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Der Entführungsfall Ursula Herrmann erschütterte Deutschland 1981. Das zehnjährige Entführungsopfer ist quallvoll erstickt (Symbolfoto).

Zweifel an dem Täter

Fall Ursula Herrmann: Gutachter uneinig über Tonbandgerät 

Im Zivilprozess um den Entführungsfall Ursula Herrmann vor 37 Jahren wird sich das Landgericht Ausburg noch einmal mit dem zentralen Indiz beschäftigen.

Update von Donnerstag, 21. Juni

Augsburg - Das Zeitalter der analogen Tonbandaufnahmen ist lange vorbei, doch in dem neuen Prozess um den Tod der zehnjährigen Ursula Herrmann im Jahr 1981 haben sich zwei Experten noch einmal mit längst vergangenen akustischen Phänomenen beschäftigt. So ging es in dem Verfahren vor dem Landgericht Augsburg am Donnerstag fast vier Stunden lang beispielsweise darum, welche Geräusche an einem alten Spulengerät beim „Drücken der Pause-Taste im Play-Modus“ entstehen.

Hintergrund ist, dass Michael Herrmann den rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilten Kidnapper seiner Schwester Ursula auf 20 000 Euro Schmerzensgeld verklagt hat. Da der im Gefängnis sitzende 68-Jährige bis heute bestreitet, das Mädchen vor 37 Jahren verschleppt und getötet zu haben, rollt die Zivilkammer die Beweisaufnahme aus dem früheren Strafprozess zum Teil noch einmal auf.

Tonbandgerät gilt als Hauptindiz

In dem Strafverfahren war ein bei dem Entführer sichergestelltes Tonbandgerät das Hauptindiz. Mit diesem aus den 1970er Jahren stammenden Gerät hatte der Mann nach Überzeugung der Strafkammer damals das Erkennungssignal des Radiosenders B3 als Jingle für die Erpresseranrufe bearbeitet. Die Verurteilung beruhte weitgehend auf dem Gutachten des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) zu dem Spulengerät. In dem Zivilprozess stellte die LKA-Phonetikexpertin deswegen nun noch einmal dieses Gutachten vor. Walter Rubach, der Verteidiger des 68-Jährigen, zweifelt die Arbeit des LKA an und hatte sich deswegen einen Physiker als eigenen Experten mitgebracht.

Gutachter sind unterschiedlicher Meinung

Zwischen beiden kam es dann zum Schlagabtausch. Bei einer Diskussion über Lautstärkeunterschiede betonte der Physiker: „Das ist das Problem, dass wir unterschiedlicher Meinung sind!“ Die LKA-Mitarbeiterin konterte postwendend: „Das werden wir auch bleiben.“

Von den langen Fragenlisten, die die Anwälte ihr schon vor dem Verhandlungstag vorgelegt hatten, ließ sich die 60-Jährige nicht aus der Ruhe bringen. Doch auch Michael Herrmann, als Musiker mit Studioerfahrung ebenfalls vom Fach, äußerte Bedenken. Ihm ging es beispielsweise um die Raumakustik bei der Aufnahme des Erpressertonbands, doch auch bei der Frage einer möglichen „Phasenauslöschung“ durch falsche Platzierung des Mikrofons blieb die Gutachterin gelassen. „Es ist nicht wirklich überzeugend“, meinte Herrmann später über das Gutachten. Auch Gegenanwalt Rubach sagte, dass ihm einige Antworten weiterhin nicht einleuchteten.

Täter wurde erst Jahre nach Verbrechen verurteilt

Der Fall Ursula Herrmann gehört zu den spektakulärsten Verbrechen in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Schülerin war damals am Ammersee in einer vergrabenen Kiste eingesperrt worden, sie erstickte darin. Erst 2010 war der Täter in Augsburg verurteilt worden. Doch nach der langen Zeit blieben viele Zweifel an diesem Schuldspruch. Beide Seiten hoffen, in dem seit Jahren laufenden Zivilverfahren nun noch offene Fragen klären zu können. „Es ist nach wie vor nicht klar, ob der richtige Mann in Haft sitzt“, sagt Herrmann. Am 2. August setzt das Gericht das Verfahren fort, möglicherweise wird dann das Urteil verkündet.

Ursprungsmeldung von Mittwoch, 20. Juni

Augsburg - Die Richter werden dazu am Donnerstag (9.00 Uhr) ein umstrittenes Gutachten über ein Tonbandgerät des Kidnappers erörtern. Es hatte einst wesentlich zu dem Schuldspruch beigetragen. In dem Schmerzensgeldprozess um den gewaltsamen Tod der Zehnjährigen im Jahr 1981 verlangt Ursulas Bruder Michael Herrmann von dem im Gefängnis sitzenden Täter 20.000 Euro. Der 68 Jahre alte Häftling bestreitet bis heute, für den Tod der Schülerin verantwortlich zu sein.

Kidnapper erst nach 27 Jahren überführt

Der Fall Ursula Herrmann zählt zu den bekanntesten Kriminalfällen der Bundesrepublik. Da es bei den Ermittlungen einige Ungereimtheiten gab und der Kidnapper erst 27 Jahre nach dem Verbrechen überführt werden konnte, gibt es bis heute viele Zweifel an der Alleintäterschaft des 68-Jährigen. Sowohl Kläger Michael Herrmann als auch der beklagte Straftäter hoffen, dass durch den Schmerzensgeldprozess noch offene Fragen geklärt werden können.

In dem Zivilverfahren soll nun die für das Tonbandgerät zuständige Sachverständige des Bayerischen Landeskriminalamtes noch einmal befragt werden. Das Gerät soll der Entführer bei den damaligen Erpresseranrufen abgespielt haben.

dpa

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