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Wie der Vater so der Sohn: Felix Daxenberger füttert am Wochenende in Waging am See die Kühe auf dem elterlichen Bauernhof. Der 20-Jährige hat den Hof nach dem Tod seiner Eltern geerbt.

Felix - Sepp Daxenbergers tapferer Sohn

Waging am See - Auf Felix Daxenberger lastet eine große Verantwortung: Nach dem Tod seiner Eltern Gertraud und Sepp kümmert sich der 20-Jährige um seine beiden Brüder und den Hof – unterstützt von seinen Großeltern.

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Er ist 20 Jahre alt, hat gerade mit dem Studium der Forstwissenschaften begonnen, ist engagierter Feuerwehrler – und Nebenerwerbs-Landwirt. Felix Daxenberger hat nach dem Tod seiner Eltern Gertraud und Sepp im vergangenen August den Bauernhof in Waging am See (Landkreis Traunstein) geerbt. Nüchtern und sachlich spricht der junge Mann darüber, wie dramatisch sich sein Leben in den vergangenen Monaten verändert hat. Seit jenem 15. August, an dem seine Mutter ihrem Krebsleiden erlag, und seit jenem 18. August, an dem den ebenfalls an Krebs erkrankten Vater die Kraft verließ.

„Irgendwie geht’s schon“ ist die Formel, mit der Felix das Leben und Arbeiten nach dem doppelten Schicksalsschlag wieder angepackt hat. Zunächst waren es nur Schock, Stress und unglaublich viele Organisationsprobleme, die geklärt werden mussten. Was musste nicht alles geregelt werden: Versicherungen und Kindergeld, Waisenrente und landwirtschaftliche Zuschüsse, Alterskasse und Arbeitsverträge. Erst, als endlich eine gewisse Ruhe eingekehrt war, wurde den Daxenbergers das ganze Ausmaß des Verlusts, der Gefühlsschwankungen, der Veränderungen und Konsequenzen klar. Der Prozess der Umorientierungen ist auch ein halbes Jahr nach der Tragödie noch längst nicht abgeschlossen.

Und mittendrin steht Felix, der in einem Alter, in dem andere ihr Leben, das Studium und ihre Jugend einfach nur genießen, eine Bürde aufgehalst bekommen hat – und zwar die Mitverantwortung für seine Brüder Kilian (17) und Benedikt (13), für einen landwirtschaftlichen Betrieb, für die Finanzen der Familie.

Doch Felix hat das Glück, Großeltern zu haben, die noch rüstig genug sind, den landwirtschaftlichen Betrieb weitgehend allein zu bewältigen. Dabei hatten sich Theresa (69) und Sepp Daxenberger (71) eigentlich vorgenommen, etwas kürzer zu treten. Jetzt schmiert die Großmutter wieder die Pausenbrote für die Buben, füttert die Kühe, kocht und organisiert den Haushalt.

„Irgendwie geht’s schon“ – trotzdem macht sich Felix Sorgen um die Zukunft. Was wird sein, wenn die Großeltern den Hof nicht mehr versorgen können? „Das ist schon belastend“, gibt der Student zu. Auch wenn er sich nach außen gelassen gibt. In seiner Art wie auch vom Äußeren ist er seinem Vater Sepp sehr ähnlich. Diesem politischen Urvieh, der als erster grüner Bürgermeister in Bayern Furore gemacht hat. Und dem als Landesvorsitzender der Grünen die Sympathien auch von politischen Gegnern zuflogen. Weil er so gradheraus war, so glaubwürdig und menschlich.

„Am meisten Spaß macht mir das Holzarbeiten“, erklärt Felix Daxenberger, warum er Forstwirtschaften studiert und nicht Landwirtschaft. „Lieber bin ich den ganzen Tag im Holz als eine Stunde im Stall beim Melken.“ Dabei hatte er im vergangenen Jahr regelmäßig Melkdienst geleistet – als seine Mutter den ersten Rückfall bei ihrer Krebserkrankung erlitten hatte und der an Knochenkrebs erkrankte Vater schon zu sehr geschwächt war, um diese Arbeit noch zu bewältigen. Da musste Felix ran – zumal er sich eine Art „Sabbatjahr“ genommen hatte zwischen Abitur und Studienbeginn. Ein Sabbatjahr, das ganz anders ausfiel, als es geplant war.

Im Frühjahr hatten bei der Mutter die Kopfschmerzen begonnen. Noch dachte man bei den Daxenbergers an nichts Schlimmes. Felix selber merkte anfangs, als er sie im Krankenhaus besuchte, dass es ihr wieder deutlich besser ging, dass sie lachte, sich lebhaft mit ihm unterhielt. Dann aber, nur eine Woche später: „Es war an einem Sonntag, glaube ich“, erzählt Felix, „alle Verwandten waren da. Da hat der Pfarrer erklärt, dass der Tumor inoperabel ist.“ Da wusste Felix, dass seine Mutter sterben würde. Wie lange es dauern würde, darauf konnte und wollte sich aber keiner der Ärzte festlegen.

Gleichzeitig verschlimmerte sich der Gesundheitszustand von Sepp Daxenberger. Seit sieben Jahren schon kämpfte der Politiker gegen den Krebs. Er tat alles, um die Krankheit zurückzudrängen und herunterzuspielen, bis zuletzt glaubte eigentlich niemand, dass es auch mit ihm so rasch zu Ende gehen würde.

Bis ganz am Schluss: An jenem Montag, ein Tag vor seinem Tod, hatte er seine drei Buben ans Krankenbett gerufen und sie auf die neue Situation vorbereitet. „Es geht nicht mehr“, hat er zu seinen Söhnen gesagt, so erinnert sich Felix. „Ich habe keine Kraft mehr.“ Wie Felix sagt, musste jedem, der seinen Vater in diesen letzten Tagen noch gesehen hatte, klar gewesen sein, dass es allmählich zu Ende geht.

In den Tagen nach dem Tod der beiden Eltern standen die Brüder und die Großeltern unter Schock. Doch wie es das Schicksal wollte, so sieht es Felix heute, musste gerade in dieser Zeit mit Hochdruck ein neuer Stall gebaut werden. Eine Entscheidung, die noch sein Vater getroffen hatte, weil er von Milchvieh- auf Mutter-Kuh-Haltung umstellen wollte. Weil den kranken Daxenbergers so die Arbeit erleichtert worden wäre.

Der Umbau lief auf Hochtouren, als das Schicksal zweimal zuschlug. Die Arbeiten haben auch abgelenkt von dem Furchtbaren, das geschehen war.

Inzwischen ist Felix an jedem Wochenende daheim und kümmert sich um den Hof. Fünf Jahre lang wird das noch so gehen. Die Großeltern leisten in der Woche die Arbeit. Aber ewig wird das auch nicht so weitergehen. Jetzt müssen Alternativen überlegt, Finanzen geprüft werden. Gute Freunde aus dem Umfeld seiner Eltern helfen ihm, vermitteln Kontakte.

Auch als großer Bruder ist Felix gefragt. Seine Großeltern müssen plötzlich wieder elterliche Aufgaben übernehmen. Die Zeiten, da sie ihre drei Kinder Martina, Resi und Sepp erzogen haben, liegen freilich lange zurück. Vieles hat sich seitdem geändert. Kein Wunder, dass es Reibungen gibt. Dann muss auch mal Felix als offizieller „Chef“ des Hauses Daxenberger seinen Brüdern Aufgaben zuweisen. Dass er da nicht immer sogleich auf Begeisterung stößt, verwundert nicht.

Hans Eder

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