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Feuerwehrfrau im Einsatz: hier für einen Video-Dreh zur neuen Kampagne „Frauen zur Feuerwehr“. Hauptdarstellerin: Frauenbeauftragte Simone Schneider.

Neue Kampagne

Bayerische Feuerwehr: "Ohne Frauen geht es nicht"

München - "Frauen zur Feuerwehr", die neue Kampagne der bayerischen Wehren, wird in diesen Tage vorgestellt. Wir sprachen mit dem Gesicht der Aktion, Simone Schneider.

Auf der in Amberg stattfindenden Landesverbandsversammlung der bayerischen Feuerwehren wird die Kampagne „Frauen zur Feuerwehr“ vorgestellt – und die neue stellvertretende Landesfrauenbeauftragte Simone Schneider, die im Dezember ihr Amt antritt. Die 32-jährige Kfz-Meisterin aus Buxheim (Kreis Eichstätt) ist seit zwölf Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr. Und fährt, wenn es sein muss, auch mal den Ellbogen aus.

Frau Schneider, Sie sind eines der Gesichter der Kampagne „Frauen zur Feuerwehr“. Wie kam es dazu?

Als Bezirksfrauenbeauftragte von Oberbayern und Kreisfrauenbeauftragte des Landkreises Eichstätt arbeite ich schon ziemlich lange mit dem Landesfeuerwehrverband zusammen. So bin ich gefragt worden, ob ich nicht an der Kampagne teilnehmen möchte. Zuerst war ich ziemlich erschlagen, aber dann hab’ ich mir gedacht: Das ist eigentlich das, wofür wir schon seit Jahren kämpfen. Dann habe ich gleich zugesagt. Ich finde es toll, für eine Sache zu werben, hinter der man steht.

Wie sind Sie überhaupt zur Feuerwehr gekommen?

Durch meinen Freundeskreis. Wir sind abends zusammengesessen, irgendwann haben die Burschen dann gesagt: So, 19 Uhr, Feuerwehrübung – und wir waren alleine. Also haben wir gesagt: Dann gehen wir halt mit. Wir haben bei der Übung mal reingeschnuppert. Da hat es mir so gut gefallen, dass ich seitdem dabei bin. Im Moment bin ich allerdings die einzige Frau bei uns. Die anderen haben entweder berufsbedingt aufgehört oder weggeheiratet.

Wie ist das denn als Frau bei der Feuerwehr? Was können die Männer, was die Frauen besser?

Meiner Meinung nach gibt’s nur körperliche Unterschiede zwischen Mann und Frau. Da hat jeder Stärken und Schwächen. Die Stärken gilt es da einzusetzen, wo sie gebraucht werden. Bei mir ist der technische Faktor wichtig. Egal ob ich als Atemschutzgeräteträgerin, Maschinistin oder Gruppenführerin eingesetzt werde. Wo man gebraucht wird, packt man mit an.

Wie läuft das mit der Kollegialität unter all den Männern? Muss man da ab und zu einen Spruch einstecken?

Da ist es bei der Feuerwehr nicht anders als bei anderen Gemeinschaften. Im Sportverein, im Berufsleben oder wenn man sich mit Freunden trifft – da gibt es immer mal Sprüche oder Meinungsverschiedenheiten. Wenn Sprüche kommen, habe ich eine Antwort parat. Da schießt man eben zurück. Aber zu 99 Prozent läuft das reibungslos, so wie im Freundeskreis auch. In meinem Beruf als Kfz-Meisterin ist das nicht anders. Ab und zu fährt man halt mal den Ellbogen aus.

In Ihrem Landkreis gibt es 6100 aktive Feuerwehrler. Davon sind nur 545 Frauen. Woran liegt’s?

Ich glaube, es gibt zwei Gründe. Im Zweiten Weltkrieg haben die Frauen den kompletten Feuerwehrdienst übernommen. Dann kamen die Männer zurück und haben gesagt: So, wir sind wieder da, Ihr könnt Euch wieder um die Kinder und den Haushalt kümmern. Und das hat lange gut funktioniert. Aber mit dem demografischen Wandel ist es wichtig geworden, dass viel mehr Frauen in die Feuerwehren eintreten und sich dort engagieren. Ohne Frauen sinkt die Zahl der Aktiven immer weiter. Außerdem glauben viele Frauen: Das kann ich nicht, die ganzen Gerätschaften sind viel zu schwer. Aber vergleicht man mal das Gewicht von einem einjährigen Kind mit dem einer Motorsäge: beides ungefähr zehn Kilo. Oder eine Tauchpumpe mit einem Korb nasser Wäsche: ungefähr 25 Kilo. Auch bei der Feuerwehr wird nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Mit welchen Anliegen kommen die Kolleginnen denn zu Ihnen, zur Frauenbeauftragten?

Sie kommen hauptsächlich mit persönlichen Anliegen. Oder mit Fragen zur Ausbildung, wie das funktioniert, was man da lernt. Manchmal geht es auch um technische Dinge, wenn sie sagen: Mensch, das hab’ ich nicht ganz geschnallt, könntest Du mir das nochmal erklären? Und ganz oft kommen die Damen und fragen: Wie ist denn das in der Schwangerschaft? Sie wollen wissen, ob sie dann noch bei Übungen und Einsätzen mitmachen dürfen. Zusätzlich sehen wir uns als Sprachrohr nach außen. Wir wollen zeigen: Ohne Frauen geht es bei der Feuerwehr nicht mehr.

Mit welchem Argument würden Sie die beste Freundin überzeugen, zur Feuerwehr zu gehen?

Feuerwehr heißt helfen. Wenn man mit dabei ist, leistet man einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit unserer Bürger. Es ist eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, weil ich meine Fähigkeiten ausbauen kann. Außerdem wird die Kameradschaft gepflegt. Das sind alles Sachen, die oft zu kurz kommen. Und ganz nebenbei macht es auch noch einen Riesenspaß.

Das Interview führte Dominik Göttler

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