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Das Flexi-Jahr eines Achtklässlers nach Variante 1 (Beispiel): Sechs Stunden fallen weg – für zusätzliche Fördermaßnahmen.

Individuelles Wiederholen

Flexi-Jahr: Wieder 13 Schuljahre am Gymnasium

München - Am Gymnasium sollen künftig auch 13 Schuljahre bis zum Abitur möglich sein. Das Kultusministerium hat jetzt die Modalitäten des sogenannten Flexibilisierungsjahres festgelegt.

Das „Flexi-Jahr“ zur individuellen Wiederholung eines Schuljahres ist das Alternativkonzept von Kultusminister Ludwig Spaenle. Die Idee entstand im letzten Jahr, als die Diskussion über zu viele Durchfaller beim Abitur entbrannte und SPD und Teile des Philologenverbands die Wiedereinführung des G 9 forderten. In hektischen Sondierungsrunden suchten Ministerpräsident Horst Seehofer zusammen mit Spaenle sowie Lehrern und Schülern nach Auswegen – und das Flexi-Jahr ward geboren. „Den Schülern soll mehr Zeit gegeben werden – wenn sie es brauchen“, sagte Spaenle unserer Zeitung. Er verwahrt sich strikt gegen Formulierungen wie „G9 durch die Hintertür“.

In der 20-seitigen Erstinformation „Individuelle Lernzeit am Gymnasien“, die unserer Zeitung vorliegt, wird das Flexi-Jahr als „ein Kernelement der individuellen Lernzeit“ bezeichnet. Das Flexi-Jahr soll demnach schon zum nächsten Schuljahr angeboten werden. Im März wird es zehn Informationsrunden mit Direktoren geben. Schon am Wochenende weiht Spaenle die Landeselternschaft der Gymnasien ein, auch die Gymnasien haben ein Rundschreiben erhalten. „Schüler werden beraten, sobald sich abzeichnet, dass für sie das Flexibilisierungsjahr ... eine sinnvolle Alternative für die weitere Schullaufbahn sein könnte“, heißt es.

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Es soll zwei Varianten geben:

  • 1: Der Schüler entscheidet sich am Ende der bestandenen 8., 9. oder 10. Klasse, die jeweilige Jahrgangsstufe „in modifizierter Form“ erneut zu besuchen.
  • 2: Der Schüler entscheidet sich im voraus, die 8. oder 9. Klasse in zwei Jahren zu durchlaufen.
  • Während des Flexi-Jahres bleibt der Schüler in der Regelklasse, es gibt daher keine Mindestschülerzahl. Und: Die „Option zur Entschleunigung des Lernens“ (Spaenle) soll an jeder Schule angeboten werden. Die Schüler müssen sich allerdings aktiv dafür entscheiden. Sie werden, egal ob Variante 1 oder 2, vom Unterricht in einzelnen Fächern (insgesamt bis zu sechs Wochenstunden) befreit und erhalten abweichend von ihrer Regelklasse einen speziellen Stundenplan. In der Regel würden wohl drei je zweistündige Fächer wegfallen, sagte Spaenle. Also zum Beispiel Geographie oder Geschichte. Hauptfächer wie Englisch oder Mathematik können nicht abgewählt werden. Die gewonnene Zeit solle „für Fördermaßnahmen, Beratungsgespräche, eigenständiges Arbeiten etc.“ genutzt werden, heißt es in der Erstinformation. Festgelegt wird das von einem „Lerncoach“, also einem Lehrer, den die Schule benennt. Ein wöchentliches Beratungsgespräch mit dem „Lerncoach“ ist Pflicht.

Das Flexi-Jahr wird nicht als Sitzenbleiben gewertet. Allerdings erhält der Schüler erst am Ende des zweiten Jahres ein Abschlusszeugnis. Wer sich für die Variante 2 entscheidet, der absolviert sogenannte einjährige „Teiljahrgangsstufen“, also zum Beispiel ein Jahr lang die Klasse „8.1“ und ein Jahr lang die „8.2“. Erst wenn beide Jahre geschafft sind, gibt es ein Zeugnis.

Ausdrücklich wird in der Erstinformation betont, dass das Flexi-Jahr nicht nur für schwächere Schüler geeignet sei. Sondern auch für Schüler mit speziellen Neigungen, etwa in Musik oder Sport. So bleibe Zeit für die Fähigkeiten.

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Neben dem Flexi-Jahr sollen zum kommenden Schuljahr auch die Förderangebote deutlich erweitert werden. In der Erstinformation gibt es einen langen Katalog von Beispielen, etwa Hospitation im Fachunterricht der Parallelklasse, Blockseminare zur Aufarbeitung von Lücken, ja sogar digitale Lernplattformen. Die Förderstunden würden zunächst stärker angenommen als das Flexi-Jahr, vermutet Spaenle.

Das könnte auch an dem komplizierten Verfahren liegen, vermutet Heinz-Peter Meidinger, Schulleiter in Deggendorf und Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands. „Die organisatorischen Schwierigkeiten sind enorm“, lautet seine Einschätzung. Die meisten Schüler würden wohl in der 10. Klasse Variante 1 nehmen, um sich für die Oberstufe fit zu machen. Versprechungen nach mehr Förderunterricht misstraut Meidinger. Förderstunden seien gut. Aber meist gebe es dafür nicht genug Lehrerstunden.

Von Dirk Walter

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