Falsches Ticket: Zwölfjährige wird aus S-Bahn geworfen

Eichenau - Weil sie falsch gestempelt hatte, haben Fahrkartenkontrolleure eine zwölfjährige Münchnerin bei Eichenau (Kreis Fürstenfeldbruck) aus der S-Bahn geworfen. Es ist bereits der vierte derartige Fall in den vergangenen Wochen.

Mit einer Freundin hatte Martina, die in Perlach wohnt, vergangenen Samstag eine Freundin in Fürstenfeldbruck besucht. Gegen 18 Uhr machten sich die beiden mit der S 8 auf den Weg zurück in die Stadt. Doch in Eichenau war die Fahrt für Martina zu Ende. Die Schülerin hatte eine rote Kinderstreifenkarte gestempelt. Aber seit der letzten Tariferhöhung des MVV gilt der Fahrschein nicht mehr. „Sie sagten meiner Tochter, die Fahrkarte kann sie wegschmeißen und sie muss 40 Euro fürs Schwarzfahren zahlen“, erzählt Vater Gero R.

Soviel Geld hatte die Schülerin aber nicht dabei. Sie stieg gezwungenermaßen aus, ihre Freundin fuhr weiter. „Am Bahnhof war kein Mensch und es war schon dunkel. Meine Tochter stand ganz alleine da und wusste nicht, was sie machen soll“, so der Vater.

Zum Glück hatte Martina ihr Handy dabei und rief ihren Papa an. „Ich habe ihr gesagt, sie soll in die nächste S-Bahn steigen, weil es viel zu lange gedauert hätte, bis ich bei ihr bin. Sie hat sich zuerst nicht getraut und war ganz verängstigt.“ Seine Tochter sei eher ängstlich und nicht gewohnt, alleine S-Bahn zu fahren. Noch dazu sei sie von den barschen Kontrolleuren in den Uniformen völlig eingeschüchtert worden. „Ich habe ihr gut zugeredet und sie hat die nächste S-Bahn genommen.“ Diesmal wurde Martina nicht kontrolliert.

Das Verhalten der Kontrolleure findet Gero R. „eine Unverschämtheit“. Seine Tochter habe zwar eine falsches Ticket gehabt. „Aber man kann doch ein Kind nicht einfach rausschmeißen und sie im Dunkeln stehen lassen – außerdem hätte ab Pasing ihre Schülerkarte gegolten.“

Die Bahn prüft den Vorfall gerade. „Sollte sich alles so zugetragen haben, müssen die Kontrolleure mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen und wir werden uns in aller Form entschuldigen“, sagte ein Bahnsprecher.

Dabei seien die Mitarbeiter nach den Vorfällen der vergangenen Wochen (siehe Kasten) ausdrücklich angewiesen, Minderjährige nicht aus dem Zug zu weisen. „Richtig wäre in so einem Fall, die Personalien des Kindes aufzunehmen und eine Zahlungsaufforderung an die Eltern zu schicken.“

Von Marion Bischof

Rubriklistenbild: © Foto: dpa

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