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Vor sechs Jahren floh Ramin Abdullah aus Afghanistan nach München. Hier steht er in der ICE-Werkstatt München. Er ist Oberleitungstechniker bei der Bahn.

Ausbildung zum Elektroniker

Deutsche Bahn stellt Flüchtlinge ein

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München - Die Deutsche Bahn startet ein Programm zur Qualifizierung erwachsener Flüchtlinge. Sie werden in München zu Elektronikern ausgebildet. „Wir fühlen uns hier in der Verantwortung“, sagt ein DB-Vorstand.

Ramin Abdullah (23) hat es geschafft. Vor sechs Jahren, mit 15, schlug sich der junge Mann, der der usbekischen Minderheit in Afghanistan angehörte und in Sancharak unweit von Masar-e Scharif lebte, alleine nach Deutschland durch. Ramin Abdullah bezahlte Schleuser, reiste illegal durch den Iran und die Türkei, kam dann mit einem Schlauchboot nach Griechenland und fuhr dann auf der Balkanroute weiter. Schließlich landete der junge Usbeke in München. „Ich war ganz allein“, sagt er. Nicht einmal andere Usbeken hatte er auf der langen Tour kennengelernt.

Sechs Jahre später hat Ramin Abdullah seinen Mittelschul-Abschluss und einen Anstellungsvertrag bei der Deutschen Bahn in der Tasche. „Es hat geklappt“, sagt er in gutem Deutsch beim Pressetermin im ICE-Werk an der Donnersbergerbrücke. „Die Deutsche Bahn ist super.“ Ramin Abdullah ist heute Facharbeiter für Oberleitungstechnik bei der DB Netz, die am Ostbahnhof ihren Sitz hat. Wenn im östlichen Oberbayern wieder einmal ein Oberleitungsschaden auftritt, dann ist unter dem Trupp, der vor Ort den Schaden repariert, mit einiger Wahrscheinlichkeit auch der junge Usbeke zu finden. Der hat noch einiges vor: „Ich will Meister werden“, sagt er selbstbewusst.

Solche Beispiele machen Mut, sagt Ulrich Weber, Personalvorstand des DB-Konzerns und zuletzt als harter Verhandler beim Lokführerstreik in den Medien präsent. In München stellte Weber das bundesweit erste Qualifizierungsprogramm für erwachsene Flüchtlinge vor. Bei der Bahn in Deutschland seien 200 000 Menschen aus über 100 Nationen beschäftigt. Angesichts der Flüchtlingszuwanderung „fühlen wir uns in der Verantwortung“, bei der Integration zu helfen. Gestern startete in München eine erste DB-Klasse mit 15 Flüchtlingen, die eine gute Bleibeperspektive haben.

Flüchtlingsjobs bei der Bahn als "Blaupause" für andere Unternehmen

Es sind Migranten wie etwa der Algerier Fradj Tarek (36), der zwölf Jahre in seinem Heimatland als Elektriker gearbeitet hat, ohne je eine Ausbildung zu haben. Bei der Bahn kann er sich nun nachschulen lassen. „Das ist eine sehr gute Chance für mich“, sagt er auf Deutsch. Auch einige Schwarzafrikaner sind in der Klasse. Anyikam Henry Chukwudi (28) aus Nigeria lebt jetzt in Poing (Landkreis Ebersberg). Über einen Flyer, in dem die DB in drei Sprachen über das neue Programm informierte und den sie über Wohlfahrtsverbände verteilte, stieß er zur Bahn. Noch spricht Chukwudi fast nur Englisch, aber das soll sich ändern. Zusammen mit dem Bildungswerk der bayerischen Wirtschaft und anderen Partnern werden die Berufsstarter bis zu vier Monate lang in Deutsch unterrichtet und schnuppern parallel dazu schon etwas DB-Luft.

Auch der Nigerianer Vincent Ihejieto ist in der Klasse. Er ist schon 40 und lebt seit zwei Jahren in Röhrmoos im Landkreis Dachau. Wie sein Landsmann Chukwudi hat er die Vorauswahlrunde überstanden, denn die DB hatte zunächst 80 Kandidaten zu einem Schnuppertag, bei dem sie schon ein wenig löten mussten, eingeladen. Wenn alles klappt, dann sind die Nigerianer in spätestens 28 Monaten fertig ausgebildete Elektroniker für Betriebstechnik.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) setzt große Hoffnungen in das Projekt. BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker sprach von einer „Blaupause“, die auch auf andere große Unternehmen angewandt werden könnte. Es sei „ein schönes Beispiel, wie die Integration von Flüchtlingen gelingen kann“. Zwar seien die meisten Flüchtlinge nicht nach deutschem Muster für Berufe ausgebildet, „aber die Menschen können etwas“. Und sie würden gebraucht. „Wir sind auf Zuwanderung angewiesen“, betonte Becker. 2030 seien schließlich sechs Millionen Deutsche weniger im erwerbsfähigen Alter. Die Flüchtlinge könnten diese Lücke schließen. 

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