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Mittelstetten, Feuerhausstraße (hinten das Gerätehaus): An dieser Bushaltestelle wurde der Nigerianer festgenommen.

Ein Verdacht, der sich nicht bestätigt

Wie ein Dorf zum Zentrum eines Anti-Terror-Einsatzes wurde

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Mittelstetten - Die Polizei hat zwei Flüchtlinge wegen Terrorverdachts festgenommen – aber schnell wieder frei gelassen. Der Verdacht hat sich in Luft aufgelöst. Über ein kleines Dorf, das kurz im Zentrum eines Anti-Terror-Einsatzes stand.

1600 Einwohner, eine Kirche, ein Feuerwehr-Gerätehaus, viel Grün, wenig Leute auf der Straße – Mittelstetten ist ein beschauliches Dorf im westlichen Landkreis Fürstenfeldbruck. 46 Flüchtlinge leben in einer Container-Unterkunft am Sportplatz, um sie kümmert sich ein 30 Personen starker Helferkreis. „Es läuft bewundernswert ruhig“, sagt Bürgermeister Andreas Spörl.

An der Bushaltestelle griff das SEK zu

Bis zum Donnerstagnachmittag war das so. Gegen 17 Uhr indes wartete ein Sondereinsatzkommando (SEK) des Münchner Polizeipräsidiums auf einen der Asylbewerber. Als der 29 Jahre alte Nigerianer an der Haltestelle „Feuerhausstraße“ aus dem Bus der Linie 839 stieg, erfolgte der Zugriff: Ohne Gegenwehr wurde der Mann festgenommen. Das erregte im Dorf sogleich Aufsehen, denn im selben Bus fuhren auch Schulkinder mit. „Plötzlich standen da zwei Männer mit Knopf im Ohr, haben den Mann angeschrien und gefragt, ob er Waffen habe“, berichtete ein Schüler. Der Nigerianer wurde zu Boden geworfen und abgeführt. Spörl saß gerade in seinem Büro – Bürgermeistersprechstunde – da klingelte das Telefon. Eine Mutter schilderte etwas aufgelöst, was ihr Kind gerade zuhause erzählt hatte. Dann ein zweiter Anruf, ein Dritter. Schließlich wurde es Spörl zu viel, er ging selbst zur Bushaltestelle – und traf dort noch auf Polizisten. „Vorbeugende Terrorbekämpfung“, erfuhr er. Einen zweiten Mann, einen 46-Jährigen Iraker, nahm die Polizei in einem Wettbüro in der Münchner Bayerstraße nahe des Hauptbahnhofs fest. Auch er hatte ein Zimmer in Mittelstetten.

Der Bürgermeister wundert sich

Bürgermeister Andreas Spörl (li.) sagt, das Zusammenleben mit den 46 Flüchtlingen in der Containersiedlung (re.) am Sportplatz laufe gut.

Bürgermeister Spörl wundert sich über den Polizeieinsatz: „Bei uns wohnen nur Familien“, das soziale Miteinander sei groß. Für jedes der 13 Zimmer gibt es einen Paten – auch für die Räume, in denen die beiden Männer wohnten, die kurzzeitig unter Terrorverdacht gerieten. Eine Terrorzelle in Mittelstetten – das klingt abwegig, zumal die Männer dort seit Monaten mit ihren Familien wohnten.

Der Bürgermeister spricht aber wohl für viele, wenn er sagt: „Ich bin trotzdem froh, dass das LKA schnell beherzt reagiert.“ Ähnlich drückt es Bundesinnenminister Thomas de Maizière im fernen Berlin aus: „Ich sage Ihnen nur, dass es richtig ist – und so verhalten sich die Sicherheitsbehörden: im Zweifel eher früh zugreifen als zu spät.“ Was den Verdacht der bayerischen Sicherheitsbehörden erweckte, war am Freitag Gegenstand von Mutmaßungen. Das Landeskriminalamt spricht vage von „Hinweisen von Diensten“, ausländischen Nachrichtendiensten also, die über Kontakte der Männer zum Islamischen Staat und eine berichten haben sollen. Seit kurzem kursiert eine Liste von 22 000 IS-Mitgliedern in Sicherheitskreisen – standen auch der Iraker und der Nigerianer darauf?

Verdacht "in keinster Weise bestätigt"

Das LKA durchsuchte die Zimmer und verhörte die Männer – fand aber: nichts. Von LKA-Sprecher Karl-Heinz Segerer kommt eine deutliche Ansage: „Der Verdacht hat sich in keinster Weise bestätigt.“ Am Freitag gegen 11.40 Uhr kamen die beiden Flüchtlinge wieder frei. Wahrscheinlich werden die Männer weiter in Mittelstetten wohnen. „Es ist alles ruhig“, sagt Ulrich Waldbach, Sprecher des Asylhelferkreises. „Ich konnte keine negative Stimmung unter den Bewohnern feststellen.“

von Dirk Walter, Thomas Steinhardt und Helga Zagermann

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