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Zwei Kormorane kämpfen um ihre Fischmahlzeit – das ärgert die Fischer.

Fischer fordern Kormoran-Abschuss in Ruhezonen

München - Fischer und Vogelschützer liegen sich seit fast 30 Jahren wegen des Kormorans in den Haaren. Kürzlich hat die Regierung von Oberbayern den Abschuss erweitert. Richtig glücklich ist damit aber niemand.

Dem Kormoran geht’s ans Gefieder: Der Vogel des Jahres 2010 ist ein Fischfresser und Gegenstand hitziger Debatten zwischen Fischern, Vogelschützern und den zuständigen Behörden. Anfang Juni hat sich die Regierung von Oberbayern zu einem Kompromiss durchgerungen. In der Abschusszeit, die ortsabhängig zwischen August und März festgesetzt wurde, dürfen ihm Jäger an vier weiteren Fluss- und Seeabschnitten - an der Donau, Tiroler Achen, Isar und am Ammersee - auf den Leib rücken - allerdings nur außerhalb der definierten Ruhe- oder Kernzonen. Dort bleibt der Kormoran auch weiterhin unantastbar.

Naturschutzrechtliche Schranken

Begeisterungsstürme löst das bei den Fischern freilich nicht aus. „Wir fühlen uns an der Nase herum geführt“, macht Herbert Meyer aus Ingolstadt seinem Ärger Luft. Er gehört zu den „Donau und Sandrachfischern“, die an den Donauauen zwischen Lechmündung und Ingolstadt (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen) fischen. „Die Ruhezone ist das Gebiet, in dem der Kormoran sitzt“, sagt er.

Die Regierung von Oberbayern möchte den Vorwurf nicht gelten lassen. „Wir wissen, dass die Fischer in die Kernbereiche wollen. Aber es gibt naturschutzrechtliche Schranken, über die wir uns nicht hinwegsetzen dürfen“, sagt ein Sprecher. Zumal Oberbayern der erste Bezirk sei, „der den Landtagsbeschluss vom Mai 2009 umfassend umgesetzt hat“. Die Fischer hätten den neuen Kompromiss in den Gesprächsrunden gut aufgenommen.

"Nicht schießen, weil es opportun ist"

Wirklich positiv ist das Echo an der Tiroler Achen (Kreis Traunstein) nicht. Auch dort ist die Kernzone vom Abschuss ausgenommen. Die Fischer klagen ihr Leid über den Kormoran, ein „Zuagroaster“, wie es Fritz Hornschuh ausdrückt. Dem Rimstinger Fischer (Kreis Rosenheim) will es nicht in den Kopf, „warum ein Vogel, der nicht mal heimisch ist, mehr geschützt wird, als unsere Fische“. Der Kormoran steht unter Artenschutz - Fische wie Äsche und Renke auf der „Roten Liste“ der gefährdeten Arten.

Als Artenschutzexperte beim Landesamt für Vogelschutz (LBV) war Andreas von Lindeiner selbst bei diversen „Runden Tischen“ dabei. „Ich bin entschieden gegen den Abschuss, das kann keine Lösung sein“, sagt er. Unglücklich ist er vor allem mit der Jagd am Ammersee. Dort gebe es bislang keine Ruhezone, „deshalb werden wir das mit Argusaugen verfolgen“. Statt sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, plädiert er dafür, Alternativen zu finden, „und nicht zu schießen, weil es opportun ist“.

Vorgabe: Vertreiben statt Abschuss

Als Feind des Kormoran möchte Hornschuh - bis zum Eklat um den Vogel selbst Mitglied im LBV - nicht bezeichnet werden. „Wir Fischer haben keine Lust, Kormorane abzuschießen“, sagt er. Eine Alternative hat er auch schon parat: „In Mecklenburg-Vorpommern werden die Vogeleier mit Öl eingerieben. Das tötet die Föten ab.“ So behalte man die Population im Griff.

Als kleines Zuckerl betrachte er das Entgegenkommen der Behörden. Bleibt nur die Frage: Wer schießt den Vogel ab? Die Fischer haben den Bayerischen Jagdverband (BJV) um Hilfe gebeten. „Wir zeigen unsere Solidarität mit den Fischern und Teichwirten“, verspricht BJV-Präsident Jürgen Vocke. Im Moment ist Schonzeit, aber „ab August werden wir unsere Jäger aufrufen, sich im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben am Vergrämen zu beteiligen“. Vertreibung statt Abschuss lautet dann die Vorgabe.

Kathrin Brack

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