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In vielen Kneipen im Großraum München wird gegen geltende Bestimmungen des Nichtraucherschutztes verstoßen.

Fast in jeder Kneipe wird geraucht

München - Sieben Wochen vor dem Volksentscheid zum Rauchverbot in Gaststätten zeigt eine Studie: In München sind komplett rauchfreie Kneipen schwer zu finden, im Umland mitunter gar nicht.

Wer in der kleinen Kneipe um die Ecke ohne Zigarettenqualm ein Bier trinken möchte, muss in Schwabing oder am Gärtnerplatz wohnen. Das ergab eine nicht repräsentative Erhebung des Aktionsbündnisses für Nichtraucherschutz. Rund 600 Gaststätten haben die Kontrolleure des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit (ÄARG) und der Nichtraucher-Initiative München (NIM) im Großraum München inspiziert.

Das Resultat: In rund 60 von 480 Speiselokalen wird gegen geltende Bestimmungen verstoßen, etwa durch eine fehlende Kennzeichnung als Raucherlokal. Auch würden einige Ausnahmeregelungen von Wirten nur nach Gutdünken eingehalten. In Restaurants etwa, in denen ab 22 Uhr geraucht werden darf, werde je nach Andrang auch schon mal um 20 Uhr zur Zigarette gegriffen.

Noch vernichtender fiel das Urteil für die 126 überprüften getränkegeprägten Gaststätten aus. In 94 Prozent der kontrollierten Bars und Kneipen wird geraucht. Das Alarmierendste daran ist laut Professor Friedrich Wiebel die geografische Verteilung der sieben Wirtschaften, die den Test bestanden haben: Alle sieben befinden sich im Münchner Stadtgebiet, nämlich im Szeneviertel um den Gärtnerplatz und im nördlichen Teil Schwabings. „Während der Münchner noch eine sechsprozentige Chance hat, sein Bier in rauchfreier Umgebung zu genießen, muss der Umlandbewohner zu Hause oder vor der Tür trinken", sagt der Mediziner und ÄARG-Vorsitzende.

Die Kontrolleure des Aktionsbündnisses waren nicht nur in den Münchner Vierteln Haidhausen, Laim, Milbertshofen, Neuhausen, Schwabing, Untergiesing sowie im Gärtnerplatz- und Glockenbachviertel unterwegs. Sie inspizierten auch flächendeckend Gaststätten in den Umlandgemeinden Aschheim, Eching, Garching, Gauting, Germering, Gräfelfing, Ismaning, Karlsfeld, Krailling, Planegg und Unterschleißheim. Dort fanden sie keine einzige rauchfreie Kneipe.

„Wir haben alle möglichen Verstöße und Ausnahmen festgestellt", sagt Wiebel. „Das ist ja das Wunderbare an diesem Gesetz." Er befürchtet zudem eine Verschlimmerung der Verhältnisse. „Wenn man erst einmal Ausnahmen geschaffen hat, zieht das immer größere Kreise. Der Trend zur Aufweichung des Nichtraucherschutzes geht immer weiter, und das nicht nur inoffiziell", sagt Wiebel.

So besorgniserregend die Ergebnisse auch sind, es gibt einen, der sich in gewisser Weise über sie freut: Sebastian Frankenberger (ÖDP) hat das erfolgreiche Volksbegehren zum Nichtraucherschutz in die Wege geleitet. Am 4. Juli wird in Bayern bei einem Volksentscheid über die Wiedereinführung eines strikten Rauchverbots entschieden. „Die Veröffentlichung der Studie kam zum idealen Zeitpunkt. Sie ist der Beweis, dass die gegenwärtige Regelung zu viele Schlupflöcher bietet und offenbar nicht kontrollierbar ist", sagt Frankenberger.

Die von der Gegenseite viel zitierte Zahl von 85 Prozent rauchfreien Gaststätten stimme vielleicht auf dem Papier, „aber definitiv nicht in der Realität". Insofern gebe die Studie dem Volksentscheid gewaltigen Rückwind.

Uta Künkler

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