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Willkommen bei der Feuerwehr: Mit Plakaten wie diesen wirbt die Feuerwehr gezielt um Flüchtlinge. Die Kampagne ist erfolgreich. Schon mehr als 100 Menschen mit Migrationshintergrund sind Mitglieder geworden.

Nachwuchs gesucht

Integration per Ehrenamt: Feuerwehr wirbt um Flüchtlinge

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München - Der Feuerwehrverband hat eine Kampagne gestartet, mit der er gezielt anerkannte Flüchtlinge und Migranten gewinnen will. Auch andere Hilfsorganisationen werben um Flüchtlinge. Ihre Erfahrungen sind durchweg positiv – und beweisen, wie einfach Integration funktionieren kann.

Hubert Resenberger musste gar nicht viel machen. Der Feuerwehrkommandant aus Kochel (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) hat einfach erzählt – von den Einsätzen, von den Übungen, von der Kameradschaft. Es war ein Info-Abend, bei dem sich viele Vereine und Organisationen aus der Gemeinde vorgestellt haben. Noch am selben Abend sprachen ihn zwei junge Flüchtlinge aus Afghanistan an. Beide waren ohne ihre Familien nach Deutschland geflüchtet und vor einigen Monaten in Kochel angekommen. Beiden hatte das gefallen, was Resenberger über die Feuerwehr erzählte. Sie fragten ihn, wie sie Feuerwehrmänner werden können.

Der Info-Abend ist fünf Monate her. Seitdem sind die beiden 16-Jährigen bei der Jugendfeuerwehr in Kochel. „Sie machen bei den Übungen mit und lernen die Begriffe, die im Einsatz wichtig sind“, erzählt Resenberger. Sie wollen irgendwann mit den anderen Anwärtern die Prüfung schaffen, um bei Einsätzen dabei zu sein. Vor allem aber sind sie ein Beispiel dafür, wie einfach Integration manchmal sein kann.

Bei der Feuerwehr kann jeder einen Platz finden

Die Feuerwehr in Kochel ist nicht die einzige, die Flüchtlinge oder Migranten aufgenommen hat. Vor einigen Monaten hat der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) eine Initiative gestartet, um Menschen mit anderer Nationalität gezielt auf die Feuerwehr aufmerksam zu machen. Er wirbt mit Plakaten und Flyern, die mit unterschiedlichen Worten und Fotos alle dieselbe Botschaft transportieren: Jeder kann bei der Feuerwehr einen Platz finden. Warum sollte die Hautfarbe eine Rolle spielen, wenn man im Brandfall die Hand vor Augen nicht mehr sehen kann?

Diese Initiative hat den Feuerwehren und Jugendfeuerwehren im ganzen Land bereits mehr als 100 neue Mitglieder mit Migrationshintergrund gebracht. Der Feuerwehrverband hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: In den kommenden zehn Jahren sollen 60.000 Flüchtlinge als neue Mitglieder gewonnen werden, kündigt der DFV-Präsident Hartmut Ziebs an. Das sei zu schaffen, wenn jede der rund 30.000 Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland zwei Migranten gewinnen könne. Poster und Flyer allein reichen dafür natürlich nicht aus. „Wir gehen oft gezielt auf die Flüchtlinge zu und sprechen sie an“, berichtet er. „Zum Beispiel bei Sprachkursen.“ Die Erfahrungen, die die Feuerwehren gemacht haben, seien durchweg positiv, berichtet die DFV-Sprecherin Silvia Darmstädter. „Die Integration funktioniert wie von selbst. Und die Motivation, die Sprache richtig zu lernen, ist riesengroß.“

Im Ehrenamt funktioniert die Integration quasi von selbst

Auch andere Hilfsorganisationen versuchen, Neuankömmlinge in Deutschland gezielt als Helfer zu gewinnen. „Wir sind auf dem gleichen Weg“, berichtet Christian Reuter, Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes. Bereits ein dutzend Helfer haben sich dem Roten Kreuz angeschlossen, die vor ihrer Flucht dem syrischen Roten Halbmond angehörten, berichtet der DRK-Generalsekretär Christian Reuter. In Nürnberg konnte das BRK für einige Flüchtlinge Ein-Euro-Jobs vermitteln. „Ein junger Mann arbeitet zum Beispiel in einer Küche im Altenheim mit“, berichtet die BRK-Geschäftsführerin Brigitte Lischka. Auch das Rote Kreuz versucht gezielt in den Unterkünften, Flüchtlinge für ihre Arbeit zu gewinnen. Nicht nur, um die Integration voranzutreiben, sagt Lischka. „In vielen Kulturen gibt es so etwas wie Ehrenämter gar nicht. Wir wollen die Flüchtlinge auch dafür sensibilisieren, welches große freiwillige Engagement in ihrer Betreuung steckt.“ Das, sagt sie, ist ein Aspekt, der bisher noch zu kurz gekommen ist. „Wir arbeiten seit fast zwei Jahren im Krisenmodus. Wenn sich die Unterbringungssituation ein wenig entspannt, können wir uns intensiver dieser wichtigen Aufgabe widmen.“

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