München an

Augsburg - Gutachten haben im Prozess um die Entführung von Ursula Herrmann einen Zusammenhang zwischen den damaligen Erpresseranrufen und einem Tonbandgerät des Angeklagten erhärtet.

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Analysen des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) ergaben bei insgesamt elf vergleichbaren Geräten sogut wie keine Ähnlichkeiten mit Geräuschen, die auf den Mitschnitten der Erpresseranrufe von 1981 zu hören sind. Bei den mitgeschnittenen Anrufen wurden typische Schaltgeräusche der Starttaste und eine markante Ton-Dämpfung festgestellt, die wahrscheinlich von dem Gerät aus dem Besitz des Angeklagten stammen. Deshalb ist das Gerät ein Hauptindiz der Anklage für die Täterschaft des Angeklagten.

Dieser will das Gerät aber erst 2007 auf einem Flohmarkt gekauft haben. Umfangreiche Ermittlungen bei Betreibern des Flohmarktes hatten aber weder zu einem Verkäufer noch zu Zeugen für den Kauf geführt. Das Gerät soll der Täter benutzt haben, um seine Erpresseranrufe durch ein bestimmtes Signal kenntlich zu machen.

Der 59-jährige Angeklagte muss sich gemeinsam mit seiner Frau vor dem Landgericht Augsburg wegen erpresserischen Menschenraubs mit Todesfolge verantworten. Er soll im September 1981 die damals zehn Jahre alte Ursula bei Eching am Ammersee entführt und in eine im Wald vergrabene Kiste gesperrt haben. Das Mädchen war kurz darauf erstickt, aber erst 19 Tage später gefunden worden. In dieser Zeit waren Erpresserbriefe und die mitgeschnittenen Erpresseranrufe bei Ursulas Eltern eingegangen. Die Briefe mit einer Forderung von umgerechnet einer Million Euro Lösegeld soll die Angeklagte zusammengeschnipselt haben.

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Die Erpresseranrufe mit dem Erkennungszeichen des damaligen Radio-Verkehrsfunksignals soll der Angeklagte über das Tonbandgerät gemacht haben. Er und seine Frau bestreiten die Tat und schweigen. Die Analyse der Erpresseranrufe ergab laut LKA, dass zwei der fünf Anrufe aus München kamen. Sie konnten durch den direkten Vermittlungston am Ende der Gespräche dem Raum München zugeordnet werden.

An dem dritten Erpresseranruf sind dem Gutachten zufolge deutlich Münzkassiergeräusche zu hören. Er soll von einem öffentlichen Telefonanschluss gemacht worden sein. Die LKA-Gutachterin Dagmar Boss sagte vor dem Landgericht, vier der fünf Anrufe könnten aus verschiedenen Telefonzellen gemacht worden sein. Gutachten an elf Tonband-Vergleichsgeräten ergaben lediglich bei einem Gerät war ein ähnliches Einschaltgeräusch der Pausentaste wie auf den Erpresseranrufen.

Die auffallende Dämpfung des höchsten Tones des Verkehrssignals konnte aber mit keinem anderen Gerät nachgestellt werden. Diese markante Ton-Dämpfung auf den Erpresseranrufen ist nach dem Gutachten wahrscheinlich durch eine Fehlstellung des Tonkopfes an dem sicher gestellten Gerät bedingt.

dpa

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