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Prototyp: Günther Schnellhardt vor einem brandneuen 3D-Bildschirm. Jetzt sucht er einen Investor.

Fernseh-Revolution? 3D-Bilder ohne Brille

Landsham - Ein Tüftler aus Poing hat womöglich das Fernsehen neu erfunden. Mit seiner neuen Software kann Günther Schnellhardt, 61, praktisch jeden Film zum 3D-Film machen – per Knopfdruck.

Und er hat ein Gerät, auf dem man sich die 3D-Filme ansehen kann – und zwar ohne Spezialbrille.

Das Gerät steht auf dem Bürotisch, klein und schwarz, und wenn Günther Schnellhardt aus Poing recht hat, dann birgt es die Zukunft des Fernsehens. Im Prinzip jedenfalls.

Die Vorführung beginnt. Schnellhardt zeigt auf den Bildschirm, es läuft das Nachmittagsprogramm eines Privatsenders, ein paar Leute streiten sich.„Schaun S’ mal“, sagt Schnellhardt dann und drückt einen Knopf auf der Fernbedienung. Das Bild springt um, plötzlich stehen die Menschen plastisch im Raum, sie streiten jetzt dreidimensional. Schnellhardt lächelt. „Haben Sie’s gesehen?“ Ja, und das ohne 3D-Brille auf der Nase.

Dann schaltet er um, nun kommt ein alter Film über den chinesischen Führer Mao Zedong. Schnellhardt drückt wieder den Knopf, und auf einmal läuft der Große Vorsitzende in 3D durchs Bild. Er wird greifbar. Wieder lächelt Schnellhardt. Und sagt: „Uns ist das gelungen, woran die Welt seit 30 Jahren gearbeitet hat.“ Nämlich jeden beliebigen Film auf 3D umzustellen – egal ob die Bilder vom TV-Empfänger kommen, vom Videorekorder oder von einer DVD. Und das einfach per Knopfdruck, mit einer neuen Software – und ohne Brille. „Diese Erfindung revolutioniert die ganze Fernsehtechnik“, glaubt Schnellhardt.

Als er das erzählt, wirft er immer wieder die Arme in die Luft, lacht laut los, die Geschichte platzt nur so heraus aus ihm. Schnellhardt, bunt kariertes Hemd, graue Haarsträhnen quer über dem Kopf. Er sitzt in seinem Büro im Gewerbegebiet Landsham, das liegt bei Poing. Neben ihm sitzt sein Partner Hans Viktora, 59, ein Mann, der seine Baseball-Kappe nie absetzt und Schnauzer trägt, zusammen haben sie vor ein paar Jahren diese Firma gegründet. Die Räume hier sind karg, kein Pflänzchen ziert die Zimmer, und wenn ein Bild an den Wänden hängt, dann ist es eines der 3D-Bilder, die sie auch produzieren. Hier wird gearbeitet, sonst nichts.

„Natürlich sieht jeder lieber ohne Brille fern“

Vor allem wird fleißig programmiert. Und die Software, die Schnellhardt jetzt gebastelt hat, könnte zu einer kleinen Revolution führen. Klar: Die großen bekannten Firmen bringen im nächsten Jahr einige 3D-Fernseher heraus, die im heimischen Wohnzimmer stehen können. Auch sie zeigen plastische Bilder. Der Haken: Mama, Papa und Kinder müssen Brillen tragen. „Natürlich sieht jeder lieber ohne Brille fern als mit“, sagt 3D-Experte Thomas Harbers. Hinzu kommt, dass etwa die so genannten Shutter-Brillen, die man dafür braucht, teuer sind und womöglich gesundheitsgefährdend. Es soll schon epileptische Anfälle gegeben haben bei Personen, die sie aufgesetzt hatten. Und wer sich damit Filme ansieht, der sieht zwar ein Auto so plastisch, als stünde es im eigenen Wohnzimmer. Dafür sind bestimmte Bildbewegungen so anstrengend für den Sehapparat, dass man den Eindruck hat, es würden einem die Augäpfel verdreht.

Damit ist jetzt Schluss, sagt Schnellhardt – nur glaubt ihm das bisher keiner so recht. Vor allem nicht die großen Firmen, und wenn die ihn mal wieder für größenwahnsinnig halten, dann könnte Günther Schnellhardt aus der Haut fahren. Tut er dann auch mal. Neulich zum Beispiel, auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin. Da sah er am Stand eines dieser Geräte, vor die man sich mit Shutter-Brille setzt. Für Schnellhardt ist das Technik von gestern („a Witz“), und das sagte er dem jungen Mann am Stand dann auch. Der war empört, und als Schnellhardt ihm wiederum erklärte, was er erfunden hat, sagte ihm der Mann: „Das geht gar nicht.“

Schnellhardt ging hoch, denn von einem Mann mit „Halbwissen“ belehrt zu werden, wie er sagt, das verträgt er nicht. „Der hat mich angemacht, und dann ist das eskaliert“, erzählt Schnellhardt nicht ohne Stolz. Es kam zum offenen Streit – und der setzte einiges in Bewegung.

