Kampf um Fahrgäste

Fernbusse gefährden Regionalzüge

München - Fernbusse konkurrieren zunehmend auch mit Regionalzügen. Diese neue Entwicklung macht der Bayerischen Eisenbahngesellschaft Sorgen.

Kampf um jeden Fahrgast im dünn besiedelten Oberfranken: Der Regionalzug-Betreiber Agilis klagt über massive Konkurrenz auf seinem Netz von Diesel-Triebzügen. Gleich vier Busunternehmen, darunter die Branchenriesen MeinFernbus/Flixbus und ADAC/Postbus, luchsten den Regionalzügen auf den Strecken Lichtenfels-Coburg, Selb-Hof und Hof-Marktredwitz Kunden ab.

Ähnlich die Lage in Oberbayern. Der Meridian von Veolia sah sich plötzlich dem Parallelverkehr von ADAC/Postbus ausgesetzt. Im Sommer, so bestätigt ein Sprecher des Fernbusunternehmens, fuhren die Fernbusse nicht nur zwischen München und Rosenheim, sondern sogar noch weiter an den Chiemsee nach Prien und Aschau.

Selbiges sei mit Beginn der Sommersaison ab 16. März wieder geplant – Pech für den ohnehin krisengeschüttelten Meridian, der erst vor gut einem Jahr mit einer dreistelligen Millionensumme aufs Gleis gesetzt worden war.

Die Deutsche Bahn wiederum hat am Zentralen Omnibusbahnhof in München Ende August sogar inkognito die Zahl der Reisenden gezählt, die einen der Fernbusse Richtung Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck nahmen – anstatt mit der Werdenfelsbahn zu fahren. Ergebnis: 2250 Reisende in einer Woche.

„Wir kommentieren diese Zahlen nicht“, sagt Sprecher Gregor Hintz von „MeinFernbus“. Wahrscheinlich liegen die Zahlen, erhoben im Tourismusmonat August, etwas über dem Jahresschnitt. Doch die „Momentaufnahme“ sei aufschlussreich, heißt es bei der Bahn. Es gelte, die Fernbus-Märkte weiter zu beobachten.

Wenn Erlöse der Regionalzug-Betreiber sinken, sind die Folgen absehbar: Bestimmte Regionalzuglinien könnten ausgedünnt werden. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) als Besteller des Zugverkehrs wird sich auf härtere Verhandlungen mit den Bahnunternehmen gefasst machen müssen.

Entweder es gibt Nachverhandlungen bestehender Verträge. Oder aber die Fernbus-Konkurrenz wird bei Neuausschreibungen ins Feld geführt, um Nachlässe bei der BEG rauszuschinden.

Die staatliche BEG gewährt den Regionalzug-Anbietern Zuschüsse, so genannte Bestellerentgelte, in Höhe von 966 Millionen Euro pro Jahr. Diese Summe dürfte künftig nicht mehr ausreichen, warnt BEG-Chef Johann Niggl. Die Fernbusse unterminierten die Finanzierungsbasis des Zugverkehrs. Der Etat der Behörde müsse also erhöht werden, wenn man das bisherige Zugangebot aufrecht erhalten wolle.

Um sich für diesen Kampf ums Geld zu wappnen, forderte Niggl die Bahnunternehmen auch auf, Beispiele von Parallelverkehr durch Fernbusse zu melden. Mittelfristig müsse der Fernbus-Markt stärker reguliert werden, etwa über eine Maut. Die Regionalzug-Betreiber wiederum müssten sich mehr anstrengen, etwa den Vertrieb von Fahrkarten unkomplizierter machen oder kostenlos Wlan anbieten, was im Regionalverkehr noch völlig unüblich sei.

Dirk Walter

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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