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Fernbusse haben derzeit Hochkonjunktur.

Goldgräberstimmung

Fernbusse: Die Gewinner des Lokführer-Streiks

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München - Verlierer des Lokführerstreiks sind die Fahrgäste – Gewinner jedoch die Fernbusse. Die Gefahr besteht, dass Kunden dauerhaft überwechseln, der GDL-Bahnstreik also das System Eisenbahn nachhaltig beschädigt.

Michael Wolffgram steht am Bahnsteig 7 im ZOB, dem Zentralen Busbahnhof an der Münchner Hackerbrücke. Er raucht und friert. „Wir müssen irgendwie nach Hause kommen“, sagt er Mann aus Hanau, der am Vorabend das AC/DC-Konzert besucht hat und mehrere Stunden patschnass im Regen stand. Eigentlich, ja eigentlich wollte er mit seiner Frau Andrea jetzt in den ICE steigen. Doch da war der Lokführerstreik vor. Wenigstens haben sie noch ein Fernbus-Ticket ergattert – 30 Euro für beide zusammen, unschlagbar billig.

Die Fernbusse, so heißt es, sind die großen Gewinner des Lokführerstreiks. Sie haben der Bahn im letzten Jahr 130 Millionen Euro Umsatz weggenommen – in diesem Jahr wird das noch mehr sein, wie DB-Fernverkehrschef Berthold Huber in kleiner Runde kürzlich sagte. Und das Wachstum hält trotz einiger Dellen – so ist der ADAC aus der Postbus-Kooperation ausgestiegen – weiter an. Mein Fernbus/Flixbus expandiert nach der Fusion derzeit munter ins Ausland und ködert Kunden mit Dumpingpreisen: München-Amsterdam ab 33 Euro. Bis zu vier Mal so viele Buchungen wie gewöhnlich soll es nun während des Streiks geben, behauptet der Branchenprimus mit den markanten apfelgrünen Bussen. Auch Kurzstrecken wie München-Augsburg werden jetzt gerne gebucht. Es gibt Zusatzbusse und am ZOB sieht man auch Doppeldecker, in die bis zu 90 Personen passen – treffenderweise heißt das Unternehmen, das mit dem Riesengefährt die Strecke München-Hamburg bedient, „Megabus.com“.

Doch nach einen Fernbus-Boom sieht es im ZOB gestern früh nicht aus. Keine Schlangen vor den Ticketschaltern. Auch bei Mein Fernbus/Flixbus gibt es noch Fahrkarten nach Berlin und Hamburg. Die Fahrten nach Hannover freilich sind ausgebucht. Magdalena Marquardt hat Glück. Auch sie ist eigentlich Zugfahrerin. „Vor drei Monaten habe ich schon gebucht“, erzählt sie. Dann der GDL-Streik. Schnell kaufte sie im Internet noch ein Fernbusticket. Sie will nach Soltau in Niedersachsen – Rückkehr vom Besuch ihrer Schwägerin, die in Oberschleißheim wohnt. Über verstopfte Straßen quälte sich das Trio in der Früh zum ZOB – die S-Bahn war ihnen zu unsicher. „Da ist kein Verlass drauf“, sagt auch Annegret von der Mey aus Fürstenfeldbruck, die sich von ihrem Mann zum ZOB fahren ließ. Reiseziel ist Zürich – „es ist einfach wesentlich günstiger als eine Bahnfahrt“, sagt sie. Seit einiger Zeit fährt sie nur noch Fernbus. Auch für das Ehepaar war die Anfahrt zum ZOB eine Geduldsprobe: Stau, Stau, Stau auf allen Einfallsstraßen. Eine Autofahrt von Bad Tölz in die Münchner Innenstadt dauerte gestern sogar knapp zwei Stunden.

Wahrscheinlich war gestern auch so mancher Fernbus nicht ganz pünktlich. Solange der Preis stimmt, wird aber manche Unannehmlichkeit im Bus akzeptiert. Eine Fahrt nach Essen beispielsweise führt umständlich über Stuttgart, Darmstadt und Frankfurt. Die Fahrt nach Hannover dauerte gestern für die Niedersächsin Magdalena Marquardt laut Fahrplan über neun Stunden. Die Reise nach Berlin ist immerhin mit über sieben Stunden veranschlagt (mit dem ICE wären es sechs). Aber dafür kostet die Fahrt in die Hauptstadt für die Münchner Doktorandin Marie Hippenthal, die am Bahnsteig auf den grünen Fernbus wartet, auch nur 22 Euro. „Für junge Leute mit wenig Geld ist der Fernbus auf jeden Fall empfehlenswert, sagt sie – Streik hin oder her.

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