Staatsregierung reagiert auf Kritik

FFP2-Maskenpflicht: Ansturm auf Apotheken - Experte erklärt, worauf Sie achten MÜSSEN

  • Stéphanie Mercier
    vonStéphanie Mercier
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  • Dominik Göttler
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Ab Montag gilt in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr eine FFP2-Maskenpflicht. Nach lauten Protesten kündigt die Staatsregierung nun kostenlose Masken für Bedürftige an.

  • Zum besseren Schutz gegen Corona* gilt in Bayern ab Montag (18. Januar) eine FFP2-Maskenpflicht im ÖPNV und im Einzelhandel.
  • Nach der Ankündigung kam es zu einem großen Run auf die Apotheken.
  • Grundsätzlich gibt es in Bayern aber genug FFP2-Masken.

München - In der Münchner Marien-Apotheke war der Andrang am Mittwoch (13. Januar) deutlich zu spüren. „Ich würde sagen, wir haben etwa ein Drittel mehr Kunden“, sagte Apothekerin Ann-Kathrin Bruhns. Besonders gefragt: FFP2-Masken*, denn die braucht man ab nächster Woche in S-Bahn und Supermarkt. Viel zu tun also für die Mitarbeiter der Marien-Apotheke. Aber ausgegangen sind die Masken nicht. Bruhns sagte: „Wir haben noch tausende Masken in sehr guter Qualität auf Vorrat.“

FFP2-Maskenpflicht in Bayern: Staatsregierung verspricht kostenlose Masken für Bedürftige

Ab Montag gilt in Bayern im öffentlichen Personennahverkehr und beim Einkaufen eine FFP2-Maskenpflicht. Das biete mehr Schutz auf engem Raum, argumentiert die Staatsregierung. Doch nach der Ankündigung vom Dienstag wurde Kritik aus den Sozialverbänden laut: Bei schwankenden Preisen zwischen zwei und sechs Euro pro FFP2-Maske* müsse die Staatsregierung die Bevölkerung unterstützen – zumindest die Ärmsten der Gesellschaft. Und so justierte das Kabinett gestern nach.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte 2,5 Millionen kostenlose Masken (FFP2 oder vergleichbarer Schutz gegen Corona*) für alle an, die laut Sozialgesetzgebung als bedürftig gelten. Also etwa für Menschen, die unter die Grundsicherung fallen oder Hartz IV empfangen. Die Verteilung der Masken übernehmen die Städte und Landkreise, denen die Daten über die Bedürftigen vorliegen. „Es muss sich niemand als bedürftig outen und etwa zur Apotheke gehen“, betonte Landkreistagschef Christian Bernreiter. Angedacht ist eine Verteilung per Post. Zunächst soll es fünf Masken pro Person geben.

FFP2-Maskenpflichten in Bayern: Kinder unter 15 Jahren ausgenommen

Ausgenommen von der neuen Regelung sind auf Empfehlung von Ärzten Kinder unter 15 Jahren. Auch Angestellte sind von der FFP2-Pflicht befreit. Das Personal könne besser Abstand halten als etwa die Kunden an der Kasse, erklärte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Ein weiterer Grund dürfte sein, dass FFP2-Masken ohne Atemventil arbeitsrechtlich nicht länger als 75 Minuten ohne Pause getragen werden dürfen.

Teilweise bildeten sich lange Schlangen vor den Apotheken wie hier in München.

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) äußerte sich zuversichtlich, dass für die Bevölkerung ausreichend Masken zur Verfügung stehen: „Es mag kurze Engpässe geben, aber das wird sich schnell normalisieren.“ In einigen Geschäften und Online-Shops waren die Masken am Mittwoch ausverkauft, ein grundsätzlicher Engpass zeichnete sich aber nicht ab. „Die Lagerbestände an FFP2-Masken sind gut“, sagte ein Sprecher des Bayerischen Apothekerverbands. Auch Bettina Rath, Sprecherin der DG Medicare GmbH, die in Moorenweis bei Fürstenfeldbruck FFP2-Masken herstellt, sagte: „Aktuell produzieren wir im Monat fünf Millionen Masken.“ Demnächst soll erweitert werden – auf 15 Millionen Masken pro Monat.

Corona: FFP2-Masken sind eigentlich ein Einwegprodukt, können aber teilweise öfter genutzt werden

Experten halten die FFP2-Maskenpflicht grundsätzlich für sinnvoll, allerdings nur, wenn die Masken auch richtig getragen werden. „Die Maske muss dicht anliegen, die Bänder sollten straff sein“, sagte Prof. Franz-Xaver Reichl, Mikrobiologe an der LMU München. Außerdem sollte man die Maske möglichst nicht am Filter, nur an den Bändern anfassen. Bartträger sind im Nachteil, denn bei ihnen kann es mitunter schwierig sein, dass die Maske wirklich dicht anliegt.

Grundsätzlich ist die FFP2-Maske ein Einwegprodukt, betonte Reichl. Das heiße allerdings nicht, dass man sie nach jedem Supermarktbesuch sofort wegwerfen muss. „Es kommt auf die Tragezeit und die Durchfeuchtung an.“ Wenn die Maske immer wieder nur für einen kürzeren Zeitraum genutzt wird – zum Einkaufen oder für eine U-Bahnfahrt – und dabei trocken bleibt, dann könne sie bedenkenlos mehrere Tage oder eine Woche lang genutzt werden. Wird die Maske feucht, empfiehlt Reichl, sie zu Hause zum Trocknen aufzuhängen. Aber Vorsicht: Sie sollte weder direkt ins UV-Licht, in die Wasch- oder Spülmaschine, noch in die Mikrowelle oder den Ofen. „Temperaturen über 60 Grad schaden dem Vlies und zerstören die Struktur der Maske“, sagte Reichl.

Und auch nach FFP2-Maßstäben ist Maske nicht gleich Maske: Beim Kauf sollte man auf das CE-Kennzeichen achten. Dahinter steht eine vierstellige Nummer. Den besten Schutz bieten laut Reichl Masken, die in der EU geprüft wurden – viele deutsche Masken tragen etwa die Prüfnummer 0158. Welche CE-Nummer für welche Zulassungsstelle steht, kann man auf der Internetseite der EU-Kommission nachschlagen. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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Rubriklistenbild: © Achim Frank Schmidt

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