Findelkind Clemens: Bewährung für Mutter

Sonthofen - Eine dreimonatige Bewährungsstrafe: So lautet das Urteil des Sonthofener Amtsgerichts für die 22-jährige Mutter des Findelkindes Clemens. Warum sie ihr Baby ausgesetzt hat:

Knapp ein Jahr nach der Aussetzung ihres Neugeborenen ist eine 22 Jahre alte Frau zu einer Bewährungsstrafe von drei Monaten verurteilt worden. Die ledige Mutter des Findelkindes Clemens hat am Mittwoch vor dem Amtsgericht Sonthofen unter Tränen ein umfassendes Geständnis abgelegt. Danach hat sie am 8. August 2009 allein in ihrer Wohnung einen Jungen geboren und ihn am darauffolgenden Tag vor dem Krankenhaus in Immenstadt abgelegt. Sie habe von ihrer Schwangerschaft nichts gewusst und nach der Geburt unter Schock gestanden. “Für mich war das alles wie im Film. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie ich ein Kind versorgen soll.“ Heute lebt Clemens bei ihr und ihren Eltern im Raum Coburg.

“Wenn es eine Babyklappe gegeben hätte, wäre es nicht zu diesem Verfahren gekommen“, sagte die Vorsitzende Richterin. Da die Angeklagte diese Möglichkeit, ihr Kind anonym abzugeben, nicht vorfand und es nur in eine Decke gewickelt auf einen Grünstreifen ablegte, habe sie den Säugling in erhebliche Gefahr gebracht. Ein Gutachter hatte der 22-Jährigen verminderte Schuldfähigkeit attestiert, da die “überfallartige“ Geburt ein körperlich und psychisch belastendes Ereignis gewesen sei. Strafmildernd hat sich nach Angaben der Richterin auch das Engagement der Angeklagten ausgewirkt, die ihrem Sohn jetzt eine liebevolle Mutter sein will. “Sie haben genug unter dem gelitten, was Sie getan haben. Es ist gut, dass alles ein gutes Ende nimmt.“

Warum die junge Frau, die zuletzt als Restaurantleiterin im Allgäu beschäftigt war, ihre Schwangerschaft nicht wahrgenommen hatte, blieb ungeklärt. Sie selbst gab an, dass sie zwar etwas zugenommen habe. Dies habe sie jedoch auf ihren beruflichen Stress und ständigen Heißhunger auf Süßigkeiten zurückgeführt. Körperlich schlecht gegangen sei es ihr erstmals am Morgen des 8. August 2009. Sie hatte über Bauchschmerzen und Übelkeit geklagt, so dass ihr Chef sie nach Hause schickte. In der Toilette ihrer Wohnung brachte sie wenig später ein Kind zur Welt. “Für mich war das alles nicht real.“

Sie habe sich danach mit ihrem Kind ins Bett gelegt. Erst am nächsten Tag habe sie den Entschluss gefasst, den Jungen einem Krankenhaus zu übergeben. Sie habe Angst gehabt, ihre Arbeitsstelle zu verlieren. “Und ich hatte gehofft, dass es ihm woanders besser geht.“ Als sie in Immenstadt keine Babyklappe fand, legte sie das Kind neben dem Krankenhaus-Parkplatz ab. Dort wurde es am späten Abend von zwei Brüdern zufällig entdeckt. Die Buben verständigten sofort die Notaufnahme, die sich um das Kind kümmerte.

Das Baby war anschließend vom Jugendamt Kempten in die Obhut einer Pflegefamilie gegeben worden, die ihm den Namen Clemens gab. Ein Hinweis aus der Bevölkerung hatte die Ermittler etwa einen Monat nach der Aussetzung zur Mutter geführt. Die hat eigenen Angaben zufolge inzwischen auch wieder Kontakt zum Kindsvater aufgenommen. “Er will sich mit um den Jungen kümmern.“

dpa

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