Tank-TÜV: Eine aktuelle Prüf-Plakette an einer Tanksäule.

Falsche Zahlen an der Zapfsäule

München - Bayerns Autofahrer vertrauen der Anzeige an der Sprit-Zapfsäule - möglicherweise zu Unrecht. Viele Prüfplaketten an Tankstellen sind abgelaufen, weil die Eichämter offenbar überfordert sind. Die Behörde versichert dennoch: Verbraucher müssten sich keine Sorgen machen.

Auf den Hunderstel-Liter genau leuchten die Zahlen der Digitalanzeige an der Tanksäule. So exakt die Anzeige auch sein mag - sie kann nur akkurat sein, wenn auch tatsächlich haargenau soviel Sprit in den Tank fließt.

Sicher können sich Autofahrer in Bayern jedoch nicht sein - an vielen Zapfsäulen im Freistaat sind nach Angaben des Bayerischen Tankstellenverbands die amtlichen Prüfplaketten abgelaufen. „Ich weiß von vielen Pächtern vor allem aus Nordbayern, dass die Eichämter total überlastet sind“, sagt Verbands-Präsident Günter Friedl.

Tank-TÜV: Eine aktuelle Prüf-Plakette an einer Tanksäule.

Die Prüfplaketten an den Zapfsäulen sind eine Art Tank-TÜV. Die gesetzlichen Vorgaben sind scharf, die Prüfung ziemlich genau: Die amtlichen Prüfer checken im Zweijahresrhythmus akribisch, ob bei verschiedenen Sprit-Durchflüssen auch immer die angezeigte Menge herauskommt. Nur 0,5 Prozent darf die Abweichung betragen. Für den Bezirk Oberbayern müssen die Beamten derzeit 9500 so genannte Zapfpunkte (Einzelne Spritschläuche an einer Zapfsäule) unter die Lupe nehmen. Die Behörde ist bereits im Verzug. „Wir werden wohl erst im März 2011 fertig werden“, sagt der Leiter des Eichamtes München-Traunstein, Ronald Kraus. In Nürnberg sind die Inspekteure noch dabei, abgelaufene Plaketten aus 2009 abzuarbeiten, wie Amtsleiterin Barbara Syha in einem Zeitungsbericht einräumte.

Eine abgelaufene Prüf-Plakette muss nicht heißen, dass die Zapfsäule fehlerhaft funktioniert - aber es kommt vor. An drei Prozent der „Zapfpunkte“ in Bayern stellten nach Angaben des Landesamtes für Maß und Gewicht (LMG) Kontrolleure Abweichungen fest. Allein in Oberbayern sind das immerhin 285 fehlerhafte Spritschläuche.

Allerdings sind die Abweichungen meist gering, heißt es aus den Eichämtern. An schwäbischen Tankstellen wurde nach Angaben von Amtschef Schmid die Messtoleranz maximal um 0,2 Prozent über- oder unterschritten - die Tank-Kunden hatten also nur wenige Cent zu wenig oder zu viel bezahlt. „Mit Ablaufen der Eichgültigkeit wird ein Messgerät nicht schlagartig schlecht“, betont LMG-Vize-Leiter Heinz Wallerus. Verbraucher hätten nicht zu befürchten, an bayerischen Tankstellen nicht die angezeigte Menge Benzin oder Diesel zu bekommen. Allerdings gibt der Behördenchef zu, dass die Personaldecke knapp ist. Und, dass derzeit nur 80 Prozent der Zapfsäulen in Bayern fristgerecht geeicht sind.

Faktisch ist die Prüf-Truppe gemessen an ihrem riesigen Aufgabengebiet sehr klein: Gerade einmal 35 Leute sind für Amtschef Kraus von Berchtegaden bis Dachau unterwegs. Zapfsäulen begutachten ist nur ein kleiner Teil der Eich-Arbeit (siehe Kasten). „Es ist eine Mangelverwaltung“, sagt Kraus. An der Kapazitätsgrenze sieht sich auch der Leiter des Eichamtes Augsburg, Uwe Schmid. „Das Aufgabengebiet ist sehr groß“, sagt der Amtschef.

Die Mineralölkonzerne sorgen deshalb vor und schicken ihren Pächtern eigene Spezialisten zum Checken der korrekten Säulen-Funktion. Eichen dürfen sie freilich nicht. Aber der Pächter kann dann die Tanksäule vorübergehend schließen. So hat es auch Tankstellen-Verbandspräsident Friedl gehalten - selbst Pächter in München-Freimann -, als an einer seiner Tanksäulen eine Abweichung von fünf Prozent festgestellt wurde - und zwar zugunsten des Kunden.

Stefan Mühleisen

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