Landrat Heinrich Trapp (oben) hat für Dingolfing-Landau bereits 1250 Exemplare bestellt.

Sprache als Schlüssel zum Erfolg

Flüchtlings-Knigge: Landrat bestellt gleich 1250 Exemplare

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München - Das Münchner Islam-Forum will mit einem Bayern-Knigge die Integration muslimischer Flüchtlinge verbessern. Die Sitten und Gebräuche in Deutschland werden darin nicht nur erklärt, sondern mit passenden Koran-Versen ergänzt. Die Nachfrage nach der Broschüre ist groß.

Es gibt ein arabisches Sprichwort, das sagt: „Wenn du 40 Tage mit einem Volk lebst, bist du einer von ihnen.“ Dass es in den allermeisten Fällen nicht ganz so einfach läuft, weiß Benjamin Idriz natürlich. Der Imam aus Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau) hat genug muslimische Flüchtlinge kennengelernt, um zu wissen, dass Integration ein langwieriges und schwieriges Bemühen ist. Das Münchner Islam-Forum, hinter dem Idriz steht, hat deshalb die vergangenen drei Monate an einem Bayern-Knigge gearbeitet. Die Broschüre soll zwischen muslimischen Flüchtlingen und den Bürgern eine Brücke bauen und Spannungen von vornherein entschärfen.

In dem Heft mit dem Titel „Willkommen in Deutschland“ sind deutsche Sitten und Gebräuche erklärt und mit Verhaltenstipps ergänzt. Beispielsweise das in Bayern traditionelle „Grüß Gott“ zur Begrüßung, das laut Knigge „eine Art bayerisches as-salamu aleikum“ ist. Die Broschüre erklärt dazu: „Bei der Begrüßung, beim Verabschieden, oder wenn man sich neu kennenlernt, schütteln sich sowohl Männer als auch Frauen in Deutschland gegenseitig die Hände. Dabei schaut man sich gegenseitig kurz in die Augen. Wenn ein ehrliches Lächeln noch dazu kommt, drückt man Freundlichkeit aus.“ Auch die Vollverschleierung wird in der Broschüre thematisiert: „Sie ist weder islamisch erforderlich noch gesellschaftlich erwünscht. Das Gesicht macht die Identität des Menschen aus und diese soll nicht verhüllt und verschleiert, sondern gezeigt werden.“

Ude: Broschüre sei Meilenstein für ein gesundes Islamverständnis

Das Heft widmet sich Themen wie Gleichberechtigung, Grundgesetz, Rolle der Frau oder Menschenwürde und ergänzt die Texte mit passenden Koran-Versen oder Zitaten des Propheten Mohammed. „Der Islam ist kein Hindernis für eine gelungene Integration“, betont Benjamin Idriz. „Er fördert sie sogar.“ Er habe in Flüchtlingsunterkünften oft erlebt, dass viele muslimische Asylbewerber glücklich darüber sind, dass der Islam hier anders ausgelegt wird.

Landrat Heinrich Trapp (oben) hat für Dingolfing-Landau bereits 1250 Exemplare bestellt.

Die Broschüre sei ein Meilenstein für ein gesundes Islamverständnis, urteilte Münchens Alt-OB Christian Ude, der auch Kuratoriumsvorsitzender des Islam-Forums ist. Er habe viele Flüchtlinge kennengelernt, die hilflos versucht haben, sich in ihrer neuen Lebenssituation zurecht zu finden, erzählte er. „Die Menschen besitzen oft nicht mehr als ihren Glauben, wenn sie bei uns ankommen“, sagt Ude. „Es ist wichtig, dass es eine islamische Stimme gibt, die muslimische Flüchtlinge über gesellschaftliche Grundregeln in ihrem Zufluchtsland aufklärt.“

Die Broschüre wird in Kooperation mit der „Fachstelle für Demokratie – gegen Extremismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit“ herausgegeben. Die erste Auflage umfasst 26 000 Exemplare – 1000 auf Deutsch, 10 000 auf Englisch, 15 000 auf Arabisch. Die Nachfrage ist schon jetzt groß, berichtet Idriz. Er habe zahlreiche Anfragen und Anrufe bekommen.

Zu wenige Dolmetscher

Einer dieser Anrufe kam von Landrat Heinrich Trapp (SPD). Er hat für die Helferkreise und Flüchtlingsunterkünfte im Kreis Dingolfing-Landau 1250 Exemplare bestellt. „Bei uns leben momentan 1000 Flüchtlinge, die wir in ihrer Muttersprache nicht erreichen, weil es zu wenig Dolmetscher gibt“, sagt er. Jeden Tag gibt es Missverständnisse. Und Ärger, weil Flüchtlinge nicht wissen, wie sich richtig verhalten müssen. Erst vor ein paar Tagen hat Trapp beobachtet, dass jugendliche Flüchtlinge für eine Mutter mit Kinderwagen auf dem Gehsteig keinen Platz gemacht haben. Die Frau musste schimpfend auf die Straße ausweichen. „Solche Situationen sorgen für Ärger, den wir gerne vermeiden würden“, sagt der Landrat. Wenn die Broschüren nur etwas helfen, die Rolle der Frau und Sitten in Deutschland zu erklären, dann sei das Geld dafür gut angelegt, betont Trapp. „Wir verlangen von den Flüchtlingen, dass sie auch etwas dazu beitragen, in unserer Gesellschaft aufgenommen zu werden. Hilfen von Glaubensbrüdern in ihrer Muttersprache machen das um vieles leichter.“

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