Plötzlich sprach eine junge Chinesin Schnellhardt an, die mitgehört hatte. Und wie sich schnell herausstellte, hatte die eine kleine Sensation im Gepäck. Ihre Firma nämlich hatte genau das entwickelt, was Schnellhardt bisher fehlte. Er hatte bisher nur die Umwandlungs-Software, aber keine Ahnung, wie er die 3D-Filme ohne Brille ansehen hätte können. Und genau ein solches Gerät hatten die Chinesen in Arbeit. „Das ist weltweit das erste System dieser Art“, sagt Schnellhardt. Mit anderen Worten: Schnellhardt stellt die Software, der Ferne Osten die Hardware. Landsham trifft China.

Prototyp aus China

Schnellhardt fuhr nach China, und vorige Woche traf der Prototyp ein, der flache Bildschirm, der jetzt auf seinem Schreibtisch steht. Noch läuft darauf nicht alles rund, noch gibt es ein paar kleine Bilddopplungen („ghosting“), wie man sie von schlechten Geräten kennt. „Aber das ist kein Problem, das ist ja erst der Prototyp, das kriegen wir leicht hin“, verspricht Schnellhardt.

Ideen sind hier eh nicht das Problem, sondern was ganz anderes: „Uns fehlt der Investor“, sagt Schnellhardt. Die Chinesen hätten bereits eine Produktionsstraße, was noch fehlt, sei das Geld. Und es könnte laufen, wie so oft: Die geniale Idee kommt aus Deutschland, wie die für den MP3-Player, und den Nutzen daraus ziehen andere – in diesem Fall die Chinesen.

Denn die Technik, sofern sie funktioniert, hat es in sich – auch für die Filmindustrie. Man könnte praktisch alle alten Filme in 3D umrechnen lassen – und zwar auf simple Weise. Derzeit wird daran gearbeitet, die „Star Wars“ zu dimensionalisieren, wie es heißt, also im Grunde dreidimensional zu machen. Ganze Heere von Experten sitzen daran. Wenn Schnellhardt recht hat, sind sie entbehrlich. Dann reicht es, seine Software über das Filmmaterial laufen zu lassen. Klar: Man kann auf seinem Bildschirm auch echte 3D-Filme ansehen, die in 3D-Technik aufgenommen wurden, mit mehreren Kameras und großem technischen Aufwand. „Aber meine Software richtet sich auf die älteren Filme, die man damit dreidimensional sehen kann.“

Seit Jahren hat Schnellhardt, gelernter Optik-Techniker und studierter Informatiker, für diesen Traum gearbeitet. Begonnen hat alles in seiner Garage in Poing. „Neben der Arbeit habe ich getüftelt“, sagt er. Hauptberuflich ist er seit 30 Jahren mit 3D beschäftigt, entwickelte zum Beispiel eine 3D-Kamera für Sony. Vor ein paar Jahren aber endete sein Engagement, er ist jetzt sein eigener Herr.

Das liegt ihm. Denn Schnellhardt liebt es, Dinge zu verwirklichen, die andere für unmöglich halten. Vor zehn Jahren saß er bei Günther Jauch im Studio und führte dem erstaunten Publikum vor, wie leicht es ist, die PIN-Nummer von Geldkarten zu dechiffrieren. Später trat er als Gutachter vor Gericht auf.

Zudem ist er ein begnadeter Zocker: Er spielt Poker. 2007 gewann er die Bayerische Pokerpokalmeisterschaft und fuhr zur WSOP, der WM nach Las Vegas, wo er die Großen des Fachs traf. Gemeinsam mit Partner Hans Viktora haben sie ein Buch darüber geschrieben.In Nachtarbeit.

Ranklotzen und Neues kreieren, da ist Schnellhardt in seinem Element.

Kontakt

Günther Schnellhardt ist erreichbar unter der Rufnummer 01 51-56 29 72 94 und unter der E-Mail-Adresse ept-events@t-online.de. Einen Web-Auftritt soll es ab Dezember geben.

von Robert Arsenschek und Ines Grabe

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