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Heinz Brenner überlebte und sah, wie sein Kollege Horst H. ertrank.

Filmdreh am Tegernsee: Ich sah, wie der Komparse starb

München - Für Heinz Brenner (64) war es der schrecklichste Moment des Lebens: Er saß in jenem kippligen Kanu, das bei Dreharbeiten für den ZDF-Film "Zwei Ärzte sind einer zuviel" am 11. Oktober 2007 auf dem Tegernsee kenterte.

Hilflos musste er mit ansehen, wie sein Kollege Horst H. (67) im zehn Grad kalten Wasser jämmerlich ertrank. Als Zeuge im Prozess gegen Heli-Pilot Johann S. (49) musste Brenner am Donnerstag vor dem Landgericht München II noch einmal den Horror schildern. „Wir hatten keine Schwimmwesten, auch Neoprenanzüge gab es nicht“, erzählte Brenner, der das Plastik-Kanu auf Kurs halten musste. Vor ihm saßen Bernhard F. von der Filmcrew und Horst H., der Elmar Wepper doubeln sollte. „Jetzt rudere mal“, habe Bernhard F. kommandiert. Es sei windig und das Boot in den Wellen kaum zu steuern gewesen. Dann kam der Hubschrauber. Der drehte erst eine Runde und kam dann für die Filmaufnahmen ganz nah heran. „Das Wasser ist richtig aufgewirbelt, unsere Kopfbedeckungen flogen weg“, erinnert sich Brenner.

Heli-Pilot Johann S. (49).

Der heftige Wind des Rotors brachte das Boot zum Kentern. Brenner: „Ich habe mich am Boot abgestoßen, ich hatte Angst, dass ich es an den Kopf kriege.“ Das wisse er als Segler. Horst H. sei das Boot wohl an den Kopf geknallt, er sei benommen gewesen, so der Zeuge. Mit seiner schweren Kleidung und durch den Kälteschock sei er jedoch nicht in der Lage gewesen, seinem Kollegen zu Hilfe zu kommen. „Horst streckte die Hand aus. Dann ist er untergegangen.“ Der Hubschrauber sei verschwunden und niemand sei den Schiffbrüchigen zu Hilfe gekommen. „Ich dachte, die lassen uns im Stich“, so Brenner.

Auch Bernhard F. sei fast ertrunken und habe gejammert: „Ich schaffs nicht mehr.“ Er habe ihn angebrüllt: „Reiß di zamm!“ Als endlich zwei Boote zur Rettung kamen, waren Horst H. tot und die beiden anderen mussten schwer unterkühlt ins Krankenhaus. Für Brenner trägt die Filmgesellschaft die Verantwortung für das Unglück. Als die Stars Elmar Wepper und Wolfgang Fiereck drehten, sei die Wasserwacht bereit gewesen. Als die Komparsen auf dem See arbeiteten, habe es niemand für nötig befunden, dass Retter für alle Fälle bereitstanden.

Dennoch stellte die Justiz die Verfahren gegen die Verantwortlichen der Filmgesellschaft ein. Hängen blieb alles an Heli-Pilot Johann S., der vergangenen Juli vom Amtsgericht Miesbach wegen fahrlässiger Tötung zu 3600 Euro Geldstraße verurteilt wurde. Dagegen ging der Pilot in Berufung. Er habe lediglich die Anweisungen der Filmleute befolgt, führte er aus.

Eberhard Unfried

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