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Sandra Boss als Zeugin vor einem Bostoner Gericht

Charmant und weltgewandt – und unglaublich verlogen

Falscher Rockefeller: So angelte er sich seine reiche Frau

Boston - Er sieht vor Gericht aus wie verklemmter Bücherwurm.

Doch Christian Gerhartsreiter (48), der Chiemgauer Bub, der sich viele Jahre als ein Rockefeller ausgab, genügte schließlich auch sein Charme, um an die Damen zu kommen. Seine Ex-Gattin Sandra Boss (42), immerhin eine Top-Managerin mit einem Jahressalär von zwei Millionen Dollar, sagte im Prozess gegen den Oberbayern aus. Dieser ist in den USA derzeit unter anderem wegen Entziehung seiner Tochter angeklagt.

Christian Gerhartsreiter vor Gericht

Da Liebe auch blind machen kann, nahm sie ihm in der Folge und auch nach der Heirat im Jahr 1994 alles ab, was er sich so ausdachte. Etwa, dass seine Mutter früher Filmstar war. Oder diese tolle Fabel: „Als Kind war er angeblich stumm, er hat seine Stimme erst wieder nach sieben Jahren erlangt, nachdem er einen Hund gesehen hat.“ Sein erstes Wort als Zehnjähriger sei „Wuff!“ gewesen. Und es ging munter weiter. So habe er wieder­um als Kind nach einem Treppensturz vorübergehend das Gedächtnis verloren und hatte dann trotzdem als Hochbegabter mit nur 14 Jahren an einem Programm der Elite-Uni Yale teilgenommen. Zudem verfüge er über eine Menge Geld, geerbt von – bei einem Unfall ums Leben gekommenen – Eltern.

Nach ersten guten Ehejahren ging es Boss zufolge dann bergab. „Er wurde jähzornig, hat mich überwacht und kontrolliert. Und nie hat er einen Cent nach Hause gebracht.“ Als sie vor der Scheidung stand, schaltete sie einen Privatdetektiv ein: „Ich wollte herausfinden, wer mein baldiger Ex-Ehemann wirklich ist.“

Gerhartsreiter, der auch andere Pseudonyme verwendete, entführte dann nach der Scheidung im Sommer 2008 seine damals siebenjährige Tochter Reigh in Boston. Darauf folgende Recherchen brachten seine wahre Identität ans Licht. Er selbst weist alle Vorwürfe zurück. Seine Anwälte gehen von Unzurechnungsfähigkeit aus. Zum Zeitpunkt der Entführung sei „Rockefeller“ schlicht verrückt gewesen“.

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