Vanessa: Kriminologe verteidigt Gutachten

Augsburg - Prognose-Gutachten vor Gericht bergen aus Sicht des Helmut Kury große Risiken. Der Kriminologe verteidigt die Gutachten im Fall Vanessa.

Niemand könne mit Sicherheit wissen, ob ein Straftäter rückfällig werde, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Anders als die anderen Gutachter hatte sich Kury im Augsburger Sicherungsverwahrungs-Prozess dafür ausgesprochen, den Mörder der kleinen Vanessa unter strengen Auflagen freizulassen. “Ich schwimme sozusagen gegen den Strom.“ Sollte das Gericht seiner Empfehlung folgen, bedeute das auch eine große Bürde, sagte Kury. “Wenn er dann rückfällig wird, bin ich vielleicht nicht schuld im juristischen Sinne, aber im moralischen.“

Für einen Gutachter sei diese Vorstellung “der Super-Gau“. “Man lebt den Rest des Lebens mit dem Vorwurf: Ich bin mitschuldig, weil ich da etwas übersehen habe.“ Aus Angst vor diesem Szenario neigten Gutachter dazu, sich vermehrt fürs Wegsperren auszusprechen, sagte Kury. Das birgt aus seiner Sicht allerdings die Gefahr, dass ein Straftäter nach Verbüßung seiner Haft in Sicherungsverwahrung sitzt, obwohl er gar nicht mehr rückfallgefährdet ist. Für manche Gutachter sei dieser Gedanke jedoch leichter zu ertragen als der “Super-Gau“.

Gerade wenn es um Sicherungsverwahrung gehe, stünden Sachverständige und Richter unter einem immensen Druck - auch wegen der ständig geführten Sicherheitsdebatte. “Es gibt in manchen Bereichen ein zunehmendes Bedürfnis nach mehr Sicherheit“, sagte der Kriminologe. Die Gerichte gäben immer mehr Prognose-Gutachten in Auftrag, um sich abzusichern. Kury sprach von einer “Gutachten-Flut“.

Vor dem Augsburger Landgericht demonstrieren an jedem Verhandlungstag Menschen für härtere Strafen. Im Vanessa-Prozess müssen die Richter entscheiden, ob der Täter weiter hochgefährlich ist und in Sicherungsverwahrung kommt. Vor zehn Jahren hatte der damals 19-Jährige in Gersthofen bei Augsburg die zwölfjährige Vanessa erstochen - als Tod verkleidet. Kury sagte: “Mörder werden in aller Regel nicht mehr rückfällig.“ Es gebe allerdings überall Ausnahmen. Ein Gutachter müsse feststellen, ob er eine solche Ausnahme vor sich habe.

dpa

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