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„Amani, sieh nicht zurück“ – so heißt das Buch, das Berufsschüler gemeinsam mit jungen Flüchtlingen geschrieben haben

In Schwandorf

Projekt an Berufsschule: Flüchtlinge schreiben Kinderbuch

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Schwandorf - Amanis Geschichte ist frei erfunden – aber sie ist wahr. Es ist eine Geschichte, die viele Flüchtlinge erzählen könnten, würden sie nach ihren Geschichten gefragt werden. Berufs- und Fachoberschüler haben genau das getan – und mit den jungen Asylbewerbern ein Kinderbuch veröffentlicht.

Der Krieg erreicht Amanis Dorf, als sie gerade mit ihrem Freund Binan Fußball spielt. Und er ist dem Mädchen so fremd, dass es das Grummeln und die dunklen Wolken am Himmel erst für ein Gewitter hält. Er verändert alles. Es riecht zu Hause nicht mehr nach dem selbst gebackenen Fladenbrot ihrer Mutter, sondern nach Rauch und Asche. Statt Fußball zu spielen, sitzt Amani mit ihrem Freund Binan im Keller und sucht Schutz vor den Bomben, die auf das syrische Dorf fallen. Eines Nachts muss sie ihre Heimat verlassen – außer ihrem Teddy und einer Jacke, die sie über ihr Nachthemd zieht, darf sie nichts mitnehmen. Ihre Eltern fliehen mit ihr in den Libanon. Und von dort weiter bis nach Deutschland. Ein Land, von dem Amani noch nie gehört hatte – in dem alles fremd ist.

Andreas Hollender Geschäftsführer neuDENKEN

Ihre Geschichte ist die Geschichte eines syrischen Kindes. Frei erfunden, aber wahr. Sie setzt sich zusammen aus zehn einzelnen Lebensgeschichten von Asylbewerbern in Bayern, die die Integrationsklassen am Beruflichen Schulzentrum in Schwandorf besuchen. Sie haben den anderen Schülern von ihrer Heimat, ihrer Flucht und dem Neuanfang in Deutschland berichtet – und gemeinsam mit ihnen ein Kinderbuch aus ihren Erfahrungen gemacht.

„Dazu war viel Vertrauen nötig“

Betreut haben dieses Projekt Andreas Hollender, der Geschäftsführer von neuDENKEN Media in Regensburg, und die Texterin Katrin Holle. „Es ging uns darum, dass sich die Jugendlichen selbst ein Bild von Flüchtlingen machen“, sagt Holle. Sie wollten die Begegnungen zwischen den Jugendlichen fördern, Vorurteile und Distanz überwinden. Und die Zehntklässler, die sich freiwillig für das Projekt gemeldet hatten, wollten den jungen Flüchtlingen helfen, sich in dem neuen Alltag mit fremder Kultur und Sprache zurechtzufinden. „Dazu war viel Vertrauen nötig“, berichtet Holle. Und viele Gespräche. Erst ging es um Kulturen, um Traditionen und Heimat – nach und nach ging es um Erlebnisse, über die einige der Flüchtlinge noch mit niemandem gesprochen hatten. Die Summe all dieser Gespräche ist Amani, das Mädchen aus dem syrischen Dorf.

Katrin Holle Texterin

Den Feinschliff für die Geschichte hat Katrin Holle übernommen. Das Buch ist in Andreas Hollenders Verlag erschienen. Eine Illustratorin hat Bilder zu den Szenen gemalt, ein Übersetzer hat den Text ins Arabische übertragen. „Es war uns wichtig, dass das Buch von allen zusammen an einem Tisch gelesen werden kann“, betont Hollender. „In zwei Sprachen und selbst von Kindern, die noch nicht lesen können.“

Die Regierung der Oberpfalz ist bereits auf das Projekt aufmerksam geworden. Sie möchte das Buch für die Lehrer-Fortbildungen verwenden. „Es soll Unterrichtsmaterial dazu angefertigt werden“, berichtet Hollender. Noch viel mehr freut er sich aber über einen Nebeneffekt, den er während der vergangenen 15 Monate beobachtet hat. „Amanis Geschichte hat nicht nur Verständnis, sondern auch eine Verbindung zwischen den Jugendlichen geschaffen“, erzählt er. „Während sie das Buch geschrieben haben, sind sie ein Herz und eine Seele geworden.“

„Amani, sieh nicht zurück!“ ist im Verlag neuDENKEN Media erschienen, 80 Seiten, ISBN 978-3-944793-77-1.

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