Lieber örtliche Betäubung

Ferkelkastration: Bauern wollen keine Vollnarkose

München - Ab 2019 dürfen Ferkel in Deutschland nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden. Diskutiert wird über eine Vollnarkose - das lehnen die Landwirte aber ab.

Weil das Fleisch sonst unangenehm riechen kann, werden Ferkel kastriert. Eine Praxis, die Tierschützer schon seit längerem kritisieren. Ab 2019 gibt es bundesweite eine neue Regelung. Sie sieht vor, dass die kleinen Schweinchen nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden dürfen. Im Gespräch ist eine Vollnarkose der Tiere - abgelehnt wird das vom Bayerischen und Baden-Württembergischen Bauernverband, aber auch vom Fleischerverband Bayern. 

Sie forderten am Freitag in München, dass für die Ferkel Wirkstoffe zugelassen werden, die bereits bei Menschen, Hunden, Katzen und Pferden eingesetzt werden. Bis zur gesetzlichen Neuregelung im Jahr 2019 müsse verstärkt geforscht werden, um Alternativen zu finden. Dann dürfen Ferkel nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden.

Bauern halten Vollnarkose für nicht tierfreundlich

Um später Geruch beim Fleisch zu verhindern, nenne das Bundesagrarministerium bisher vor allem die Narkose der Tiere. Auch Substanzen, die in den Hormonhaushalt der Tiere eingreifen, werden als Option genannt. Den Bauern zufolge sei eine Vollnarkose jedoch ein „Bärendienst“ für den Tierschutz. Denn sie belaste die wenige Tage alten Tiere extrem, sagte der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, Walter Heidl. Zudem bedeute sie erhebliche Zusatzkosten, da sie nur ein Tierarzt vornehmen darf.

Das würde besonders kleine und mittlere Betriebe an den Rand der Existenz bringen. Gerade Ferkelerzeuger kämpfen ohnehin gegen niedrige Preise. Die Auswirkungen seien dramatisch, sagte Heidl. Betriebe müssten aufgeben. „Uns ist wichtig, dass wir eine Lösung finden, die sowohl dem Verbraucher und der Fleischqualität als auch dem Tierschutz und der Landwirtschaft gerecht werden kann.“

Seit Jahrhunderten werden männliche Ferkel kastriert, weil männliche Hormone das Fleisch beim Kochen unangenehm riechen lassen. Bisher wurden die Hoden meist ohne Betäubung entfernt. Aus Tierschutzgründen wird das in Deutschland ab 2019 verboten.

Spätere Pubertät der Tiere möglicherweise durch spezielle Zucht

Betäubung könne sowohl Vollnarkose als auch örtliche Schmerzausschaltung bedeuten, sagte der Veterinärrechts-Experte und Autor eines entsprechenden Rechtsgutachtens, Wolfgang Hansen. Bei genauem Studium der Gesetzestexte sei keine Vollnarkose gefordert.

Eine Vollnarkose sei zudem ein extrem traumatischer Eingriff, sagte Andreas Randt, Tierärztlicher Leiter beim Tiergesundheitsdienst Bayern. „Einen solchen Eingriff bei Neugeborenen zu machen, halte ich nicht für den richtigen Weg.“ Er berge Gefahren bis hin zum Tod der Tiere. Auch bei Säuglingen vermeide man Vollnarkosen möglichst.

In ferner Zukunft sei es vielleicht möglich, über Züchtung eine so späte Pubertät der Tiere zu erreichen, so dass die Kastration überflüssig werde, sagte Randt. „Wenn wir es züchterisch schaffen, hätten wir unser Ziel erreicht.“

dpa/lby

Rubriklistenbild: © dpa

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