109 Asylbewerber in Regionalzug

Flüchtlingsrat: Polizeikontrollen sind Schuld an Flüchtlingsflut

München/Rosenheim - Der Flüchtlingsrat rät zu weniger Polizeikontrollen, um den Ansturm von Flüchtlingen in Bayern zu mindern. Derweil greift die Polizei über 100 Asylbewerber in einem Zug auf.

Die Meldung klingt auf den ersten Blick sehr seltsam: Der bayerische Flüchtlingsrat empfiehlt der Staatsregierung zu weniger Polizeikontrollen. Das soll die Flüchtlingszahlen in Bayern reduzieren. Das klingt komisch, ist aber ernst gemeint.

Laut der Nachrichtenagentur dpa argumentiert der Flüchtlingsrat folgendermaßen: Viele Flüchtlinge hätten bereits Verwandte in Europa und wollten dorthin weiterreisen. „Die Leute wollen gar nicht alle in Passau, Rosenheim oder München bleiben", sagte Ratssprecher Alexander Thal am Freitag. Die Staatsregierung verschärfe die Probleme bei der Unterbringung mutwillig selbst. Bundespolizei und bayerische Landespolizei kontrollierten die Grenzen umfassend - und würden die Flucht so vorzeitig beenden.

Polizei greift 109 Flüchtlinge in Regionalzug auf

Derweil hat die Bundespolizei am Freitag mehr als 100 Flüchtlinge aus einem Regionalzug geholt. Die 109 Männer, Frauen und Kinder aus Eritrea, Äthiopien, dem Sudan und Somalia hatten nach Angaben vom Freitag die Regionalverbindung genutzt, um die Grenze nach Deutschland unkontrolliert passieren zu können, meldet  dpa. Die Flüchtlinge wurden zunächst in einer Sporthalle untergebracht und dann in eine Aufnahmestelle nach München gefahren. Mehrere alleinreisende Minderjährige kamen in die Obhut des Jugendamts.

Laut Halbjahresbilanz der Bundespolizeiinspektion wurden im Einsatzgebiet von Januar bis Juni 11 000 Menschen bei einem illegalen Einreiseversuch gestoppt. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 9400 gewesen. „Allein in den ersten zehn Julitagen hat die Bundespolizei im südlichen Abschnitt des deutsch-österreichischen Grenzgebiets über 1800 unerlaubt eingereiste Personen registriert“, sagte ein Polizeisprecher.

dor, Material dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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