Berg-Drama in Tirol

Familienvater aus Bayern stürzt in den Tod

Mittenwald/Leutasch - Den Tod ihres Vaters mussten zwei Burschen mitansehen – der 46-Jährige aus Mittelfranken stürzte auf einer Bergtour bei Mittenwald ab.

Sie waren gut ausgerüstet, sie kehrten vorsichtshalber um, als ihnen der Aufstieg zum Gipfel zu schwierig wurde – und doch endete eine Bergtour für eine Familie aus Franken in der Katastrophe.

Der 46-Jährige aus der Gemeinde Obermichelbach verbringt mit seiner Frau und den beiden Söhnen, elf und 14 Jahre alt, ein paar Urlaubstage in Mittenwald (Kreis Garmisch-Partenkirchen). Am Sonntag machen sich die Vier auf zu einer Tour auf die Große Arnspitze. Das ist der Hauptgipfel der Arnspitzgruppe im Wettersteingebirge – sie liegt auf der Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Die Familie erreicht die Arnspitzplatte. Von dort aus wollen die Vier weiter auf den Gipfel, der auf 2196 Metern liegt. Nördlich am Kamm entlang führt eine Art Höhenweg – er ist laut Wolfgang Wabel, Bergsport-Experte beim Deutschen Alpenverein, nicht markiert. Weil er aber dennoch häufig benützt wird, ist er als Weg erkennbar. „Das ist eine alpine Route“, sagt Wabel über den Schwierigkeitsgrad – mit einigen exponierten Stellen.

Der Vater geht voran, dann die beiden Kinder, am Schluss wandert die Mutter. Später wird die Polizei sagen, dass die Gruppe gut ausgestattet ist, die nötige Ausrüstung dabei hat. Doch der Weg zur Großen Arnspitze wird immer anstrengender und schwieriger. Es ist kurz nach drei Uhr, als die Familie sich über den schmalen Felsgrat quält und nur noch schleppend vorankommt. Der Gipfel ist nicht mehr allzu weit entfernt, als die G.s beschließen umzukehren.

Jetzt geht die Mutter vorweg, ihr folgen die Söhne, den Abschluss bildet Klaus G. Unklar ist, wie lange die Familie bereits bergabwärts unterwegs ist, als um 15.20 Uhr das Unglück auf 1900 Metern Höhe passiert: Der 46-Jährige verliert den Halt auf dem losen Untergrund. Er schreit, die anderen drehen sich um und sehen, wie Klaus G. rund 70 Meter über eine Geröllhalde in die Tiefe stürzt.

Laut Polizei alarmieren die Angehörigen die Rettung und versuchen, zu dem 46-Jährigen abzusteigen und ihm zu helfen. Doch der Familienvater erleidet einen Genickbruch und stirbt noch an der Unglücksstelle. Zwei Hubschrauber fliegen zur Arnspitze – in einem wird der Leichnam ins Tal geflogen, in dem anderen Ehefrau und Söhne. Ein Kriseninterventionsteam des österreichischen Roten Kreuzes kümmert sich um die Familie, die unter Schock steht. Ob sie in der Zwischenzeit in ihre Heimat nach Mittelfranken zurückgekehrt ist, konnte die Polizei gestern nicht sagen.

Carina Lechner

Rubriklistenbild: © dpa

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