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Helfer des Roten Kreuzes sind unermüdlich im Einsatz, hier in Garmisch.  

BRK fordert Entlastung für Ehrenamtliche

Flüchtlingskrise: Hilfsorganisation ruft um Hilfe

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München - Monatelang haben die Helfer des Bayerischen Roten Kreuzes Flüchtlinge versorgt. Nun stoßen die ehrenamtlichen Kräfte an ihre Grenzen, warnt die Hilfsorganisation. Ihr Wunsch: mehr Hauptamtliche, mehr Solidarität und weniger Bürokratie.

Manchmal weiß Florian Halter nicht, worüber er sich größere Sorgen machen soll. Um die vielen Ehrenamtlichen, die seit Wochen unermüdlich für Flüchtlinge im Einsatz sind und dabei an ihre Grenzen kommen. Oder über den Winter, der vor der Tür steht und Unterbringung noch schwieriger macht. Über den nicht abreißenden Flüchtlingsstrom. Oder über den Dienstplan für morgen, den er aufstellen muss, obwohl er den vielen Helfern gerne eine Verschnaufpause gönnen würde.

Florian Halter, Kreisbereitschaftsleiter des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in Berchtesgaden.

Florian Halter ist Kreisbereitschaftsleiter des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in Berchtesgaden – und damit in einem der vier Brennpunkte Bayerns. In den Grenzregionen im Berchtesgadener Land, Rottal-Inn, Passau und Freyung-Grafenau mussten die vergangen Wochen besonders viele Flüchtlinge registriert, versorgt und weitergeleitet werden – weil München während des Oktoberfestes entlastet werden sollte. Die ehrenamtlichen Helfer haben dafür ihre restlichen Urlaubstage geopfert und Überstunden abgebaut. „Wir sind seit 35 Tagen in Schichten rund um die Uhr im Einsatz“, sagt Halter. Und schon seit Tagen weiß er nicht mehr, wie lange das noch so weiter gehen kann. „Auch wenn die Arbeitgeber noch so entgegenkommend sind“, sagt er, „jeder Helfer muss irgendwann wieder arbeiten oder für die Familie da sein.“

Florian Halter hat schon vor Wochen damit begonnen, um Hilfe zu bitten. Er hat überregional Unterstützung bekommen, auch von Seiten der Bundeswehr. Das hat gereicht, um den Ehrenamtlichen eine kleine Verschnaufpause zu ermöglichen – aber nicht, um die Flüchtlingskrise weiterhin zu stemmen.

Mehr als 700 Ehrenamtliche sind täglich bayernweit im Einsatz

Bayernweit sind täglich mehr als 700 freiwillige Helfer aus Hilfsorganisationen für die Flüchtlinge im Einsatz – und das seit Monaten. Der BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk hatte schon vor anderthalb Wochen eine Entlastung der Ehrenamtlichen gefordert. Diesen Appell formulierte der BRK-Präsident Theo Zellner gestern noch drastischer: „Wir sind nicht mehr in der Lage, diese humanitäre Katastrophe zu bewältigen“, sagte er. Die Politik könne nicht erwarten, dass eine Krisenlage dieser Dimension von Freiwilligen bewältigt werde.

Zellner hat drei konkrete Forderungen: Es müssen hauptamtliche Stellen geschaffen und finanziert werden. Alle Einsatzkräfte der Hilfsorganisationen müssen gleichgestellt werden mit den Kräften der Feuerwehr, die für ihren Einsatz freigestellt werden und den Verdienstausfall ersetzt bekommen. Und: Der Flüchtlingsstrom muss kanalisiert und gerecht innerhalb Deutschlands und der EU verteilt werden. „Die Hauptlast trägt Bayern“, betont Zellner. Er fordert mehr Solidarität – von der Staatsregierung, den anderen Bundesländern und vor allem von Europa. Von der Kanzlerin erwartet er: „Sie muss endlich sagen, wie das alles geschafft werden soll.“

Katastrophale Zustände an der Grenze

Herbert Wiedemann, BRK-Kreisgeschäftsführer in Rottal-Inn.

Unter den Einsatzkräften sei die Stimmung noch gut, berichtet Florian Halter. Sie sind noch immer motiviert zu helfen – doch auch für sie werde die Situation immer schwieriger. Herbert Wiedemann, der BRK-Kreisgeschäftsführer in Rottal-Inn, berichtet von katastrophalen Zuständen an der Grenze. Zum Teil würden die Helfer erst eine halbe Stunde vorher erfahren, dass Busse mit neuen Flüchtlingen eintreffen. Es gebe keine Zusammenarbeit mit Österreich. In Orten, die keine Zuganbindung oder Autobahn haben, müssen die Menschen teils bis zu 18 Stunden in Zelten ausharren, bevor sie in eine Erstaufnahmeeinrichtung gebracht werden. Das hat die Stimmung unter den Flüchtlingen verändert. Noch vor einigen Wochen hat Wiedemann für jede kleine Hilfe tiefe Dankbarkeit gespürt. Nun nehme die Aggressivität unter den Flüchtlingen zu. Es werden Forderungen gestellt und kaum noch Rücksicht auf Familien oder Kinder genommen. „An jedem Standort eskaliert die Situation alle ein bis zwei Tage“, sagt er. Diese Spannungen würden entstehen, weil die Menschen zu lange auf zu engem Raum zusammengepfercht sind. Wiedemann ist überzeugt: Die tiefe Dankbarkeit nimmt langsam ab.

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