Spediteur auf  Feldzug gegen Lkw-Überholverbote

München - Das Überholverbot für Lkw auf der Autobahn A 8 zwischen Bernau und Landesgrenze ist rechtens. Das Bundesverwaltungsgericht wies die Klage eines Spediteurs ab. Doch dieser will gegen weitere Verbote zu Felde ziehen.

Günter Obst - der Name des Kieler Spediteurs ist dem Dienststellenleiter der Verkehrspolizeiinspektion Traunstein gut bekannt. Man traf sich schon vor Gericht. Obst, sagt Johann Ertl, „ist kein Spinner“. Aber er habe doch einen gewissen „Spleen“, weil er gar so hartnäckig gegen das Lkw-Überholverbot zu Felde zieht. Der Ein-Mann-Unternehmer ist auf den Transport von Schiffen spezialisiert. Die A 8 ist seine Transitroute auf dem Weg zur Adria (und zurück). Seit nunmehr neun Jahren führt Obst einen Feldzug gegen die angeblich zu Unrecht erlassenen Überholverbote.

Gestern war es wieder soweit: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschied über Lkw-Überholverbote auf der A 7 in Hessen und auf der A 8 zwischen Bernau am Chiemsee und der Landesgrenze bei Salzburg. Im letzteren Fall hatte das Verwaltungsgericht München die Verkehrsbeschränkungen genehmigt - was die höchste Instanz in Leipzig gestern Nachmittag bestätigte. Der Erste Polizeihauptkommissar Johann Ertl reagierte denn auch erleichtert: Eine Aufhebung des Lkw-Überholverbots „wäre für uns eine Katastrophe gewesen“.

Die A 8 Richtung Salzburg ist ab Rosenheim nur zweispurig und noch dazu ohne Standstreifen. Das Lkw-Überholverbot besteht nicht rund um die Uhr und auch nicht für die gesamte Strecke, betont Dienststellenleiter Ertl. In die Fahrbahn eingebaute Zählschleifen registrieren jede einzelne Auto- und Lkw-Achse - wird der Verkehr zu dicht, aktiviert die Verkehrszentrale in München-Freimann das Überholverbot, das durch elektronische Verkehrszeichen angezeigt wird. „Die Anlagen schalten also verkehrsabhängig“, betont Ertl - „aber das glaubt uns Obst nicht“. Dieser halte alles für „Schikane“.

Tatsächlich hält Obst das Überholverbot für gefährlich. Der Grund: Wenn die Lkw nur auf der rechten Spur fahren müssen, bilden sich lange Kolonnen. Darin zu fahren, sei „anstrengend und gefährlich“, sagt der 40-jährige, in München aufgewachsene Einzelkämpfer. „Es gibt keine Erkenntnisse, dass Überholverbote das Unfallrisiko minimieren“, behauptet er. Im Gegenteil: Die Gefahr von Auffahrunfällen steige.

Freilich ist Obst nicht generell gegen Verbote. Auf starken Gefällstrecken gebe es „Gefahrenlagen, das erkenne ich an“. Und „ich möchte auch nicht den Elefantenrennen das Wort reden“ - also wenn sich fast gleich schnelle Lkw ein minutenlanges Duell liefern. Aber die Zahl der Verbotsschilder auf ungefährlichen, geraden Abschnitten nehme zu. „Dagegen kämpfe ich.“

Polizist Ertl fragt sich allerdings, aus welchem Grund. Denn für Lkw auf Autobahnen gilt in Deutschland ein generelles Tempolimit von 80 km/h. „Seien wir doch mal ehrlich: die Masse der Lkw-Fahrer fährt sowieso 80 oder etwas schneller“, sagt Ertl - und zwar auch im Kolonnenverkehr. Obst könne mit seinen leichten Segelbooten und Yachten auf dem Tieflader zwar schneller fahren und die Kolonnen überholen, „aber er darf es eigentlich nicht“.

Ohnehin gibt es auf der A 8 auch das gegenteilige Beispiel: Jahrelang gab es auf dem Anstieg zum Irschenberg Richtung München ebenfalls ein Lkw-Überholverbot. Als die Polizei eine steigende Zahl von Auffahrunfällen bei Lkw registrierte, wurde das Verbot jedoch aufgehoben. Auf der anderen Seite, beim Anstieg zum Irschenberg in Richtung Salzburg, gilt wegen des steileren Anstiegs das Lkw-Überholverbot nach wie vor. „Mit der jetzigen Situation können wir leben“, heißt es bei der Autobahnpolizei.

Auch wenn Obst gestern eine Niederlage einstecken musste, beendet ist seine Prozessserie nicht. Noch lange nicht. Es laufen weitere Verfahren, auch in Bayern. So hat er beim Verwaltungsgericht Regensburg ein Verfahren gegen ein ganztägiges Überholverbot für Laster auf Streckenabschnitten der A 3 Passau-Nürnberg angestrengt. Und auf dem Ostabschnitt der A 99 nervt ihn ein Lkw-Überholverbot auf „der sehr gut ausgebauten Strecke, die manchmal sogar vierspurig ist“ - ein Schriftsatz beim Verwaltungsgericht München ist eingereicht.

Dirk Walter

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