FFP2-Maskenpflicht in Bayern: Zum Beispiel in der Münchner U-Bahn. (Symbolfoto)
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FFP2-Maskenpflicht in Bayern: Zum Beispiel in der Münchner U-Bahn. (Symbolfoto)

Stellungnahme des Freistaats angekündigt

FFP2-Masken-Pflicht: RKI verweist auf Meinung von Mediziner - der wird deutlich: „Populismus und Blödsinn“

  • Katharina Haase
    vonKatharina Haase
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  • Patrick Mayer
    Patrick Mayer
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Ab 18. Januar gilt in Bayern im ÖPNV eine FFP2-Maskenpflicht zum Schutz gegen Corona-Ansteckungen. Immer mehr Experten warnen jedoch vor Tücken, die beim Gebrauch der Mundschutzmasken lauern.

Update vom 18. Januar, 13.22 Uhr: Seit heutigem Montag gilt in Bayern die allgemeine Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske in ÖPNV, Arztpraxen und Einkaufsläden. Der Mediziner Andreas Podbielski, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene der Uni Rostock, hatte die neue Regel Söders bereits in der vergangenen Woche in der Münchner Abendzeitung als „Aktionismus“ kritisiert.

FFP2-Pflicht in Bayern: Mediziner bewertet Söder-Maßnahme als „Populismus und Blödsinn“

Podbielski ging sogar noch ein Stück weiter. Das Tragen von FFP2-Masken im privaten Bereich sei „Populismus und Blödsinn“, so der Direktor im Interview. Es berge enorme Risiken und sei außerhalb des medizinischen Bereichs nicht sinnvoll. Das RKI hält sich zu einer Bewertung der Söder-Maßnahme bedeckt, verwies aber laut Angaben der AZ auf Anfrage hin selbst auf Podbielski als Ansprechpartner. Sollte das RKI die neue Regelung in Bayern tatsächlich so kritisch sehen, ist es fraglich, ob die FFP2-Pflicht tatsächlich - wie in einigen Vorberichten angedeutet - flächendeckend auf der morgigen Ministerpräsidentenkonferenz beschlossen wird.

Update 15. Januar, 6.40 Uhr: Die geplante Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken in Geschäften und dem Nahverkehr in Bayern zum Schutz vor Corona* wird von dem Mediziner Andreas Podbielski scharf kritisiert.

„Das hört sich für mich nach Aktionismus an“, sagte der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene der Uni Rostock der Münchner „Abendzeitung“ (Freitag). FFP2-Masken gehören aus seiner Sicht nur in die medizinischen Berufe. Diese Masken seien belastend und brächten „haufenweise Risiken“ mit sich. Nicht umsonst sei im Arbeitsschutzgesetz vorgeschrieben, nach zweistündigem Tragen eine Pause einzulegen.

FFP2-Masken-Pflicht in Bayern: Immer mehr Experten kritisch - Stellungnahme angekündigt

Auch das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin hatte sich bereits zurückhaltend zum Gebrauch der Spezialmasken durch Privatpersonen geäußert und sogar auf mögliche Gesundheitsschäden hingewiesen: „Beim Einsatz bei Personen mit z. B. eingeschränkter Lungenfunktion oder älteren Personen sind gesundheitliche Auswirkungen nicht auszuschließen.“

Vom bayerischen Gesundheitsministerium in München war am Donnerstag keine Stellungnahme zu erhalten, ein Sprecher kündigte eine Erklärung für Freitag an.

Erstmeldung vom 14. Januar

München/Wien - Die FFP2-Maske ist in ein wirksames Mittel zum Schutz gegen eine Ansteckung mit dem heimtückischen Coronavirus*. Darin sind sich viele Experten, Wissenschaftler und Mediziner einig.

In Bayern muss diese spezielle Mundschutzmaske nach dem Willen von Ministerpräsident Markus Söder (CSU)* und seiner Regierung ab dem 18. Januar im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) getragen werden - zum Beispiel in den U-Bahnen der Millionenmetropole München* mit ihren rund 1,56 Millionen Einwohnern.

Coronavirus-Pandemie in Deutschland: In Bayern gilt ab dem 18. Januar eine FFP2-Masken-Pflicht im ÖPNV

Diese Regel bekräftigte die bayerische Landesregierung bevor Nachrichten über einen möglicherweise radikalen Corona-Lockdown in Deutschland durchsickerten.

Dass die FFP2-Masken gegen eine Übertragung des Erregers SARS-CoV-2 schützen, dieser Meinung ist auch Miranda Suchomel, Assistenzprofessorin am Institut für Hygiene und angewandte Immunologie der Med-Uni Wien. Und dennoch hat die Medizinerin aus Österreich Einwände.

Coronavirus in Bayern: Im ÖPNV muss eine FFP2-Maske getragen werden

Sie gehe davon aus, „dass Superspreader-Ereignisse, im Zuge derer eine Corona-infizierte Personen viele andere ansteckt, zuallermeist mit lautem Reden oder Singen“ zusammenhängen, erzählte sie jüngst dem österreichischen Standard. Und: Menschen, die FFP2-Masken tragen, müssten lauter miteinander reden, erklärte sie: „Das erhöht die Ansteckungsgefahr um ein Weiteres.“

Mit Blick auf die U-Bahnen an ihrem Wohnort Wien (rund 1,9 Millionen Einwohner), empfahl sie, in den öffentlichen Verkehrsmitteln zu schweigen oder zumindest leise miteinander zu reden, um das Risiko von Ansteckungen zu reduzieren. Und noch ein Punkt stimmt Suchomel offenbar kritisch.

Medizinerin aus Österreich: Bitten nasse FFP2-Masken keinen Schutz mehr gegen Corona?

Bei sportlicher Betätigung vor allem im Zusammenhang mit Schnee würden die FFP2-Masken schnell durchfeuchten und dann überhaupt nicht mehr schützen.

Nun schneit es aktuell im Süden der Bundesrepublik und insbesondere in Bayern dieser Tage sehr stark. Viele S-Bahn-Stationen in und rund um München liegen zum Beispiel recht ungeschützt unter freiem Himmel, das gilt auch für einzelne U-Bahn-Stationen (Neuperlach, Studentenstadt) oder zumindest deren Zugänge. Bekommt man dabei Flocken auf die Maske, könnte das also eventuell deren Wirksamkeit verschlechtern.

Ob München, Nürnberg*, Augsburg* oder Ingolstadt* - ÖPNV-Pendler müssen im Winter also, geht es nach Suchomel, gehörig aufpassen, dass sie auf dem Weg hin oder zurück von den öffentlichen Verkehrsmitteln Schneefälle meiden. (pm) *tz.de und Merkur.de sind Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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