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Der Kormoran ist zum „Vogel des Jahres“ ernannt worden.

Kormoran „Vogel des Jahres“: Fischer und Minister sauer

München - Die Wahl des Kormorans zum Vogel des Jahres ist bei der Staatsregierung und den Fischern in Bayern mit Verärgerung und Kopfschütteln aufgenommen worden.

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Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) nannte die Wahl "absolut nicht nachvollziehbar". Bisher seien nur gefährdete Arten gewählt worden, sagte Brunner am Freitag nach Angaben seines Ministeriums. Der Kormoran aber bedrohe selbst Fischarten in ihrem Bestand, allen voran die Äsche. Brunner erinnerte in dem Zusammenhang auch an einen Landtagsbeschluss vom Mai dieses Jahres, der eine effektive und schnelle Bekämpfung des Kormorans zum Ziel habe.

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Der Präsident des Landesfischereiverbandes Bayern (LFV), Eberhard Roese, sagte in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in München, in Europa gebe es zwei Millionen Kormorane, die eine Bedrohung für den Fischfang darstellten. "Insbesondere im vergangenen Winter sind viele Gewässer de facto vom Kormoran leergefressen worden." Dem Naturschutzbund Deutschland und dem Landesbund für Vogelschutz warf Roese deshalb Instinktlosigkeit bei ihrer Wahl vor.

Der LFV-Präsident vermutet vielmehr, dass es sich bei der Entscheidung um eine Retourkutsche gegen die Fischer handelt, weil diese wegen des Vogels massiv politisch aktiv geworden seien. "Der Fischereiverband hatte sich in der Vergangenheit für eine Dezimierung der Kormoranbestände eingesetzt." Ziel des LFV sei es gewesen, das Verhältnis zwischen Kormoran und Fischfauna auszubalancieren.

Vor allem Fische wie die Äsche und die bedrohte Nase seien eine leichte Beute für den Kormoran. Sie laichten gerade zu der Zeit, zu der der Hunger der Kormorane am stärksten ist. Um dem Fischfang eine Überlebenschance zu sichern, muss nach Ansicht von Roese die Masse der Durchzügler vermindert werden, die alle Jahre im Winter durch Bayern zieht.

Dort treffe es vor allem die Fischer am Chiemsee. "Da haben wir eine große Kormoran-Brutkolonie im Naturschutzgebiet und wenn dieser Bestand nicht ausbalanciert werden kann zur Fischfauna, dann ist es irgendwann mal passiert in unseren Gewässern", sagte Roese weiter. Die Wahl zum Vogel des Jahres sei deswegen "in höchstem Maße ärgerlich".

dpa

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