Fast acht Jahre Haft für tödlichen Messerstich

Coburg - Im Prozess um den gewaltsamen Tod eines Russlanddeutschen ist eine 26 Jahre alte Frau am Freitag zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und neun Monaten verurteilt worden.

Sie hatten sich erst am Vorabend kennengelernt. Wenige Stunden später stieß die junge Frau dem 40-Jährigen in ihrer Wohnung in Lichtenfels ein Küchenmesser in den Rücken. Das Landgericht Coburg verurteilte die 26-Jährige am Freitag wegen Totschlags in einem minderschweren Fall zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und neun Monaten. Die Strafkammer ordnete zudem die Unterbringung der alkoholkranken und medikamentenabhängigen Frau in einer Entziehungsanstalt sowie in einer psychiatrischen Klinik an. Wegen einer schweren Persönlichkeitsstörung war die Schuldfähigkeit der Angeklagten erheblich vermindert.

Wie sich die Bluttat am frühen Morgen des 9. Mai 2009 genau abspielte, blieb auch im Prozess weitgehend ungeklärt. Die Angeklagte äußerte sich erstmals wenige Minuten vor dem Urteil. “Es tut mir sehr leid: Ich weiß nicht, wie das passieren konnte. Ich wollte das nicht und ich denke jeden Tag an ihre Kinder“, sagte die 26-Jährige an die Adresse der Witwe des Opfers - Mutter von drei Töchtern im Alter zwischen 4 und 16 Jahren.

Das Gericht musste sich auf die Angaben der Angeklagten kurz nach deren Festnahme stützen. Am Vorabend der Tat ging sie demnach noch einmal weg, um Blumen für ihre Stiefmutter zum Muttertag zu holen. Unterwegs begegnete sie einer Freundin. Auf dem Rückweg trafen beide unter einer Brücke auf eine Gruppe von Russlanddeutschen. Der sichtlich angetrunkene 40-Jährige schloss sich den Frauen an. Wenig später schickte die Angeklagte ihre Freundin weg. “Sie wollte mit ihm allein sein und noch etwas trinken“, schilderte Oberstaatsanwältin Ursula Haderlein die Vorgeschichte der tödlichen Messerstiche.

Beide waren schon stark angetrunken, als sie sich trafen. In der Wohnung der Frau wurde weiter Bier und Wein getrunken. “Dann kam es zum eigentlichen Tatgeschehen, dessen nähere Einzelheiten im Dunkeln liegen“, sagte die Anklagevertreterin. Wenig später hatte er ein Messer im Rücken. Die zehn Zentimeter lange Klinge traf die Hauptschlagader. Der Mann verblutete. Auch ein Notarzt konnte ihm nicht mehr helfen.

Bei der Polizei gab die Frau wenig später an, sie habe ihren Gast weggeschickt, er aber habe nicht gehen wollen. “Ich habe dann ein Loch gemacht und dann war er tot“, sagte sie damals der Polizei. Als mögliches Tatmotiv nannten Staatsanwältin und Verteidiger übereinstimmend enttäuschte Erwartungen. “Sie wollte kuscheln, er war müde und wollte sich ins Bett legen“, sagte der Anwalt.

Zur Tatzeit hatte die Angeklagte nach Überzeugung des Gerichts rund 3 Promille Alkohol im Blut. Dennoch sah das Gericht einen Tötungsvorsatz bei der leicht reizbaren und wiederholt von Angstzuständen geplagten Frau. “Sie sind eine Alkoholikerin, sie sind krank, es besteht die Gefahr weiterer erheblicher Straftaten, wenn sie dieses Problem nicht angehen“, sagte der Vorsitzende Richter Gerhard Amend. Das Opfer hatte gar 3,6 Promille Alkohol im Blut. Seine Verteidigungsfähigkeit war damit erheblich eingeschränkt, urteilte das Gericht. Abwehrspuren gab es nicht.

Die Staatsanwältin hatte achteinhalb Jahre Haft gefordert. Der Verteidiger stufte die Tat als Körperverletzung mit Todesfolge ein. Er plädierte auf eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren.

dpa

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