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Deftiges Starkbier: Mönche ließen sich den Hopfen-Genuss vom Papst absegnen – durch einen Trick.

Starkbier war vom Papst erlaubt

Fastenzeit: So wurde früher getrickst

München - Heute beginnt die Fastenzeit, 40 Tage im Tal der Entsagung. Spaß ist anders! Das empfanden auch unsere Vorfahren so. Aber sie jammerten nicht, sondern tricksten lieber. Dabei half ihnen sogar der Papst.

Kurfürst Maximilian kannte kein Pardon. Ein bisschen Fleisch während der Fastenzeit und er sperrte den Sünder für ein paar Stündchen ins Gefängnis – oder band ihn einen Tag lang an die Schandsäule. Aufzeichnungen belegen das. Da mischte das Eheweib geschnittenen Speck unter die Knödel und zack: Religionsverbrecher.

So ging’s zu in der Oberpfalz, 17. Jahrhundert. Der Kurfürst wollte die Lutheraner wieder auf heilige katholische Pfade führen. Die Fastenzeit, die an die 40 Tage Jesu in der Wüste erinnert, gehörte dazu. Pech halt, wenn man sich beim Schummeln erwischen ließ. Dabei hatten ein paar schlaue Köpfe das Fasten-Mogeln längst zum Klacks gemacht.

Der Kölner Theologe und Brauchtumsexperte Manfred Becker-Huberti kennt die Fasten-Tricksereien von damals. Die schönsten, sagt er, sind „immer die, wo man das Gesetz erfüllt, und es gleichzeitig mit Füßen tritt“. Zum Beispiel beim Bier. Das unterlag vielerorts dem Fastengebot, ändern konnte das nur der Papst. Also schickten findige Mönche ihr Starkbier über die Alpen bis nach Rom. Was dort ankam, war nur noch schale Plörre. Der Papst soll gesagt haben: „Wenn sie so etwas trinken wollen, dann sollen sie es haben.“

Eine ähnliche Karriere legte die heiße Schokolade hin. 1569 schickten Mexikos Bischöfe Bruder Girolamo di San Vincenzo in den Vatikan. Pius V. kostete vom Schoki-Trunk, der damals laut Becker-Huberti nur ein „fettiger Brei“ war. Dem Papst graute es, er genehmigte. Anfang des 17. Jahrhunderts führte das zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Jesuiten, die die inzwischen genießbare Schokolade weiter trinken wollten, und Schoki-feindlichen Dominikanern. Die läuft bis heute, sagt Becker-Huberti. „Es ist nie ein endgültiges Urteil gefallen.“

Nach außen die Form halten, nach innen tricksen. Bei schwäbischen Maultaschen ist das wörtlich zu verstehen. Ihre Erfinder sind angeblich Zisterzienser-Mönche des Klosters Maulbronn. Sie wollten ein Stück Fleisch vor dem Verderben bewahren, hackten es und mischten es mit Kräutern. Der Teig kam obendrüber. Noch heute findet man die „Herrgotts-B’scheißerle“ auf manchen Speisekarten.

Zwischenfazit: Mönche waren die derbsten B’scheißerlein. Sie warfen sogar Hirsche, Hühner und Biber in ihre Klosterbrunnen, um sie dann essen zu können. Laut Becker-Huberti wurde nämlich „alles, was unter der Wasseroberfläche war, den Fischen zugeordnet“. Clever, aber nicht immer erfolgreich. Aus einem barocken Kloster ist die Anweisung überliefert, es sei „fürderhin nicht mehr gestattet, ein Spanferkel in den Klosterbrunnen zu Schmeißen“ und es zu essen.

Wo der Betrug also nicht zündete, war die Ultima ratio: Selbstbetrug. Manche Christen nahmen ihren Fisch und würzten ihn so geschickt, dass er wie Schweinefleisch schmeckte. Ein vorvegetarischer Tofutrick sozusagen.

Heute ist das alles Makulatur. Der Kurfürst hat nichts mehr zu sagen, die Schandsäule ist passé. Wobei, eines gilt weiterhin: Wer fastet, wie auch immer, sollte es dort tun, wo es wehtut. Ein bisschen wenigstens. Papst Franziskus sagte kürzlich mit Blick auf die Fastenzeit: „Ich misstraue dem Almosen, das nichts kostet und nicht schmerzt.“

Von Marcus Mäckler

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