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Gefahr für Fische: Wasserkraftwerke (hier an der Isar bei Icking).

Fischer warnen

Den Fischen geht das Wasser aus

München - Die bayerischen Fischer warnen vor Wasserknappheit in den Flüssen. Kleinkraftwerke ließen den Fischen kaum noch die notwendigen Restwassermenge, ergab eine Untersuchung.

 Etwa 4250 Wasserkraftwerke gibt es in Bayern – der Großteil (4000 Anlagen) sind Kleinstkraftwerke. Sie gehören in der Regel Privatleuten, nicht Konzernen, und sie tragen zur bayerischen Stromversorgung nur wenig bei, sagen die Fischer. Häufig wird das Wasser für die Wasserkraftturbinen über lange Strecken aus dem Fluss oder Bach ausgeleitet – „im eigentlichen Flusslauf bleibt dann oft nur ein kümmerlicher Rest“ zurück, kritisierte Albert Göttle, Präsident des Landesfischereiverbands Bayern nach einer Tagung der „Arbeitsgemeinschaft der Fischereiverbände im Alpenraum“ in München.

Die Fischer haben im Herbst 2012 Stichproben bezogen – also bewusst in einer Niedrigwasserphase. In jedem Regierungsbezirk wurden vier Anlagen detailliert begutachtet, in Oberbayern zum Beispiel entlang der Weißach (Kreis Miesbach), in Niederbayern an der Ilz und in Schwaben bei der Mindel. Das Ergebnis der Studie ist erschreckend, sagt Göttle: Bei 21 Anlagen gab es Vorschriften zur Restwassermenge. In elf Fällen jedoch wurde die Menge deutlich, bei drei weiteren Anlagen leicht unterschritten. Der niedrigste Messwert lag bei nur noch zwölf Prozent der behördlich vorgeschriebenen Restwassermenge. Die Standorte der Anlagen wollen die Fischer nicht öffentlich nennen, um das ohnehin angespannte Verhältnis zu den Anlagen-Betreibern nicht weiter zu verhärten. Dem Umweltministerium haben sie die Orte jedoch genannt.

In Oberbayern betraf der gravierendste Verstoß ein Kraftwerk, in dessen Umgebung unter anderem der Huchen lebt. Eine Vielzahl von Schwachpunkten wurde hier aufgelistet: So betrug die Restwassermenge nur 39 Prozent der Soll-Menge. Zum Teil sank der Wasserstand auf nur 15 Zentimeter ab – für einen großen Fisch wie den Huchen entschieden zu wenig, kritisieren die Autoren der Fischereiverbands-Studie. Weiteres Problem: Die Fischaufstiegshilfe war nicht passierbar – ein Problem, das die Fischer immer wieder monieren. „Da muss man reingrätschen“, fordert Verbands-Geschäftsführer Sebastian Hanfland. Die Behörden müssten die von ihnen verfügten Auflagen auch kontrollieren, sagte Albert Göttle. Verstöße müssten konsequent geahndet werden.

Ein Hebel dazu sei auch die Verlängerung von Wasserrechtsbescheiden. Die Bescheide gelten in der Regel 30 Jahre, sie sind die Voraussetzung dafür, dass eine Wasserkraft-Anlage laufen kann und werden von der Unteren Wasserrechtsbehörde, also den Landratsämter, ausgestellt. Etwa 300 Bescheide stehen in diesem Jahr zur Verlängerung oder Neubewilligung an.

Argwöhnisch wartet Göttle zudem auf das Ergebnis einer Untersuchung des Umweltministeriums über mögliche neue Standorte von Kleinst-Wasserkraftwerken. „Da werden wohl 100 bis 200 neue Standorte zusammengekommen“, schätzt er. Hier muss es laut Verband Bagatellgrenzen geben. Einige Planungen sind schon öffentlich geworden. So haben die Tölzer Stadtwerke im Sommer 2013 angekündigt, sechs bis zehn neue Kleinwasserkraftwerke im Oberland zu bauen. Eines, bei Großweil an der Loisach, ist bereits konkret in Planung. „Ein Wasserkraftwerk ist eine sichere Geldanlage, der Ertrag ist kalkulierbar“, warb einer der Geschäftsführer schon mal für Investoren.

Es sind solche Versprechen, die Göttle alarmieren. „Gerade die in Bayern angestrebte Energiewende übt Druck auf unsere Gewässer aus und wird damit selbst zum ökologischen Risiko“, warnt der frühere Chef des Landesamts für Umwelt.

Ein Sonderproblem sind zudem Schneekanonen, für deren Betrieb aus Bächen und Flüssen Wasser entnommen wird. Weniger in Bayern, um so mehr aber in Südtirol und Österreich ist das ein Riesenthema, sagte Verbandsgeschäftsführer Sebastian Hanfland.

von Dirk Walter

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