Flixbus plant im kommenden Jahr massive Haltestellen in Bayern zu streichen. Das könnte vor allem auch Fahrten nach München betreffen.
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Flixbus plant im kommenden Jahr massiv Haltestellen in Bayern zu streichen. Das könnte vor allem auch Fahrten nach München betreffen.

Unternehmen fühlt sich benachteiligt

Flixbus: Haltestellen-Schock! Unternehmen droht mit massiven Streichungen in Bayern

  • Johannes Welte
    vonJohannes Welte
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Flixbus plant im kommenden Jahr massiv Haltestellen in Bayern zu streichen. Das könnte vor allem auch Fahrten nach München betreffen. Über die Gründe wird nun gestritten.

  • Das Münchener Unternehmen Flixbus will offenbar 30 Prozent des Streckennetzes kürzen.
  • Betroffen wären vor allem Nord- und Ostbayern, aber auch Oberbayern.
  • Im Vergleich zur Bahn fühlt sich Flixbus benachteiligt.

München – Das Münchner Unternehmen Flixbus ärgert sich. Für die Fernverkehrstickets der Bahn wird die Mehrwertsteuer zum Jahreswechsel von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Für Flixbus nicht. 

Der Fernbusbetreiber fühlt sich benachteiligt. Dadurch würden sich die Rahmenbedingungen im Fernverkehr massiv verschieben. „Als Konsequenz müsste Flixbus das Streckennetz um voraussichtlich 30 Prozent einschränken“, kündigt die Unternehmens-Sprecherin Franziska Köhler an. Allein in Bayern sollen 23 Halte wegfallen.

Vor allem in Schwaben, Nord- und Ostbayern wären Flixbus-Stationen betroffen. In Oberbayern sind die Haltepunkte in R osenheim, Mühldorf und Landsberg am Lech bedroht. Von Rosenheim aus werden etwa Fahrten nach Wien, Budapest, Zürich und Graz angeboten. 

Flixbus: Haltestellen-Schock - massiven Streichungen in Bayern stehen an

Auch im Voralpenraum werde es eine starke Ausdünnung des Angebots geben, kündigt Köhler weiter an. Details will sie noch nicht nennen, deutete aber bereits an, dass vor allem ländliche Regionen von den Streichungen betroffen sein könnten.

In Oberbayern gibt es weitere beliebte Haltestellen in Garmisch-Partenkirchen, Mittenwald oder Schongau. Am Wochenende fährt Flixbus auch von München über Ettal, Linderhof, Oberammergau, Steingaden, Halblech und Schwangau nach Füssen und zurück.

Raubling bei Rosenheim ist eine Drehscheibe für Fahrten zwischen dem Balkan und München sowie Augsburg und Stuttgart. Siegsdorf, Ruhpolding, Inzell, Bad Reichenhall und Bischofswiesen werden in Richtung München angefahren. Auch die Fahrten, die in München starten, wären von der Streichung betroffen. 

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Flixbus: Haltestellen-Schock - diese Städte könnten betroffen sein

„Wir können womöglich weniger Verbindungen zu Zielen innerhalb Deutschlands anbieten und müssten uns auf Verbindungen in Richtung Ost- und Südeuropa konzentrieren“, sagt Franziska Köhler.

Die Politik habe die Fernbusse einst ermöglicht, betont die Flixbus-Sprecherin. „Nach nur wenigen Jahren zurückzurudern und diese Entwicklung in der Fläche massiv einzuschränken, wäre schwer zu verstehen und ginge gegen eine nachhaltige Mobilitätswende.“ 

Laut Bundesumweltamt hätten Fernbusse sogar eine bessere Klimabilanz als Züge, argumentiert Köhler. Außerdem verweist sie auf ein neues Gutachten, das belege, dass eine Ungleichbehandlung von Fernbahn und Fernbus gegen den Grundsatz der steuerlichen Neutralität verstößt. „Wir werden die Mehrwertsteuerreduzierung für den Fernbus einklagen“, sagt Köhler. Flixbus will wegen dem Klimaschutzpaket die Streckenziele im ländlichen Raum minimieren.

Flixbus: Haltestellen-Schock in Bayern - das sagt ein Bahnexperte

Gerd Weibelzahl, Bahnexperte beim bayerischen Landesverband des Verkehrsclub Deutschland, warnt aber davor, Fernbus und Fernbahn gleichzusetzen. „Die Bahn muss ihre Trassen selbst finanzieren, der Fernbusverkehr zahlt nicht einmal Maut.“ Dass der Fernbusverkehr beim CO2-Ausstoß besser abschneidet, liege daran, dass die Busse nur in den meist angefragten Zeiten fahren und man Tickets reservieren müsse – das sorge für eine hohe Auslastung. 

„Bei der Bahn herrscht dagegen Beförderungspflicht.“ Dennoch würde Weibelzahl eine Mehrwertsteuersenkung auch für Fernbusse befürworten: „Aber nur dann, wenn sie auch weniger frequentierte Strecken anfahren und einen Taktverkehr über den ganzen Tag anbieten.“

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